Die dreifache Gewinnerin des Gesamt-Weltcups, US-Skistar Lindsey Vonn, veröffentlicht ab sofort auf OnTheSnow.Com wöchentlich ihr Ski-Tagebuch. Lindsey Vonn berichtet in Zusammenarbeit mit John Meyer, Ski-Redakteur der Denver Post.

 

 

6.12. 2010

Das Wochenende mit den ersten Speed-Rennen der Saison in Lake Louise war für mich sehr ereignisreich.

In der Abfahrt belegte ich zweimal den zweiten Platz nach der Deutschen Maria Riesch, wobei ich auf meine Hüfte fiel, im zweiten Rennen wieder in der Spur war und daraufhin einen Super-G gewann.

Im ersten Rennen zeigte ich eine solide Leistung, machte aber einige Fehler. Für den Sieg hat es einfach nicht gereicht und ich verpasste um 12 Hundertstel den Sieg.

Am zweiten Tag habe ich dann wirklich versucht, Geschwindigkeit zu machen. Ich war auch deutlich schneller, bis ich in einer Kurve bei 112 km/h auf meiner Hüfte landete. Irgendwie gelang es mir, nicht im Fangzaun zu landen und weiterzufahren. Den Sieg verpasste ich jedoch um 1 Hundertstel.

Wir haben uns später das Video angesehen. Es stellte sich heraus, dass mich der Zwischenfall zwischen acht und neun Zehntelsekunden gekostet hatte. Davor war ich noch mit einer halben Sekunde in Führung gelegen, konnte die Zeit aber in den unteren Flachstücken nicht mehr wettmachen. Ohne diesen Fehler wäre es ein fantastisches Rennen gewesen.

Ich kann mir selbst nicht erklären, wie ich es geschafft habe, das ohne Sturz zu überstehen. Es ist sicher auf mein Konditionstraining außerhalb der Rennsaison zurückzuführen. Meine Beine sind beweglicher als je zuvor. Man muss einfach blitzschnell reagieren können. Früher war ich nicht so schnell wie heute. Darüber hinaus braucht man auch viel innere Stärke und muss durch und durch fit sein, um so etwas zu meistern.

Wäre mir das in den Jahren zuvor passiert, hätte ich die Kurve nicht gekriegt und vermutlich einen schrecklichen Sturz gebaut. Wäre ich nicht so fit gewesen wie ich es heute bin, wäre ich im Zaun gelandet, wahrscheinlich verletzt gewesen und hätte mich für den Rest des Winters verabschieden können.

Ich kann mich nur daran erinnern, dass ich mir, als ich auf meiner Hüfte gelandet war, nur sagte „Komm wieder hoch!“ Und irgendwie habe ich einen Weg gefunden. Das zeigt wieder einmal, dass man nicht aufgeben darf. Ich habe die gesamte Strecke hindurch gekämpft und ging dann als Zweite durchs Ziel.

Der Super-G war ein tolles Rennen. Ich hatte mir vorgenommen, aggressiv zu fahren und zu siegen. Ich hatte zuvor noch keinen Super-G in Lake Louise gewonnen und so war der Sieg im Super-G etwas ganz Besonderes für mich, obwohl ich die beiden Abfahrten nicht für mich entscheiden konnte.

Und obwohl Maria unangefochten an der Tabellenspitze liegt, bin ich doch in einer ganz guten Position. Maria fährt außergewöhnlich gut und hat auch beste Chancen auf den Gesamtweltcup. Aber in jedem Fall ist es einfacher der Jäger zu sein als der Gejagte.