Der starke Euro und steigende Preise in den Skigebieten haben dazu geführt, dass immer mehr Skifahrer ihren Blick nach Osten auf günstigere Ski-Destinationen richten.

Zwar gibt es die Skistationen in Osteuropa schon seit Jahren, doch was den internationalen Tourismus betrifft, stecken sie noch in den Kinderschuhen. Viele osteuropäische Staaten sind inzwischen Mitglied in der EU und wurden dank der Billigfluglinien zu immer beliebteren Destinationen. Die Preise für Unterkunft, Essen und Trinken sowie für die Skipässe liegen deutlich unter dem Niveau der westlichen Skigebiete.

Jüngst beschäftigte sich eine Untersuchung mit den Kosten für sechs Tage Skiurlaub (Skipass, Leihski und Verpflegung) und kam zu dem Schluss, dass man in diesem Winter in Rumänien und Bulgarien am meisten für sein Geld bekommt. Zwar sind Reisekosten wichtig, doch erreicht man etwa vom Osten Frankreichs innerhalb eines Tages Tschechien, Slowenien und die Slowakei, meistens auf Auotobahnen - zwischen sieben und acht Stunden dauert die Fahrt von Straßburg aus. Es gibt nur wenig Autobahngebühren im Gegensatz zu Frankreich, wo sie höher sein können als die Spritkosten. Hinzu kommt das kleine Abenteuer, durch Länder zu reisen, die noch bis vor wenigen Jahren kaum zugänglich waren. Und Ski zu fahren an Orten, die einem fremd sind.

Rumänien

Poiana Brasov ist der Ort mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis, sechs Tage Skifahren kosten dort rund 222 € pro Person.

Poiana Brasov ist das bekannteste Skigebiet des Landes mit 14 Kilometern Pisten. Fortgeschrittene mögen die Abfahrten weniger anspruchsvoll finden, doch es gibt auch neun Kilometer Loipen für Langläufer. Anfänger finden dort weite, offene Pisten sowie deutsch und englisch sprechende Skilehrer.

Après-ski in Poiana Brasov ist lebhaft und preiswert. Die zahlreichen Bars, Restaurants und Diskos bieten ein weites Spektrum von rumänischer Folklore bis zur Party die ganze Nacht hindurch. Die größte Attraktion ist Draculas Schloss in Bran - nur eine Pferdeschlittenfahrt entfernt.

Poiana Brasovs landschaftliche Umgebung wird mit der in Chamonix und Cortina d'Ampezzo verglichen. Während Poiana Brasov nur 14 Pistenkilometer hat bei einer maximalen Höhe von 1775 Metern, schwingt man in Chamonix auf 155 Kilometern auf den anspruchsvollsten Abfahrten der Welt bis in einer Höhe von 3842 Metern.

Keine Frage, dass Chamonix die besseren Bedingungen hat, aber für Anfänger - besonders jene mit schmalem Budget - bietet Poiana Brasov das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis mit einem 6-Tage-Skipass, der weniger als die Hälfte als der in Chamonix kostet (115 € in Poiana Brasov, 240 € in Chamonix).

Bulgarien

Rang zwei im Preis-Leistungs-Verhältnis nimmt Borovets in Bulgarien ein, dort kostet der 6-tägige Skiurlaub 284 € pro Person.

Immer mehr Winterurlauber fahren nach Bulgarien, vor allem Familien wegen der günstigen Pauschalangebote und eine jüngere Klientel wegen des lebhaften Après-Ski. Dazu Marion Telsnig von der TUI: "Bulgarien bietet in seinen Orten sehr gute Skimöglichkeiten, besonders für Anfänger und alle, die gern nur auf der Piste fahren. Das ausgezeichnete Preis-Leistungs-Verhältnis und sehr gute Après-Ski-Möglichkeiten für Jung und Alt machen das Land zu einer großartigen Familien-Destination."

Borovets ist Bulgariens ältestes und größtes Skigebiet. 1300 Meter hoch in den Rila Mountains gelegen ist Borovets ideal für durchschnittlich gute Skifahrer und Anfänger. Die attraktiven Pisten sind gesäumt von Kiefern und schneesicher von Dezember bis Ende April. Die 20 Abfahrten sind mit modernen Gondeln und Sessselliften verbunden, bereits zwei Mal gastierte hier der Weltcup-Zirkus.

Die Pisten von Borovets liegen auf einer vergleichbaren Höhe wie Kitzbühel. Obwohl Borovets mit 58 Kilometern Pisten eines der größten Skigebiete in Osteuropa besitzt, ist es doch nicht mit den 168 Kilometern in Kitzbühl vergleichbar, das Skigebiet dort ist fas dreimal so groß. Dennoch bieten beide Skigebiete relativ wenig Abfahrten für Könner (vom Hahnenkamm einmal abgesehen), für die meisten durchschnittlichen Fahrer und Anfänger reichen die 58 Kilometer völlig.

Dieses führende bulgarische Resort punktet auch beim Preis: Ein 6-Tage-Pass kostet in Borovets 165 €, in Kitzbühel 194 €. Auch abseits der Piste ist Borovets günstiger als Kitzbühel, es gibt eine ganze Reihe preiswerter fröhlicher Bars, Pubs, Restaurants und Diskos..

Weitere Alternativen zu westlichen Resorts gibt es in Slowenien, der Slowakei, Mazedonien und Tschechien.

Slowakei

In der Hohen Tatra gibt es fast 100 Skiorte mit 1000 Liften und 30 Gondelbahnen. Einige der besten Abfahrten findet man in Chopok Jasna bis zu einer Höhe von 2024 Metern.

Die Pisten der Hohen Tatra sind in kürzerer Zeit zu erreichen als viele der westlichen Skigebiete. Die Hohe Tatra liegt nur 30 Minuten vom Flughafen Poprad entfernt. Die Zahlen der Skiurlauber in der Slowakei steigen, besonders die aus Großbritannien und anderen neuen Märkten. Inzwischen ist die Slowakei mit Billigfliegern auch für ein Wochenende attraktiv. Der 6-Tage-Skipass in der Hohen Tartra kostet 160 €.

Slowenien

In Slowenien findet man eine blühende Ski-Szene, die von traditionellen Orten, gut gepflegten Pisten und einer üppigen Landschaft geprägt wird. Die Ortschaften haben sich ihren ursprünglichen Charme bewahrt und sind architektonisch noch nicht überentwickelt.

Marion Telsnig von der TUI sagt: "Slowenien bietet einen großartigen Winterurlaub für Familien. Man kann auch über das Skifahren hinaus immer etwas tun oder sich etwas anschauen. Die Gebiete sind nicht überlaufen, pittoresk, besitzen eine intakte Umwelt und die Einheimischen sind sehr gastfreundlich."

Die Unterbringung entspricht westlichen Standards, abgeshen vom Preis. Fast überall wird englisch gesprochen, es gibt zahlreiche internationale Ski-Wettbewerbe. Die bekanntesten Skigebiete sind Krava, Kranjska Gora und Bled. Der 6-Tage-Skipass in Kranjska Gora kostet 164 €.

Serbien

Serbien ist bekannt als günstige Ski-Destination ohne Schnickschnack. Das wichtigste Gebiet ist Kopaonik mit 60 Pistenkilometern bis zu einer Höhe von 1770 Metern. Allein in der vergangenen Saison wurden hier vier Millionen Skipässe verkauft. Das Gebiet ist schneesicher von November bis Mai, die Après-Szene spielt sich in erster Linie im Zentrum ab. Kopaonik ist gut geeignet für Familien, die eine günstigere Alternative zu Frankreich, Österreich und der Schweiz suchen. Der 6-Tage-Skipass in Kopaonik ist mit 57 € der günstigste in Europa.

Mazedonien

Obwohl Mazedonien sehr weit im Süden Europas liegt, ist es dort bis Ende Mai schneesicher. Das heißt, man kann hier sechs Monate im Jahr Ski fahren. Mazedoniens Top-Skigebiet Popova Sapka liegt auf 1845 Metern Höhe, die Pisten reichen bis auf 2501 Meter. Der große Komplex besteht aus Hotels, Bars und Restaurants, hier findet auch jedes Jahr der alpine Ski-Wettbewerb Shara Mountain Cup statt. Popova Sapka ist leicht zu erreichen, es liegt lediglich 30 Minuten von der Hauptstadt und dem Flughafen Skopje entfernt. Der 6-Tage-Pass in Popova Sapka kostet 68 €.

Tschechien

Was das Loipenangebot betrifft, ist Tschechien unübertroffen. Der Krkonos Cross-Country Highway ist so etwas wie eine Novität in Europa, die Loipe ist 520 Kilometer lang. Tschechien mag nicht die höchsten Berge in Osteuropa besitzen, bietet aber eine Vielzahl an Skigebieten, die sich von der deutsch-tschechischen Grenze bis nach Mähren erstrecken. Einer der bekanntesten Orte ist Spindleruv Mlyn mit Skimöglichkeiten bis in 1600 Metern Höhe. Dort gibt es 26 Kilometer Pisten und 16 Lifte. Der 6-Tage-Skipass in Spindleruv Mlyn kostet 122 €.

Land

Top-Ort

Höhe (Meter)

Höchste Piste (Meter)

Pisten-kilometer

Skipass
(6 Tage)

Rumänien

Poiana Brasov

1021

1775

14

115 €

Bulgarien

Borovets

1300

2560

58

165 €

Mazedonien

Popova Sapka

1780

2501

30

68 €

Tschechien

Spindleruv Mlyn

715

1400

26

122 €

Serbien

Kopaonik

1496

2017

60

57 €

Slowenien

Kranjska Gora

810

1630

30

164 €

Slowakei

Chopok Jasna

900

2024

35

160 €

Italien

Madonna di Campiglio

1550

2580

150

205 €

Frankreich

Chamonix

1035

3842

155

240 €

Schweiz

St Moritz

1822

3303

350

208 €

Österreich

Kitzbühel

761

2004

168

194 €

Trotz des rapiden Wachstums und der zunehmend modernen Infrastruktur in den osteuropäischen Skigebieten haben sie, was die Möglichkeiten für fortgeschrittene Skifahrer betrifft, hart mit den Skigebieten in Westeuropa zu kämpfen. Experten sind eben doch in St. Moritz in ihrem Element, dort gibt es 350 Pistenkilometer bis in eine Höhe von 3303 Metern. Doch das hat seinen Preis: Der 6-Tage-Skipass in St. Moritz kostet 208 €, fast doppelt so viel wie im rumänischen Poiana Brasov.

Ob ein Skigebiet also ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hat oder nicht, richtet sich auch nach der Könnensstufe der Skifahrer. Anfänger mit schmalem Budget werden die gewaltigen Möglichkeiten in den größerern Orten der Schweiz oder Frankreichs nicht nutzen können, sie sind besser aufgehoben in den kleineren Gebieten von Rumänien oder Bulgarien.

Generell nehmen die Kosten für einen Skiurlaub in Europa zu: In Borovets stiegen die Preise seit der vergangenen Saison um 14 Prozent, in der Hohen Tatra um 20 Prozent, in Kranjska Gora um 7 Prozent und in Poiana Brasov um 4 Prozent. Trotz dieser jährlichen Steigerung bleibt Skifahren in Osteuropa preiswert, besonders für Anfänger, durchschnittliche Fahrer und Familien mit begrenztem Budget.