Gute gewartete Funparks haben sportlichen und sozialen Einfluss auf Ihren Einzugsbereich. OnTheSnow gibt einen Überblick, was einen guten Funpark ausmacht, und befragte Burton Team Manager Sani Alibabic und den Innsbrucker Diplom-Psychologen und Jugendarbeiter Peter Sandner zu sportlichen und sozialen Dimensionen. 

Funparks finden sich inzwischen in den meisten großen und renommierten Wintersportdestinationen der Alpen. Ein Skigebiet, das etwas auf sich hält, bietet jungen Freestyle-Wintersportlern abgesteckte Areale an, in denen eine Sammlung von Hindernissen - der Snowboarder spricht von Obstacles - aufgebaut werden und hintereinander hinweg die Falllinie des Geländes und damit Schwung nutzbar machen. Dabei unterteilt man die Obstacles in drei Kategorien: Rails & Boxen, Kicker und Halfpipe.

Rail-Obstacles werden um den Nachbau eines Treppengeländers herum aufgebaut. Was für Außenstehende absurd klingt, ist für Snowboarder nur logisch, schließlich rutschen diese in eingeschneiten Städten Metallgeländer mittels Boardslide hinunter und wollen das auch tun, wenn in der Stadt mal kein Schnee liegt. Boxen sind eine Weiterentwicklung der Rails, die eine breite Fläche für den „Slide“ und damit andere Trickmöglichkeiten bieten. Beide Obstacle Formen werden durch eine kleine Sprungschanze davor angefahren.

Kicker sind Sprungschanzen aus Schnee. Ein moderner Funpark-Kicker besteht aus Absprung, Table und Landung. Der Table - dieser hieß früher mal Schanzentisch - zeigt die Minimaldistanz an, die ein Fahrer überspringen muss, um in die steile Landung des Kickers zu gelangen. Ist der Table z. B. 15 Meter lang, so liegt die Sprunglänge meistens zwischen 17 und 20 Metern. Auf Kickern zeigen Snowboarder und Freeskier alle erdenklichen Spin- und Flip-Variationen. 

Rails, Boxen und Kicker sind die Obstacles die typischerweise für die Wettkampfdisziplin „Slopestyle“ verbaut werden. Was wiederum zur Folge hat, dass der Halfpipe als eigenständiges Wettkampf-Obstacle eine Sonderstellung zukommt. Halfpipes bestehen aus zwei Walls - einer Frontside- und einer Backside-Wall. Jede Wall führt den Fahrer durch eine Transition von 90°, was zusammen 180° macht und letztendlich den Namen „Halbe Röhre“ ergab. Halfpipes verlangen einem Park-Shaper, der für Gestaltung und Wartung eines Funparks zuständig ist, großes Know-how ab, da eine falsch geshapte Pipe unfahrbar ist, während schlecht geshapte Kicker und Rails durch die individuelle Klasse eines Snowboarders oder Freeskiers kompensiert werden können. 

Es ist unglaublich, wie gut heutzutage vielerorts die Kids schon mit 13 oder 14 Jahren sind. Der Tiroler Sani Alibabic muss es wissen. Nachdem er jahrelang selbst als Snowboard Profi des Burton Snowboard Teams die Funparks auf der ganzen Welt bereist hat, ist er inzwischen auf der Managementseite der Firma Burton angekommen und kümmert sich um das europäische Team der Firma.

Alibabic

Bild: Burton Team Manager Sani Alibabic. Foto: Chris Wellhausen
„Wir suchen und finden junge Talente in Funparks, die regionalen Szenen als Anlaufpunkte dienen. Talente, die dann im Burton Team weiter gefördert werden und ihre Fähigkeiten zusammen mit den weltbesten Snowboardern weiterentwickeln können", sagt Alibabic. "Wir nehmen gezielt Kids ins Team, die sich eine Profikarriere wünschen und darüber hinaus schon über ein großes Spektrum an Tricks verfügen und diese auch sicher stehen! Das ist uns sehr wichtig.“ 

Wettkampf-Snowboarding ist ein Profisport geworden,  der seine Talentschmieden in Form von Funparks entwickelt hat. Für Quereinsteiger ist das fahrerische Niveau inzwischen einfach zu hoch.  Das fahrerische Niveau von heute entwickelte sich auf perfekt geshapten Anlagen in den letzten Jahren so schnell, dass Snowboarding Performances, mit denen heutzutage Main-Events wie die X-Games oder Olympia gewonnen werden, nur noch auf absolut perfekten Anlagen zu erlernen sind. Hangneigungen, Transitions, Absprungs- und Landungswinkel müssen auf das Grad genau zusammenpassen, um jungen Fahrern täglich perfekte Trainingsbedingungen bieten zu können. Schneegemische aus Kunst- und Naturschnee bereitstellen zu können und darüber hinaus den täglichen und saisonalen Lauf der Sonne nicht aus dem Auge zu verlieren, sind Anforderungen, die ein Shaper erfüllen muss, um aus einmal einmalig perfekten Angebot eine saisonale Trainingseinrichtung zu machen.

Erfolgreiche Snowboard-Freestyle Nationen haben nicht einfach nur Funparks, auf denen junge Talente trainieren können, sondern auch hervorragende Shaper, welche die Funparks betreuen. Das sieht auch Sani Alibabic so:

„Es ist gut zu beobachten, dass die Euro-Shaper zu den amerikanischen Shapern aufschließen und die europäischen Snowboard Talente ebenfalls wieder näher an das Leistungsvermögen ihrer nordamerikanischen und skandinavischen Pendants herankommen.“ 

Und das Leistungsvermögen liegt sehr hoch. Während in den 2000ern noch mit Trickkombinationen zwischen 720° und 1080° Drehungen Events von Mitte- bis Endzwanzigern gewonnen wurden, gewinnen heutzutage 17jährige mit 1080°, 1240° und Double-Cork Variationen.

Potenzielle Jung-Profis eine Trainingsmöglichkeit zu sein, stellt aber nur eine Komponente von Funparks und Halfpipes dar. Dazu kommt die soziale Dimension, welche gerade in Skigebieten mit urbanem Einzugsbereich bzw. einer starken lokalen Szene von Bedeutung ist. Funparks und Halfpipes dienen jungen Menschen als Anlaufpunkte, in denen sie sich treffen und gemeinsame Projekte verfolgen können.

Das Areal des Funparks ist abgesteckt, die Obstacles werden bereitgestellt, darüber hinaus schreibt man Kids aber nicht mehr vor, was sie zu tun haben. Eine Beobachtung, die der Innsbrucker Snowboarder und Diplom-Psychologe Peter Sandner wie folgt kommentiert: „Die Kids, die dabei bleiben, egal in welche Richtung sie sich auf den Snowboard entwickeln, lernen dadurch in einem gesteckten Rahmen ihre eigenen Projekte zu verwirklichen – etwas, das viele von Ihnen dann auch auf andere Lebensbereiche übertragen.“ 

Sandner

Bild: Peter Sandner hält ein Plädoyer für Funparks in Skigebieten. Foto: Bach

Klassisch eingerichtete Trainingsgruppen sieht der Snowboard Freestyle und Freeski-Sport zunächst nicht vor. Der Reiz für Kids liegt viel eher darin, dass sie selbst entscheiden können, was Ihnen gefällt und was nicht. Kids, die Wettkampf-Snowboarding als Ziel sehen, werden ihre Tricks dementsprechend entwickeln und dann potenziell Teil von Teams werden, wie sie Sani Alibabic betreut. Kids, die weniger Lust auf Competitions haben, werden sich andere Tricks beibringen, ihren Style anders definieren, und darüber hinaus bei gutem Schnee ins Gelände verschwinden und Tiefschnee fahren.

Die Frage nach der Verweigerung von Autorität und Regelwerken, die letztendlich auch den ewigen Konflikt zwischen Snowboarding (neuerlich auch Freeski) und dem Alpin-Ski-Establishment thematisiert, beantwortet Sandner dabei so: „Meiner Ansicht nach ist das nicht richtig. Snowboarding ist immer noch so viel Subkultur, als dass Autoritäten vorhanden und Hierarchisierungen stark sind - ein typisches Merkmal von Subkulturen.“

Die Kids haben ganz ähnliche Regeln wie der Rest der Gesellschaft - wer wirklich Ahnung hat, der darf diese kundtun. Wer sich mit den Inhalten auskennt, der wird Sprecher einer Szene. "Ich kann nur hoffen, dass Sie diese Bewusstsein auch in Ihr späteres bürgerliches Leben mitnehmen!"

Was passiert aber mit den snowboardenden Kids, wenn beispielsweise ein Funpark geschlossen beziehungsweise dessen Unterhaltung eingestellt wird? "Es werden neue Anlaufstellen und damit auch neue Autoritäten gesucht - und neue Regelwerke entwickelt. Allerdings geht dabei auch viel verloren - die Skigebiete sollten sich da auf jeden Fall ihrer Verantwortung bewusst sein“, so der Mitarbeiter des Jugendreferats des Landes Tirol, Sandner.