James Young ist geprüfter Skilehrer und hat sich zehn Saisonen lang in den Alpen herumgetrieben. Mit seinen Ratschlägen werden Sie mit Sicherheit das für Ihr Können passende Skigebiet finden.

Denn das richtige Skigebiet zu finden kann ganz schön schwierig sein. Die Mitarbeiter im Reisebüro verkaufen Ihnen Pauschalangebote in Orten, deren Pisten sie nicht kennen, oder ein Freund empfiehlt Ihnen etwas, das zwar für ihn perfekt war, Sie hingegen sitzen die ganze Woche an der Bar, weil Ihnen die Abfahrten zu steil sind. Die meisten Skigebiete versuchen zwar inzwischen, für alle Könnensstufen etwas anzubieten, dennoch gibt es ein paar, die sind besonders gut für Anfänger, durchschnittliche Fahrer oder Könner geeignet.

Mayrhofen mit seinen beiden Bergen Penken und Ahorn ist eine gute Wahl für Ihre erste Begegnung mit dem Schnee. Die Skilehrer gehören zu den geduldigsten, die ich kenne, und die Abfahrten sind lang, breit und mit modernen Sesselliften leicht zu erreichen. Ich habe am Ahorn Snowboarden gelernt, denn dort gibt es breite, nur leicht geneigte Pisten und wenig Leute, mit denen man zusammenstoßen könnte. Ein zusätzlicher Bonus ist das Fehlen von Tellerliften (eine schmerzhafte und deprimierende Erfahrung auf dem Snowboard), die österreichischen Bügellifte dagegen sind wie für Snowboarder gemacht. Die Skilehrer am Penken beginnen und beenden ihren Unterricht an der Gipfelstation der Gondel, das macht es einfacher, sich mit den besser fahrenden Freunden zu treffen und mittags beim Essen Erfahrungen auszutauschen.

Ein weiterer guter Tipp für Anfänger ist der hübsche Ort Grindelwald in der Schweiz. Man kann entweder mit der Gondel oder mit dem Zug zum Gipfel fahren. Einmal oben an der Kleinen Scheidegg hat man eine Vielzahl leichter Pisten zur Auswahl, auf denen man vor oder nach dem Unterricht die Schwünge üben kann. Und am Ende der Woche sind Sie schneller unten im Ort als der Zug.

Für durchschnittliche Fahrer ist Montgenevre in den französischen Alpen schier unschlagbar. Direkt an der italienischen Grenze gelegen gibt es dort ein paar fantastische rote Abfahrten, von denen Sie die ganze Woche lang nicht genug bekommen werden. Für schiere Geschwindigkeit nehmen Sie die ‚Eagles Rock'-Abfahrt oder die ‚Colletto Verde' hinunter nach Italien und gönnen sich mittags eine Pasta (was eine gute Idee ist, denn die Mahlzeiten in Frankreich sind teuer).

Die Ski- und Snowboardlehrer in Montgenevre sind fantastisch und werden Ihr Können sprunghaft steigern. Am besten nehmen Sie mit einem Freund gleicher Könnensstufe zusammen zwei Privatstunden bei einem dieser Jungs. Da werden Sie sehr viel mehr lernen als in einer großen Gruppe und auch nicht herumstehen.

Soldeu in Andorra hat immer noch den Ruf eines Geheimtipps für Anfänger, hat aber im Laufe der letzten Jahre mit zahlreichen neuen Liften auch viele anspruchsvollere Abfahrten erschlossen. Wenn Sie sich an große Buckel wagen wollen, kein Problem. Es gibt eine ganze Reihe von Buckelpisten, die nicht so steil und pefekt geeignet sind, um die ersten Tricks zu üben.

Die zwei berühmtesten Gebiete in den Alpen für anspruchsvolle Fahrer sind La Grave und Chamonix. Zwar sind beide dafür berüchtigt, dass man hier sein Leben riskiert, aber das sollte Sie nicht davon abhalten hinzufahren. So lange Sie die Warnungen beachten und nicht unter den Absperrungen hindurch auf gesperrte Pisten fahren, werden Sie jede Menge Spaß haben.

La Grave selbst ist ein winziges Dorf mit wenig Gästezimmern, deswegen bleiben die meisten Leute in Les Deux Alpes und fahren von dort aus hinüber. Sie sollten unbedingt einen Führer buchen, denn hier gibt es keine präparierten Pisten, keine Zäune und keine Warnschilder vor Gletscherspalten. Die Abfahrt hinunter ist sehr lang, sehr steil und Angst einflößend, aber eben auch sensationell. Bei schlechtem Wetter kann sie gesperrt sein, aber das macht nichts, in Les Deux Alpes gibt es jede Menge Riesenbuckel und steile Pisten, mit denen Sie sich beschäftigen können, außerdem einen der größten Snowboardparks in Europa.

Chamonix ist ein ‚Muss' für alle, die gern abseits der Pisten fahren. Das Weiße Tal mit seinen legendären langen Tiefschneeabfahrten zieht viele Skifahrer und Snowboarder aus der ganzen Welt an. Wenn die Bedingungen schlecht sind oder wenn es Lawinenwarnungen gibt, weicht man eben auf die zahlreichen Testpisten aus, auf denen selbst hartgesottene Fahrer die Zähne zusammenbeißen. Man braucht hier nicht unbedingt einen Führer, ich würde aber trotzdem ein paar Privatstunden im Tiefschnee empfehlen. Denn die Skilehrer hier haben so viel Erfahrung im Pulver wie sonst nirgendwo in Europa.

Sich bei der Wahl des Skigebiets ausreichend Zeit zu nehmen macht den Unterschied aus zwischen ganz netten Ferien und einem Urlaub, den Sie nie wieder vergessen werden. Keiner will schließlich der Trottel sein, der den ganzen Tag an der Bar sitzt, einen Drink nach dem anderen kippt und sich aus den Pistenplänen Papierhütchen bastelt.