Immer größer, immer perfekter, immer neuere Seilbahnen und Lifte, immer mehr und perfekt beschneite Pistenkilometer, noch modernere Geräte, dazu maßgeschneiderte Apps für Benutzer, Online-Tools und Live-Kameras fürs Internet - die großen Skigebiete überbieten sich Jahr für Jahr geradezu mit Superlativen. Aber es geht auch anders: Die Davids der Branche bieten oft nur zwei, drei Lifte, ein paar hundert Pistenmeter, eine Pistenmaschine aus zweiter oder dritter Hand - aber dafür viel Engagement und Herzlichkeit. Auch sie haben ihre Fans... Und hier heißt das Motto: "Darf's ein bissl kleiner sein?"

Österreich - die Wintersportnation Nummer eins. Hier werden Jahr für Jahr Millionen und Abermillionen in Investitionen für die großen Liftgebiete gesteckt. Kein Wunder: Der Wintersport ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Alpenrepublik: Der Gesamtumsatz der Seilbahnwirtschaft beträgt jährlich 1,1 Milliarden Euro. 14.500 Mitarbeiter sind direkt in der österreichischen Seilbahnbranche beschäftigt. Dazu kommen 65.000 Arbeitsplätze, die indirekt durch die Seilbahnwirtschaft gesichert werden.

In Österreich gibt es derzeit 1.079 öffentliche Seilbahnen und 1.984 Schlepplifte. 600 Millionen Menschen werden jährlich von den Seilbahnen und Skiliften befördert. Zum Vergleich: Das entspricht beinahe der Beförderungsleistung des öffentlichen Verkehrs einer Millionenstadt wie Wien mit 850 Million Fahrgästen pro Jahr. Der Löwenanteil dieser Millionenzahlen entfällt natürlich auf die großen Skigebiete - aber dennoch: Auch im Kleinen wird mit viel Engagement an der Infrastruktur für einen perfekten Skiwinter gearbeitet.

Was gerne übersehen wird: Gerade die vielen kleinen Skigebiete sind ein wichtiger Faktor für die regionale Infrastruktur vieler Orte abseits der Wintersportgebiete, bringen Kinder früh zu Sport und Bewegung in der Natur. Für die Zukunft des Wintersports leisten gerade sie einen wesentlichen Beitrag.

Wandwiese

Bild: Die Hohe-Wand-Wiese mitten in der Millionenstadt Wien.

 

Carven in der Millionenstadt: Die Wiener Hohe-Wand-Wiese

Ein Skigebiet in einer Millionenstadt? Doch, das gibt es und das schon seit 45 Jahren. Die Hohe Wand Wiese - „d' Wand Wiesn", wie der Wiener sein Skirevier nicht ohne Stolz nennt. Kein Anfängerhügel, um den Könner verächtlich einen Bogen machen, sondern eine echte Skipiste, auf der auch ambitionierte Skifahrer ihren Spaß haben können. Mit rund 400 Meter Länge, 80 Meter Breite und einem Gefälle von rund 25 Prozent ist Österreichs älteste Kunstschneepiste zwar nicht allzu groß, aber FIS-homologiert und somit weltcup-tauglich. Und das kleine Skigebiet hat sich seinen Platz in der Skisport-Geschichte schon gesichert: Der allererste FIS-Parallel-Slalom ging 1967 hier über die Bühne, zwei weitere Rennen folgten 1968 und 1969, das bislang letzte Rennen war sogar ein Weltcupbewerb.

Mit einer Flutlichtanlage (Betrieb bis 21.30 Uhr bzw. 22 Uhr an Wochenenden), einer modernen Beschneiungsanlage (13 Lanzen und fünf Schneekanonen), Kinder-Skigarten (mit Zauberteppich), Ski- und Snowboardkursen bietet die Hohe-Wand-Wiese echtes Wintersport-Feeling im Kleinformat. An der Hüttenromantik der Alpen mangelt es vielleicht - aber dafür ist die U-Bahn nicht weit und das Apres-Ski kann gemütlich in die City verlegt werden.

Nachsatz: Nein, der einzige Wiener Skihang ist die Hohe Wand Wiesn nicht. Denn sofern Petrus ein Einsehen hat, ist auch die Dollwiese in Hietzing für den Wintersport geöffnet: ein kurzer Hang, ein Kinderschlepplift - das wärs. Aber besser, als zu Fuß nach oben stapfen...

Weitere Informationen: Hohe-Wand-Wiese 

Alles Schorschi in Oberösterreich - ein echter Weltrekordlift

Im Winter 2006 schaffte es der Schorschi-Lift im oberösterreichischen St. Georgen am Walde in die internationalen Schlagzeilen: Der steirische Extremsportler Sepp Resnik brach mit 240 Stunden auf den Brettln den Weltrekord im Dauerskifahren. Und wo? Richtig: Auf der Anlage des Schorschi-Liftes im Waldviertel.

Ein Unikum in der Liftlandschaft - weit und breit das einzige Skigebiet. Ein einziger, aber topmoderner (2008 neu errichteter) Schlepplift befördert jung wie alt nach oben, eine moderne Pistenraupe hält die Abfahrten in Schuß, eine leistungsfähige Beschneiungsanlage mit drei Schneekanonen sorgt für eine ordentliche Unterlage. Überhaupt bietet der Schorschi-Lift fast alles, was sonst auch die großen Ski-Resorts zu bieten haben: Apres Ski (in der Hexenhütte), Flutlichtbetrieb, Skirennen, eine Skischule mit Kursen für Ski und Snowboard und nicht weniger als 15 LehrerInnen, die Schorschi-Loipe (mit Flutlicht-Langlauf-Kursen) und einen eigenen Skiclub. Der Lift war von Anfang an als Projekt der regionalen Nahversorgung gedacht: War der Bau des ersten Lifts im Jahr 1979 noch eine Privatinitiative von 25 Gesellschaftern, so übernahm 1994 der Tourismusverband die Anlage, seit 2003 wird der Lift von einem Verein - natürlich „Schorschi-Verein" genannt - betrieben, der mittlerweile über 200 Mitglieder zählt. Und wieso eigentlich Schorschi? Namensgeber für das Projekt ist das lustige Maskottchen der Initiative - und mittlerweile in der ganzen Region bekannt.

Weitere Informationen: Schorschi-Lift  

Oberaudorf: das „gallische Dorf" an der Grenze

Ein kleines, aber feines Wintersportzentrum hat sich auch an der deutsch-österreichischen Grenze entwickelt: Oberaudorf, wenige Kilometer von Kufstein entfernt. Mit ambitioniertem Konzept sind die Hocheck Bergbahnen vor einigen Jahren angetreten, um ihr Mini-Skigebiet auf Vordermann zu bringen. Mit einer modernen Vierer-Sesselbahn und mittlerweile 4 Schleppliften, einer beliebten Nachtskipiste (wer von München kommend auf der Autobahn Richtung Kufstein fährt, dem ist der taghell beleuchteten Hang gut vertraut), modernen Beschneiungsanlagen und Pistengeräten bietet Oberaudorf beinahe den technischen Standard der großen Konkurrenz.

Hocheck

Obwohl SkiWelt, Kitzbühel und die Zillertaler Skigebiete kaum eine halbe Autostunde entfernt sind, haben die Hocheck-Lifte eine treue Fangemeinde. Die beleuchtete Rodelbahn, ein Kinderskiland, Skischule, Langlaufloipe, ein gemütliches Berggasthaus, eine Sommerrodelbahn und viele Angebote bei Partnerbetrieben machen das Skigebiet zu einer echten Alternative vor allem für Einheimische. Viele Kinder tummeln sich hier, Skiclubs tragen hier ihre Meisterschaften aus und nützen den Hocheck-Lift als Trainingsgelände.

Weitere Informationen: Hocheck Bergbahnen 

Kleines Paradies am Reschenpass

Auch mitten im Hochgebirge halten ein paar Mini-Skigebiete beharrlich die Stellung gegen die Skigebiets-Giganten. Ein kleines Paradies ist das Skigebiet Maseben im Langtauferer Tal am Reschenpass an der österreichisch-italienischen Grenze. Ein Naturschnee-Paradies für Skifahrer, Skitourengeher oder Langläufer - auf 2200 Meter Seehöhe idyllisch gelegen ist Schneesicherheit natürlich kein Thema. Das Skigebiet Maseben bietet 6 km Pisten und ist ideal für die ganze Familie - mit einer Kinderskischule und einer Rodelbahn ist das kleine Resort ideal für Familien geeignet. Drei Lifte (2er Sessellift, 2 Schlepplifte), ein Förderband für die Kleinen - das ist alles, was es für das kleine Skifahrer-Glück braucht. Und dazu noch der Berggasthof „Atlantis der Berge" mit einer herrlichen Sonnenterrasse, gemütlichen Zimmern und erstklassiger heimischer Küche...

Wer einen erholsamen, stressfreien Skiurlaub verbringen möchte, ist hier gut aufgehoben. Einfache bis mittelschwere Pisten, aber auch Angebote für Freerider und Tourengeher und schneesichere Loipen bieten Wintersportlern zahlreiche Möglichkeiten. Maseben gehört dem Skiverbund Ortler Skiarena an - wer also mehr Herausforderungen sucht, kann auch auf die benachbarten großen Skigebiete ausweichen.

Weitere Informationen: Skigebiet Maseben  

 

 

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