Hart ummantelt mit einer chicen, blauen Plastikhülle habe ich meinen Dienst beim Tourismusbüro im Kleinwalsertal angetreten. Ich kann weder gehen, sitzen noch stehen, drum liege ich häufig auf den Tischen herum. Keineswegs nutzlos, sondern immer griffbereit und einsatzfähig, wenn sich Menschen irgendetwas nicht merken können. „Das muss ich mir notieren“, sagt Gitti von der Information und bringt die sinnvollen Anregungen eines Gastes auf´s Papier. Wohl bemerkt, mit meiner Hilfe, denn ich kann schreiben. Hat der Mensch die Schule besucht, weiß er auch den richtigen Umgang mit mir als nützliches Schreibwerkzeug.

Es wird getanzt und gehopst
Gestern besuchte ein Urlauber den Schalter und hat „um was zu schreiben“ gebeten. So gelangte ich in seine Hände. Kalte Hände, Herr Müller kommt vom Walmendingerhorn, war Ski fahren. „Es war ein Traum“, sagt er noch zu Gitti und steckt mich zielstrebig in die dunkle Anoraktasche. Ganz versehentlich habe ich so den Besitzer gewechselt. Nun geht´s zum Schneemanntreff nach Riezlern. Das ist eine wöchentliche Aprés Ski Veranstaltung mit Live Musik und toller Stimmung. Es wird getanzt und gehopst, laut mitgesungen und in die Hände geklatscht. Hans, so höre ich, heißt mein Besitzer, unterhält sich angeregt und lange mit einer hübschen Blondine. Namen und Adressen werden ausgetauscht, ich schreibe, was die Hand hergibt. „Der schreibt gut“, schmeichelt mir die Dame um die 40 mit gepflegten Händen. Zum Reinkuscheln, denke ich mir, und schon lässt sie mich unachtsam fallen. Keine Absicht, Sekunden später bin ich wieder voll in ihrer Hand. Sie spielt mit mir, drückt mich am hinteren Teil, als ob wir uns schon Jahre lang kennen würden und steckt mich schlussendlich wie selbstverständlich in ihre gut duftende Handtasche von D&G. Vom Sturz schmerzt meine Mine etwas im Nackenbereich, da ist mir das Ruhen in der Tasche schon ganz recht.

"Hier kann mans aushalten"
Nach kurzem Fußweg erreichen wir das Hotel, an der Bar gibt´s kein Vorbeikommen. Karin, komm, trink noch einen mit! In netter Gesellschaft bestellt sich meine „Chefin“ sogar noch ein zweites Glas Wein, die Kosten schreibe ich beim Kellner höchst persönlich auf’s Zimmer. Gut gelaunt trägt sie mich auf 212. Geräumig und geschmackvoll, gemütlich alpenländisch eingerichtet. „Hier kann man’s aushalten“, ist mein Gedanke.

Gut eingepackt - und das mit besten Aussichten
Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, geht´s zur Kanzelwandbahn. Die Sechser-Gondel trägt uns hoch auf 2000 Meter ins weitläufige Skigebiet Kanzelwand / Fellhorn. Inzwischen stecke ich in der Brusttasche der Skikleidung. Ja, richtig gelesen: „In der Brusttasche!“ Ich, Franz, bin nun stolz wie Oskar. In diesem Falle stört es mich keineswegs, dass Georg und Babsi mit Rene auch dabei sind. Und jetzt Ski fahren. Die griffige Piste schüttelt mich ganz schön durch, obwohl ich wirklich gut eingepackt bin – und das mit besten Aussichten! Die vier Rheinländer schwärmen von den sagenhaften Pistenverhältnissen und den vielen unterschiedlichen Abfahrten zwischen Österreich und dem benachbarten Deutschland. „Ein wahres Winterparadies“, meint Georg, der jedes Jahr seine Skiferien hier verbringt. Nach drei Stunden Winterzauber entscheiden sich die Pistenflitzer zur Einkehr und schwingen in Richtung Skihütte. Karin bestellt Kaiserschmarren mit Zwetschgenröster. Das schmeckt hier besonders gut, sagt sie.

Gut gesättigt wird die Sonne angebetet
Gut gesättigt wird jetzt die Sonne angebetet. Im Liegestuhl genießen wir das Bergpanorama, den tief blauen Himmel und die gesunde Winterluft. Zuvor hatte sich Karin noch eine Ansichtskarte gekauft, ich schreibe, was mir ihre Hand diktiert:

Das Kleinwaslertal bietet alles, was mein Herz begehrt
Liebe Dagi, Dein Tipp ist einfach die Wucht. Das Kleinwalsertal bietet alles, was mein Herz begehrt. Ich überlege schon, ob ich Dich im Juli begleite, wenn Du zum Wandern gehst. Der Sommer muss ja auch riesig sein. Bis nächste Woche. Es gibt vieles zu erzählen. Deine Karin.

Gott sei Dank, die Erlösung
Sorry M´am, may I have your pen, please? Just for a moment. Um Gottes Willen, was ist denn jetzt los? Karin gibt mich weiter. Mein Herz klopft, meine Kugel läuft blau an. Der fremde Mann hält mich mit links und schreibt total unverständliche Wörter. Ich befürchte Schlimmes und halte mein Blau an. Gott sei Dank, die Erlösung. Karin fordert mich zurück.

… ich hatte noch vier herrliche Tage bei Karin, so lange, bis mich Kellner Renato in der Pizzeria stibitzt hatte. Das passiert – im Leben eines Kulis. Schade. Aber wenigstens bleibe ich im Kleinwalsertal – mitten im Paradies! Der neue Job ist ganz schön anstrengend, aber auch sehr interessant.

Doch das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

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