James „der Pfeil" Young ist ein qualifizierter Skilehrer, der 10 Winter hintereinander in den Alpen verbrachte. Lesen Sie seinen Guide für zwei unterschiedliche Sportarten: Skifahren und Snowboarden.

Heutzutage gibt es keine Rivalität mehr zwischen Skifahrern und Snowboardern. Beide Sportarten haben sich stark entwickelt und jeder ist auch ein bisschen erwachsener geworden. Sollten Sie einer jener Skifahrer sein, die sich immer noch über „diese lästigen Snowboarder, die die Pisten bevölkern" beklagen, stehen die Chancen gut, dass ganz hinten in Ihrem Kleiderschrank noch ein leuchtfarbener Overall aus den 80er-Jahren herumhängt.

Immer mehr Menschen fahren in die Berge und sind sehr offen dafpr, ob sie in ihrer ersten Woche Skifahren oder Snowboarden. Mein Rat ist: Entscheiden Sie sich für eine der beiden Sportarten und bleiben Sie die ganze Woche dabei. Einer der größten Fehler bei Anfängern und auch Geübten ist, dass sie keinen Unterricht nehmen und sich gleich ein Board schnappen. Sie vergeben sich die Chance auf wichtige Anleitung und womöglich führt das dazu, dass sie für den Rest ihres Lebens keine Lust mehr aufs Snowboarden haben. Es dauert immer länger als einen Tag, um eine der beiden Sportarten zu lernen.

Eine der häufigsten Fragen an mich lautet: „Was lerne ich schneller, Skifahren oder Snowboarden?" Die Wahrheit sieht so aus: Beim Skifahren reichen zwei Unterrichtsstunden pro Tag, und nach ein paar Tagen fahren Sie einfache Pisten hinunter. Snowboarden braucht viel mehr Beharrlichkeit und Geduld. Aber wenn Sie dann die Schwünge verbinden können (das passiert gewöhnlich am dritten Tag), sehen Sie sehr viel erfahrener aus als Ihr Kumpel, der mit Skiern begonnen hat und die Pisten hinunterpflügt. Es dauert beim Skifahren einfach länger, bis man ein gewisses Level erreicht hat; Sie müssen sich mit doppelt so vielen Hindernissen herumschlagen und es ist sehr viel schwieriger, die richtige Stellung für Knie und Oberkörper zu finden.

Soll heißen, ich habe Zwölfjährige unterrichtet, für die Angst und Frustration Fremdwörter waren und die am Ende der Woche mit halbwegs anständigen Parallelschwüngen schwarze Pisten hinunter gedonnert sind. Wer zum Beispiel seit Jahren skatet oder surft, wird auf dem Snowboard ohnehin keine Probleme haben.

Wenn Sie Unterricht wollen, buchen Sie die Stunden bereits vor Ihrem Urlaub. Das erspart Ihnen nach der Ankunft in Ihrem Hotel jeden Stress in der Skischule. Da müssen Sie dann nämlich Zeiten nehmen, die noch verfügbar sind. Ich erwähne das deshalb, weil Unterricht so enorm wichtig ist für Anfänger. Einfach mit einem Paar Ski auf den Berg zu fahren ohne jegliche Erfahrung oder Anleitung ist extrem gefährlich. Also nehmen Sie ein paar Stunden Unterricht und lernen Sie die wichtigsten Techniken (zum Beispiel Anhalten), dann können Sie nachmittags schon am Anfängerlift üben. Wenn erfahrene Skiläufer dabei sind, die Sie überreden wollen, mit zu schwierigeren Pisten zu kommen - ignorieren Sie sie. Das sind Idioten, die mehr Unfälle auf den Pisten verursachen und die Ferien verderben als sonst etwas.

Snowboard-Unterricht läuft völlig anders ab. Die erste Stunde besteht daraus, dass Ihnen ein unwahrscheinlich geduldiger Lehrer immer wieder aufhilft, während Sie sich an das Brett unter Ihren Füßen gewöhnen. Ich würde vorschlagen, Sie buchen den Unterricht nachmittags. Vormittags gehen Sie einen kleinen Hügel hinauf, schnallen sich das Board an und versuchen, sich an das Gleiten zu gewöhnen. Ihnen wird wahrscheinlich der Hintern weh tun, aber im Gegensatz zum Skifahren riskieren Sie nicht, dass sich Ihre Knöchel, Knie und Beine in verschiedene Richtungen bewegen und Sie sich womöglich verletzen. Wenn dann Ihr Unterricht beginnt (uns Sie eine ordentliche Portion Ibuprofen geschluckt haben), können Sie sich gleich den interessanten Sachen widmen.

Die Snowboard-Bekleidung muss sehr locker sitzen, wegen der Bewegungsfreiheit. Außerdem sieht es cool aus. Sie beugen und strecken ständig Ihr hinteres Bein, und auch Ihr Oberkörper bewegt sich sehr viel mehr als beim Skifahren. Skibekleidung war immer schon etwas enger anliegend, was daher kommt, dass die Skilehrer so besser die richtige Technik demonstrieren konnten. Inzwischen ziehen die Skifahrer meistens genau dieselben Sachen an wie die Snowboarder (es sieht eben einfach viel cooler aus).

Obwohl die beiden Sportarten so gegensätzlich sind, haben sie doch eines gemeinsam: Sie müssen in die Knie gehen. Ich weiß, es klingt wie ein Klischee, aber Sie hören immer dasselbe, wenn Sie Gefahr laufen, die Kontrolle zu verlieren und auf eine Gruppe unschuldiger Kinder zufahren, aber es ist einfach notwendig, damit Sie Schwünge hintereinander fahren können.

Ein wenig holländische Courage hilft zweifellos auch, und ein kleiner Schluck Brandy aus dem Flachmann kann für die Nerven Wunder wirken!