Garmisch-Partenkirchen, Deutschland — Es hat mir wirklich viel bedeutet, dass mein Dad am Samstag in Garmisch war, um meinen 50. Weltcupsieg mitzuerleben und dass ich meine Rennwelt wieder mit ihm teilen kann. Wir haben uns nach einer Zeit der Entfremdung wieder gefunden und gehen es beide langsam an. Wir nehmen uns beide Zeit dafür, aber er ist vor zwei Wochen nach St Moritz gekommen, und er war das vergangene Wochenende mit einer meiner Schwestern hier. Es gab verschiedene Gründe für die Entfremdung. Unsere Beziehung war so schlecht geworden, dass wir nicht mehr miteinander sprechen konnten und das schon seit sechs Jahren.


Diese Saison ist für mich wirklich schwierig wegen meiner Scheidung. Ich rief ihn an, und bat ihn um Hilfe und er ist gekommen und hat mir durch alles hindurch geholfen. Wir haben beide beschlossen, dass wir neu starten  und unsere Beziehung neu aufbauen möchten. Vergangenes soll vergangen sein und wir wollen nach vorwärts blicken. Ich bin wirklich glücklich, dass uns das gelungen ist.


Er ist Anwalt, aber das ist nicht der einzige Grund, warum ich ihn kontaktiert habe. Ich brauchte die Unterstützung meines Vaters. Ich habe mit einer meiner Schwestern darüber gesprochen, und sie hat ihn kontaktiert, worauf er mir den Ölzweig gereicht hat. Wir sprachen uns aus und begannen wieder von vorne.


Mein 50. Sieg verbindet mich mit Alberto Tomba, den großen italienischen Schirennläufer der späten 80er und frühen 90er Jahre. Er ist eine Skilegende. Er ist für mich wie Picabo Street, die unantastbare Heldin, beinahe eine Comicfigur. Als ich ihn in meiner Kindheit Rennen fahren sah, schien es mir beinahe, als ob er so ziemlich jedes Rennen gewinnen würde. Er war eine solche Persönlichkeit abseits seiner Karriere. Nie hätte ich gedacht, dass ich den Erfolg von Tomba erreichen würde.


Was mir oft Kopfzerbrechen macht, ist das Ausmaß dessen, was es bedeutet, wenn ich weiterhin Meilensteine des Erfolgs erreiche. Fünfzig Siege stellen einen riesigen Meilenstein dar, und es liegen noch viele Jahre im Rennzirkus vor mir, ich bin also ziemlich gespannt.


In den vergangenen Jahren – den Saisonen 2008-09 und 2009-10, als ich meinen zweiten und dritten Weltcupgesamtsieg gewann -  gab es viel Gemurre bei den anderen Mädchen. Sie sagten so Dinge wie: "Es ist wirklich ärgerlich, dass sie immer gewinnt, gib jemand anderem eine Chance." Das hat einen bitteren Geschmack bei mir zurückgelassen. In diesem Jahr ist es ganz anders. Alle haben mich wirklich sehr unterstützt. Mit allem, was ich in meinem Privatleben durchmache, sieht man, dass ich auch nur ein Mensch bin. Ich habe Probleme, so wie jeder andere auch. Viele Mädchen sind zu mir gekommen und haben gesag: "Es ist wirklich beeindruckend, was du schaffst, wir haben Probleme in unserem Privatleben und das lenkt uns so ab. Ich weiß nicht, wie du das machst.“


Dieses Wochenende fahren wir Rennen in Andorra, einem kleinen Fürstentum zwischen Spanien und Frankreich. Es ist wie Monacco oder Lichtenstein. Niemand fährt dort hin, aber es ist super zum Einkaufen – es gibt dort keine Umsatzsteuer.
Nach den Rennen dort von Freitag bis Sonntag fliegen wir als nächstes zu Rennen nach Sotschi in Russland, wo die Olympischen Spiele 2014 stattfinden werden. Danach geht es nach Moskau zum Parallelslalom bei den „Stadtrennen“ auf einem riesigen Gerüst im Olympischen Park.

Die dreifache Gewinnerin des Gesamt-Weltcups, US-Skistar Lindsey Vonn, veröffentlicht auf OnTheSnow wöchentlich ihr Ski-Tagebuch. Lindsey Vonn berichtet in Zusammenarbeit mit John Meyer, Ski-Redakteur der Denver Post.