Wer wintersportbegeistert ist oder in einem Wintersportort wohnt, hat die Qual der Wahl: Skifahren oder doch lieber Snowboarden? Erwachsene treffen die Entscheidung aus den unterschiedlichsten Gründen, aber wie sollen Kinder sich entscheiden? Schickt man seine Kinder besser in den Skikurs oder den Snowboardkurs? Wir haben Experten gefragt und unterschiedliche Antworten erhalten.

Ben Boyd betreibt eine Snowboardschule in Vail. Der Vater von vierjährigen Zwillingen stammt ursprünglich aus Australien und machte seine Erfahrungen. „Anfangs ließ ich sie Skifahren, weil ich das Gefühl hatte, ihnen fehlt die Balance, um seitlich auf dem Snowboard zu stehen. Im Vergleich zum Körper ist ein Kinderkopf meist groß und schwer, weswegen sie leicht nach vorne fallen.“

Vor kurzem hat sein Sohn mit dem Skateboarden angefangen. „Erst jetzt kann ich ihn auf ein Snowboard stellen, nachdem er die Grundregeln des Gleichgewichts erlernt hat.“ Skateboarden ist nur eine Möglichkeit, um das Gleichgewicht zu trainieren, andere Sportarten sind z. B. Gymnastik oder Ballet und sogar Fußball spielen. Hauptsache, die Koordination von Händen und Beinen wird gefördert, dann wird Snowboarden viel schneller gelingen.

Obwohl Boyds Kinder aller Voraussicht nach Snowboarder werden – immerhin ist ihr Vater einer der Top-Snowboard-Trainer der USA – räumt er ein, dass „es im Grunde genommen nicht schlecht ist, wenn die Kinder mit dem Skifahren beginnen. So gewöhnen sie sich an das Rutschen auf Schnee. Später, wenn sie zum Snowboard wechseln, sind sie mit vielen Grundkonzepten des Wintersports bereits vertraut.“

Jon Casson, Snowboard-Veteran von Steamboat Springs und Betreiber einer Snowboard-Schule, meint, man müsste zuerst herausfinden, was Kinder mehr fasziniert – das Skifahren oder das Snowboarden. „Kinder wollen viele Dinge ausprobieren. Wenn Sie in den Bergen auf Urlaub sind, gehen sie auf ihre Wünsche ein. Kinder merken sofort, was ihnen liegt und was nicht. Danach geben Sie dem Kind ausreichend Zeit, denn kein Meister fällt vom Himmel. Seien Sie geduldig und lassen Sie Ihr Kind experimentieren. Nach einem Gespräch mit dem Ski- oder Snowboardlehrer wissen Sie vielleicht eher, wohin Ihr Kind tendiert.“

„Je nach der körperlichen Entwicklung des Kindes ist der ideale Zeitpunkt, um mit dem Snowboarden zu beginnen, zwischen sechs und acht Jahren,“ meint Casson. Im Normalfall verfügen die kleinen Kinder nicht über die nötige Feinmotorik, um die Skier zu kontrollieren. „Bei ganz kleinen Kindern fahre ich voraus und lasse sie einfach runter rutschen und fange sie auf. Sie lernen zwar nicht, wie man richtig Richtung macht, aber das ist auch Nebensache in dem Alter. Hauptsache die Kinder strahlen von einem Ohr zum anderen, dann habe ich meine Sache gut gemacht.“

In Beaver Creek (Colorado) hat Mark Markowitz die Kinder-Snowboardschule über. Seiner Meinung nach können Kinder ab drei auf einem Snowboard stehen – aber nur in einer Privatstunde mit persönlicher Betreuung. Das Kinderprogramm in Vail beginnt im Alter von fünf Jahren – aber mit nicht mehr als vier Kindern pro Lehrer. Das neue Material macht es möglich. „Früher mussten die Kinder Material und Ausrüstung der Erwachsenen verwenden. Aber heute gibt es sensationelle Produkte für kleine Kinder, z. B. von Burton. Mit neuen Technologien, Materialien und kleineren Boards ist den Kindern enorm geholfen, denn sie tun sich leichter damit, das Equipment ordentlich zu handhaben. Man braucht kein Erwachsener mehr zu sein, um die Techniken des Snowboarden richtig zu lernen.“

Markowitz, der seit über 20 Jahren mit Snowboarden zu tun hat, ist voll des Lobes für die rasante Entwicklung. Für ihn ist Snowboarden einfach viel lustiger und bequemer. „Das Gehen mit den Boots ist viel einfacher als mit den klobigen Skischuhen. Außerdem brauche ich mich nicht um Skistöcke kümmern und Kinder müssen nicht mit überkreuzten Skispitzen kämpfen. Für die kurzen Beine und kleinen Körper ist es oft nicht leicht, die Skispitzen zu kontrollieren. Beim Snowboarden braucht man sich darüber keine Gedanken machen.“

Boyd haut in die selbe Kerbe wie sein Vorredner. „Das wichtigste ist, Spaß zu haben. Sich zu plagen, ist nicht Sinn der Sache.“ Casson ist sich sicher, dass Kinder selbst spüren, für welche Dinge sie sich begeistern können. Sein eindruckvollstes Beispiel ist Maddy Schaffrick, eine Schülerin aus Steamboat. Das Mädchen hat im Alter von fünf Jahren darauf bestanden, das Snowboarden lernen zu wollen. Sie fühlte sich auf dem Board wohl und hat schnell dazu gelernt. Im Alter von zehn Jahren gewann sie ihre ersten Turniere. Die Siegesserie setzte sie bis zuletzt fort. Von diesem Mädchen wird man wohl noch viel hören in Zukunft!