Um das Gleichgewicht kümmern wir uns normalerweise vor und während der Skisaison wenig. Dabei ist es die Körperfunktion, die etwa nach Knieverletzungen am schwierigsten wiederzuerlangen ist. Und bei der Saisonvorbereitung kommt einem die Balance nicht unbedingt als erstes in den Sinn. Dabei gibt es einfache Möglichkeiten, sie zu verbessern, ob auf dem Berg oder jenseits davon. Nehmen Sie sich jeden Tag zehn Minuten Zeit für Ihre Balance und Sie werden den Lohn der Mühe auf der Piste ernten.

Physiotherapeut Scott Blair hat Schneeski.com ein paar Tipps zur Verbesserung des Gleichgewichtsgefühls gegeben. Blair verbringt einen Großteil des Winters als privater Trainer mit dem US-Team in der nordischen Kombination.

Es gibt eine Handvoll Hilfsmittel, die unsere schnell kontrahierenden Muskelfasern auf Trab bringen. Das sind die kleineren, feineren Muskeln, die vor allem die Balance steuern, wie Blair erklärt. Hilfsmittel wären zum Beispiel Gymnastikbälle, Balance-Kissen oder Schaumstoffrollen. Die kann man kann in Sport- oder Sanitärhäusern besorgen, oder man kann sich zuhause etwas einfallen lassen. Letztlich trainiert jede nicht ebene Fläche die Balance.

Blair empfiehlt, mit einfachen Übungen zu beginnen und dann langsam zu steigern. Am besten solle man dann die Schwierigkeit in Bezug auf Oberfläche und Richtung erhöhen. Auf jeden Fall brauchen Sie genügend Platz, eine Wand in der Nähe kann anfangs auch hilfreich sein. Suchen Sie sich einen unbeweglichen Punkt, den Sie fixieren können, das hilft bei der Konzentration auf die Körperbewegung. Stellen Sie sich zunächst auf ein Bein und heben das andere an, bis das Knie einen 90-Grad-Winkel zeigt.

Das Standbein sollte eher leicht gebeugt als durchgedrückt sein. Die Knöchel sollen die Hauptarbeit leisten. Dann kommen die schnell kontrahierenden Muskelfasern zum Einsatz. Nächste Steigerung: Beginnen Sie mit den Armen und dem angehobenen Bein zu kreisen. Wenn Sie sich sicher fühlen, machen Sie die Kreise etwas größer, ändern Sie die Richtung und wiegen Sie den Körper wie ein Baum im Wind. Halten Sie die Positionen jeweils 30 Sekunden, bevor Sie das Bein wechseln.

Hilfsmittel wie Schaumstoffrollen oder Balance-Pads und Gymnastikbälle können ebenfalls in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden eingesetzt werden. Legen Sie beispielsweise eine halbrunde Schaumstoffrolle mit der flachen Seite nach oben auf den Boden und stellen Sie sich drauf. Steigern Sie sich, bis Sie auf einer ganz runden Schaustoffrolle stehen und diese schließlich auch vorwärts und rückwärts bewegen können. Dies sind genau die Bewegungen, an die sich die schnell kontrahierenden Muskelfasern nach einer Knieverletzung wieder gewöhnen müssen. Diese Übung kann man auch draußen machen - eine weitere Steigerung. Laut Blair kommen hier zur Schwierigkeit, das Gleichgewicht zu halten, die unvorhersehbaren Gegebenheiten wie Untergrund und Umgebung dazu. Auf das Unbekannte reagieren zu müssen ist eine gute Herausforderung.

Bei aufblasbaren Hilfsmitteln wie dem Balance-Kissen lässt sich die Schwierigkeit steigern, indem man etwas Luft herauslässt. Zunächst versuchen, stabil zu stehen, und wenn das gelingt, zu hüpfen. Erst auf demselben Bein, dann wechselseitig. Wenn Sie sich auf das Kissen setzen und die Beine anheben, werden Sie nicht nur Ihre zentralen Bauchmuskeln spüren, sondern auch die seitlichen, die Sie brauchen, um die Balance zu halten.

Mit dem Gymnastikball müssen Sie aufpassen. Setzen Sie sich erst darauf, heben Sie die Füße vom Boden und balancieren Sie. Halten Sie sich an der Wand fest und knien Sie sich auf den Ball. Dabei immer nahe an der Wand bleiben. Legen Sie zunächst die Hände auf den Ball, balancieren Sie sich aus und beginnen dann, langsam den Oberkörper aufzurichten. Holen Sie sich unbedingt Hilfe, wenn Sie sich hinstellen wollen. Solche Übungen sollten Sie auf keinen Fall alleine ausführen.

Während ein Freund Sie und den Ball stabilisiert und Sie sich zugleich an der Wand festhalten, richten Sie sich auf. Sie werden sofort spüren, dass alle ihre Reflexmuskeln damit beschäftigt sind, die Balance zu halten. Die weltbesten Skirennläufer würden nun Kniebeugen machen, sogar mit Gewichten. Das können wir keinesfalls empfehlen. Bleiben Sie unbedingt auf Ihrem Level und haben Sie Spaß. Sie werden schnell merken, dass das für die Balanceübung völlig ausreicht.

Eine neue Herausforderung fürs Gleichgewicht ist der Trendsport Slacklining: Ähnlich dem Seiltanzen läuft man hier auf einem Seil, das allerdings leicht durchhängt. Springen sie bloß nicht gleich auf das Seil - Slacklining sollte erst einmal ein Etappenziel bleiben.

Doch genug jetzt mit den Übungen zuhause - jetzt gehen wir auf die Piste. Balanceübungen in Skischuhen sind komplexer, aber nichtsdestoweniger schwierig. Blair ist der Meinung, wir müssten unsere „at-home-balance" in die „snow-balance" übertragen, um das Gefühl auf den Ski zu verbessern und zu stabilisieren.

Probieren Sie zunächst mit angeschnallten Skiern einen normalen Stand, bewegen Sie dann den Oberkörper nach vorn und hinten, ohne die Stabilität zu verlieren. Gehen Sie in die Knie, bewegen Sie die Zehen und verlagern Sie das Gewicht von einem Bein auf das andere. Auf einem Bein zu stehen ist mit dem Gewicht der Ski und Schuhe eine gute Herausforderung. Fangen Sie zunächst in ebenem Gelände an, beugen Sie die Knie und lassen Sie wieder die Knöchel die meiste Arbeit machen. Hüpfen Sie dann erst auf einem Bein, anschließend wechselseitig. Schließlich machen Sie diese Übungen beim Fahren von einem kleinen Hügel.

Es gibt nicht nur eine Möglichkeit, die Balance zu verbessern. „Seien Sie kreativ", sagt Blair. „Nur Sie kennen Ihre Schwachpunkte, also können auch nur Sie daran arbeiten. Gehen Sie immer ein kleines Stück weiter, als sie es sich eigentlich zutrauen. Nur so verbessern Sie sich."