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Andre Myhrer aus Schweden hat in letzter Sekunde den Favoriten Ivica Kostelic und Marcel Hirscher den Slalom-Weltcup aus der Hand gerissen. Mit seinem Sieg in Schladming kletterte er von Platz drei an die Spitze der Wertung. Felix Neureuther wurde Zweiter, Fritz Dopfer verpasste als Vierter das Podium nur knapp.

Große Freude, großes Leid

Es waren ergreifende Szenen im Zielraum von Schladming: Während Andre Myhrer jubelte und gefeiert wurde, stand Ivica Kostelic abseits und konnte Tränen kaum zurückhalten. Mit einem groben Patzer im ersten Lauf hatte er das Heft des Handelns im Slalom-Krimi bereits früh aus der Hand gegeben und musste so anerkennen, dass Myhrer mit zwei Siegen in zwei Rennen auf 644 Zähler kam - und damit 34 mehr hatte, als er selbst. Marcel Hirscher hatte sich mit einem Einfädler früh aus dem Kampf verabschiedet. Mit Myhrer jubelten die DSV-Starter: Felix Neureuther verabschiedete sich mit einem tollen zweiten Platz, kaum weniger stark ist Fritz Dopfer vierter Rang einzustufen. Mario Matt schob sich zwischen beide aufs Podium und wurde Dritter.

Nur 19 kommen durch

Der Weltcupabschluss der Herren 2012 sollte ein durchaus ungewöhnliches Rennen werden. Die Entscheidung um den Gesamtweltcup war zuvor bereits zugunsten von Marcel Hirscher entschieden, da Beat Feuz in der ungeliebten Disziplin gar nicht antrat. Viele Ausfälle im ersten Lauf dezimierten das Feld - und damit auch die drei Anwärter auf den Slalomweltcup früh.



Kostelic: Aus nach vier Toren

Die Hoffnungen von Ivica Kostelic auf die kleine Kugel im Slalom erhielt nach wenigen Toren einen herben Dämpfer: An Tor vier rutschte der als Erster gestarte Kroate über den Innenski weg und musste im Steilhang zwei Tore aufsteigen, ehe er den Rest des Kurses absolvieren konnte. Kein Wunder, dass Felix Neureuther mit Startnummer zwei und einem sehr guten Lauf knappe 19 Sekunden Vorsprung aufwies - Kostelic musste auf Patzer seiner Konkurrenten Hirscher und Myhrer hoffen. Und der erste kam prompt: Der Österreicher fädelte früh ein und war damit ausgeschieden - und raus aus dem Kugel-Rennen. Nach knapp drei Minuten des Rennens hatte damit Andre Myhrer alle Karten in der Hand, mit einem Top-Resultat aus eigener Kraft die Kugel zu holen.

Myhrer bringt sich in Stellung

Andre Myhrer brauchte einen zweiten Platz, um Kostelic zu verdrängen. Im ersten Lauf gab sich der Schwede keine Blöße, kam aber auch nicht an Neureuthers Bestmarke heran. Im Ziel leuchtet allerdings trotz einer halben Sekunde Rückstand die 'Zwei' auf, damit hatte der Schwede virtuell die Führung in der Slalomwertung übernommen. Der erste Lauf von Schladming forderte weitere Opfer - u.a. Giuliano Razzoli, Alexis Pinturault, Jean Baptiste Grange und Reinfried Herbst schieden aus. Hinter Neureuther und Myhrer platzierte sich das Quartett aus Mario Matt, Stefano Gross, Cristian Deville und Fritz Dopfer aussichtsreich.

Dopfer mit starkem Finale

Michael Janyk aus Kanada setzte den ersten guten Lauf im Finale - und das obwohl bei warmem Wetter die Piste in Schladming dort bereits nachließ und in Folge immer mehr Rippen aufwies. Mattias Hargin riskierte viel und setzte mit seiner neuen Bestzeit die Spitze unter Druck. Steve Missilier konterte und legte noch zwei Hundertstel drauf. Fritz Dopfer ließ sich davon nicht beirren und übernahm souverän die Spitze.

Matt lässt sich feiern

Das konnten nicht alle: Cristian Deville fädelte ein, Stefano Gross wurde mehrfach ausgehoben und fiel zurück - die Italiener kamen nicht aufs Podium. Mario Matt griff unter tosendem Jubel der Zuschauer voll an und knackte die Bestmarke - Schladming stand kurz Kopf. Doch die Entscheidung um Kugel und Tagessieg stand noch aus.

Myhrer holt die Kugel - und den Sieg

Ivica Kostelic wartete nachdenklich im Zielraum, als Andre Myhrer seine Chance auf der Piste suchte. Am zweiten Tor hob eine kleine Wanne ihn aus, das nahm er als Weckruf und gab Gas. Der flache Schlussteil war schlicht perfekt - Laufbestzeit. Damit war klar, dass Myhrer den Slalom-Weltcup gewinnt, der Schwede probierte auch gleich mehrere Jubelgesten aus, von Cuches Ski-Flip zu Pärsons Pingiun-Bauchrutsche. Der geschlagene Kostelic konnte dabei nur zugucken. Felix Neureuther musste sich mit diesem Traumlauf messen. Das gelang nicht ganz. Zwei kleine Fehler warfen den Deutschen auf Rang zwei zurück - der gratulierte sofort dem schwedischen Triumphator. Mit den Plätzen zwei und vier war es dennoch eines der besten DSV-Slalomergebnisse überhaupt und damit ein exzellentes Ende einer sehr guten Saison. Neureuther beendet die Slalom-Wertung als Sechster, Dopfer wird Achter.