Nimmermüde Skifans und Boarder dürfen sich freuen: Die ergiebigen Schneefälle des vergangenen Winters und zuletzt Mitte Juni haben dafür gesorgt, dass auf den Gletschern der Alpen rund zwei Meter mehr Schnee liegen als sonst um diese Zeit. Beste Voraussetzungen also für die jetzt auf 15 alpinen Gletschern beginnende Sommerschneesaison.

Ein reines Sommerskigebiet?

Jahr für Jahr verschwinden immer mehr Sommerskigebiete von der Bildfläche. Was angesichts weggeschmolzener Gletschergrundlagen zum Teil wörtlich zu nehmen ist. Rund 60 Orte boten in den letzten 50 Jahren irgendwann einmal Sommerskifahren an, seinen Boom erlebte es in den späten 70er und frühen 80er Jahren. Damals gab es eine Reihe von Skigebieten, die ausschließlich im Sommer geöffnet waren, heute gibt es nur noch eines: das Stilfserjoch.

Hotel im Sommerschnee

Dort eröffnete der Skipionier Leo Gasperl bereits 1932 die erste Sommerskischule. Genauer gesagt an der Livrio-Hütte, die in 3174 Metern Seehöhe direkt an den sanften Firnfeldern des Ebenferners liegt, und heute eines der wenigen Hotels direkt im Sommerschnee ist. Vom Stilfserjoch gelangt man mit zwei Seilbahnen hinauf. Ein langer Doppellift führt weiter zur Geisterspitze, deren obere Hänge ein gutes Terrain für das Slalomtraining unzähliger norditalienischer Skiclubs abgeben, zwei weitere Lifte und einen kleinen Snowpark bieten.

Schnalstal: Skifahren auf 3.200 Metern Höhe


Auch im Südtiroler Schnalstal kann man direkt vom Bett aufs Brett steigen. Das Hotel Grawand liegt auf 3200 Metern neben der Bergstation der Seilbahn vom Talort Kurzras zum Hochjochferner. Dort bedienen die Sesselbahnen Grawand und Gletschersee auch einige anspruchsvolle Hänge, während der Finaillift ausschließlich gemütliche Pisten erschließt. Ganz in der Nähe gab das schmelzende Eis Ötzi frei. Aus diesem Grund sieht man sich auch gezwungen, 2012 erstmals keinen durchgehenden Betrieb von Juni bis zum nächsten Frühjahr anzubieten - von Ende Juli bis Anfang September gehen die Gletscherlifte in den Sommerschlaf.

Keine Pause am Hintertuxer Gletscher

Ohne Pause, 365 Tage im Jahr, läuft der Liftbetrieb am Hintertuxer Gletscher in Österreich. Dank der künstlichen Beschneiung der mittlerweile eisfreien Bereiche der Gefrorenen Wand hält auch die Abfahrt bis zum Tuxer Ferner Haus auf 2600 Metern normalerweise bis zum ersten Neuschnee im Herbst. Der Tuxer Gletscher ist das vielleicht abwechslungsreichste Sommerskigebiet der Alpen: Rassige, breite Hänge - ideales Trainingsgelände - unterhalb der Gefrorenen Wand Spitze, leichte bis mittelschwere Schneebahnen sowie ein großer Funpark am Gegenhang unterhalb des Olperers. Eine gemütliche Einkehrstation mitten auf dem Gletscher und komfortable Liftanlagen, zu denen zwei Gondelbahnen und eine Sesselbahn zählen, suchen ihresgleichen.

Das Kitzsteinhorn lässt der Sommer kalt

Ähnlichen Liftkomfort bietet im Frühsommer auch das Kitzsteinhorn oberhalb von Kaprun im Salzburger Land. Dort ist die Abfahrt noch bis zum Alpincenter möglich und man kann mit der Gipfelbahn (einer Kabinenbahn) oder der Gratbahn (einer schnellen Sesselbahn) zurück an den Start der Pisten gelangen. Im Juli laufen zumeist nur noch die Schlepplifte auf dem Schmiedinger Kees, Abfahrten über maximal 300 Höhenmeter sind dann noch möglich. Ist der kurze Steilhang an der Bergstation der Gipfelbahn noch befahrbar, kommen weitere 100 Meter hinzu. Ansonsten verbindet ein kurzer Schrägaufzug die Skipisten auf dem Gletscher mit der Seilbahnstation.

Gletscher-Südhang in Kärnten

Zu den alpenweit nur noch sieben Skigebieten, die auch im August noch Pisten präparieren, gehört der Mölltaler Gletscher in Kärnten und das, obwohl es sich bei dem Gletscherareal um einen reinen Südhang handelt. Doch dank technischer Beschneiung können hier selbst im Hochsommer noch Skiteams aus Slowenien, Kroatien und Norditalien trainieren, für die der Mölltaler Gletscher vor der Haustür liegt. Die sportlich ambitionierten Gäste schätzen, dass es hier nur per schneller Sesselbahn bergwärts geht - so werden die Kräfte für die Abfahrten geschont.

Klein aber fein: Dachstein

Auf eine andere Zielgruppe setzt der Dachsteingletscher, Österreichs kleinstes Sommerskigebiet. Ab Juli beherbergt der Gletscher einen Sommer-Snowpark. In Betrieb sind zwei sehr kurze Schlepplifte, die den Horsefeathers Superpark bedienen und den nutzen fast nur Freestyler. Die Freestyler bilden dank eines ausgezeichneten Snowparks auch im schweizerischen Saas Fee im Sommer die wichtigste Klientel des örtlichen Bergbahnunternehmens. Die Lifte auf dem Feegletscher liegen an einem geschützten Nordhang und reichen bis auf fast 3600 Meter, was dem Skigebiet rund um die 4500 Meter hohen Bergriesen Dom und Täschhorn vergleichsweise gute Schneebedingungen beschert. Noch höher hinauf geht es im benachbarten Zermatt, das einen gemeinsamen Sommerskipass mit Saas Fee anbietet: Die höchste Seilbahn Europas führt bis auf 3820 Meter, Skilifte bis auf 3885 Meter. Ab Ende Juni spielt sich das Sommerskigeschehen jedoch nur noch auf dem Plateau Rosa zwischen 3419 und 3885 Metern ab. Das dort zur Verfügung stehende Areal ist riesig. Als einziger Gletscher wartet das Plateau Rosa sogar mit einer Piste für das Abfahrtstraining auf. Dementsprechend trainieren dort viele Nationalmannschaften - die teuren Trips zum Sommertraining nach Südamerika können sich nur noch die wenigsten Verbände leisten.

Von Cervinia gen Zermatt

Lange bevor Bahnen von Zermatt in diese Höhen vordrangen, führte eine Bahn vom italienischen Cervinia auf das Plateau Rosa. Der Sommerskibetrieb, organisiert von Skischulen aus Cervinia auf Zermatter Gemeindegebiet, startete bereits 1948. Cervinias eigenes kleines Sommerskigebiet hatte seine letzte Saison im vergangenen Jahr, seit 2012 können Skifahrer aus Italien noch das Zermatter Sommerskigebiet ansteuern.

Qual der Wahl in Val d`Isere

Nach wie vor die Wahl zwischen zwei Sommerskigebieten haben Gäste von Val d'Isère. Entweder steuern sie den auch durch die Tour de France bekannten Col de l'Iseran an, von wo aus man auf den Glacier du Pisaillas gelangt, oder bis Tignes Val Claret, von wo aus die Seilbahnen zur Grande Motte starten. Wer direkt in Tignes logiert, der ist in sieben Minuten auf 3000 Metern Höhe, mitten im weitläufigen Gletscherskigebiet. Der Liftbetrieb beschränkt sich dort allerdings auf die Ferienzeit.

Les 2 Alpses: Das größte in Frankreich - im Sommer

Das gilt auch für den Glacier de Mont de Lans oberhalb von Les 2 Alpes, dem größten französischen Sommerskigebiet. Bezogen auf die Aufstiegshilfen ist es sogar das Größte der Alpen: Bis zu zwölf Lifte, darunter eine unterirdische Standseilbahn, befördern Skifahrer und Boarder zu recht sanften Pisten und dem gigantischen Snowpark 3200 mit Halfpipe, Superpipe und vielen Obstacles. Die beiden Gletscherlifte auf dem Glacier de Mont de Lans oberhalb von La Grave gehören leider nur im Winter zum Skizirkus von Les 2 Alpes, im Sommer sind sie außer Betrieb. Es steht zu befürchten, dass dieser Zustand zukünftig noch für weitere Gletscherlifte zur Regel wird. In Les 2 Alpes und anderswo.

 

Weitere Informationen:

Stilfserjoch: Saison von Ende Mai bis Anfang November, 2770 - 3350 Meter, aktuell zwölf Kilometer Pisten, sechs Lifte, Snowpark, Tageskarte 36 Euro, www.passostelvio.com; Schnalstal: 23.6. bis 29.7., 2775 - 3202 Meter, acht Kilometer Pisten, vier Lifte, Snowpark, Tageskarte 32 Euro, www.schnalstal.com;
Ghiacciaio del Siedel/Val Formazza: bis August, ein Lift, 700 Meter lang, nur zu Fuß erreichbar;
Hintertux: ganzjährig geöffnet, 2600 - 3248 Meter, 15 Kilometer Pisten, sechs Lifte, Snowpark, Tageskarte 38 Euro, www.hintertuxergletscher.at;
Kitzsteinhorn: bis 22.7., 2450 - 3029 Meter, fünf Kilometer Pisten, drei bis sieben Lifte, Tageskarte 33,50 Euro, www.kitzsteinhorn.at;
Mölltaler Gletscher: 22.6. bis Anfang Mai, 2716 - 3089 Meter, sieben Kilometer Pisten, ein Lift, Tageskarte 39,50 Euro, www.gletscher.co.at;
Dachsteingletscher: bis mindestens Ende Juli, 2513 - 2680 Meter, zwei Kilometer Pisten, drei Lifte, Snowpark, Tageskarte 39 Euro, www.derdachstein.at;
Aletschgletscher/Jungfraujoch: bis Sept., 1 Lift, 120 m lang, 140-190 Franken, www.jungfrau.ch;
Saas Fee: 14.7. bis Anfang Mai, 3162 - 3573 Meter, aktuell neun Kilometer Pisten, drei Lifte, Snowpark, Tageskarte 68 Franken, www.saas-fee.ch;
Zermatt: ganzjährig geöffnet, 2909 - 3885 Meter, aktuell 23 Kilometer Pisten, zwei Lifte (ab 30.6.: fünf Lifte), Snowpark, Tageskarte 64 bis 82 Schweizer Franken, www.zermatt.ch;
Cervinia: 30.6. bis 9.9., Skigebiet siehe Zermatt, Tageskarte 43 Euro, www.cervinia.it;
Tignes: 22.6. bis 2.9., 2767 - 3456 Meter, aktuell 15 Kilometer Pisten, neun Lifte, Snowpark, Tageskarte 30,50, www.tignes.net;
Val d'Isère: bis 15.7., 2718 - 3228 Meter, aktuell sechs Kilometer Pisten, zwei Lifte, Tageskarte 28,50, www.valdisere.com;
Les 2 Alpes: 16.6. bis 1.9., 2809 - 3523 Meter, 17 Kilometer Pisten, zwölf Lifte, Snowpark, Tageskarte 35,30 Euro,

Autor: Christoph Schrahe