Die dreifache Gewinnerin des Gesamt-Weltcups, US-Skistar Lindsey Vonn, veröffentlicht auf OnTheSnow.com wöchentlich ihr Ski-Tagebuch. Lindsey Vonn berichtet in Zusammenarbeit mit John Meyer, Ski-Redakteur der Denver Post.

14. März 2011

Vergangenen Freitag bin ich beim Riesenslalom in Spindlermühle zum ersten Mal in meiner gesamten Laufbahn als Drittplazierte auf dem Podest gestanden, und der Zeitpunkt hätte nicht besser sein können.

Eine Woche zuvor war ich in der Gesamtwertung bis auf 96 Punkte an Maria Riesch herangekommen, aber jetzt - vor Saisonschluss und dem Weltcupfinale in Lenzerheide (Schweiz) - ist ihr Polster auf 23 Punkte geschrumpft.

Beim Riesenslalom am Freitag habe ich 60 Punkte erzielt. Maria kam als 29igste ins Ziel und ging mit nur zwei Punkten nach Hause. Beim Slalom am Samstag landete ich auf dem 16. Rang (15 Punkte), während Maria ausschied.

Seit der letzten Februarwoche ging es bei mir um Alles oder Nichts. Ich habe bei jedem Rennen meine ganzen Reserven eingesetzt, habe riskiert und bin auf Angriff gefahren - aber mit Köpfchen und ohne die passende Taktik zu vernachlässigen.

Die Tatsache, dass ich nichts zu verlieren hatte, war ganz klar eine Hilfe für mich. Ich habe keinerlei Druck, bin völlig entspannt und ruhig. Und ich weiß, was ich zu tun habe. Ich muss Leistung bringen, wenn ich versuchen will, diesen Titel zu holen. Ich war noch nie zuvor in einer solchen Lage und glaube, dass es vielleicht sogar leichter ist.

Der Riesentorlauf hätte nicht besser klappen können. Meinem Gefühl nach bin ich schon länger gute Riesenslaloms gefahren, konnte aber bisher nie zwei saubere Läufe ins Ziel bringen - zumindest bis letzten Freitag nicht.

Mein erster Lauf war solide. Im zweiten Lauf habe ich dann auch wirklich einige Chancen genutzt. Es war ein absolut gutes Gefühl, dass sich die harte, langwierige Arbeit gelohnt hat und ich ein solches Niveau im Riesentorlauf erreichen konnte. Noch dazu war es genau der richtige Moment, um in dieser Disziplin aufs Podest zu steigen.

Ich kann Marias derzeitige Situation nachvollziehen und mir vorstellen, wie schwer es für sie ist. Für mich war es jedoch entscheidend, mich ausschließlich auf meine Rennen zu konzentrieren. Egal, ob Maria nun ausscheidet oder Fehler macht, ich muss immer noch meine Läufe ins Ziel bringen und das bestmögliche Ergebnis herausfahren, denn jeder Punkt zählt.

Im zweiten Slalomdurchgang am Samstag wollte mein Servicemann Heinz Hämmerle mir sagen, dass Maria ihren Lauf nicht beendet hat. Ich wollte das aber gar nicht wissen. Beim Verlassen des Starthauses wusste ich nicht, was mit ihr passiert war.

Ich wollte lediglich mein Rennen fahren. Das wollen wir vermutlich beide, und jetzt bin ich eben mal am Zug.

Diese Woche stehen alle vier Disziplinen auf dem Programm. Ich halte mir immer noch vor Augen, dass Maria den Titel zu verlieren hat und werde die kommende Woche mit demselben Motto wie vorher in Angriff nehmen: Alles oder Nichts! Wenn ich etwas erreichen will, muss ich aufs Ganze gehen. Und ich will. Ich werde jedes einzelne Rennen mit absolutem Siegeswillen bestreiten und meine ganze Kraft und mein Können einsetzen. Hoffentlich werde ich am Ende dafür belohnt.