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Lindsey Vonn steht kurz davor, ihre Rekordsaison mit weiteren Highlights zu würzen. In Are trotzte sie den schlechten Pistenbedingungen und sicherte sich nach Sölden ihren zweiten Weltcupsieg in dieser Disziplin. Viktoria Rebensburg wurde Dritte und führt weiterhin klar den Riesenslalom-Weltcup an. Federica Brignone aus Italien belegte Rang zwei.

Vonn auf Rekordjagd

Es scheint, als habe sie magische Kräfte: Lindsey Vonn sicherte sich mit dem neuerlichen Sieg, dem elften dieser Saison, bereits als Gesamtsiegerin des Weltcups fest, zum vierten Mal nach 2008, 2009 und 2010. Mit nunmehr 1808 Zählern kann sie dabei nicht nur nicht mehr von Tina Maze (in Are Sechste) eingeholt werden, sie hat nun noch fünf Rennen, um die magische 2.000 Punkte Grenze zu knacken - oder wenigstens die bisherige Damen-Bestmarke von 1.970 Zählern von Janica Kostelic zu schlagen. Und nicht zuletzt hat sie noch theoretische Chancen, auch die Riesenslalom-Kugel zu gewinnen.

Rebensburg vertagt Entscheidung

Viktoria Rebensburg musste sich nach dem Doppelsieg in Ofterschwang zwar hinter Vonn und die im Finale furios fahrende Federica Brignone anstellen, hat aber weiterhin 95 Zähler mehr als Vonn - beim letzten Rennen in Schladming müsste also Vonn gewinnen und Rebensburg leer ausgehen, damit die Deutsche ihre Kugel nicht verteidigt. Eine unwahrscheinliche Konstellation, denn auf schwerem Geläuf bewies Rebensburg auch in Are ihre Klasse und Konstanz.

Vonn und Rebensburg im Gleichmarsch voran

Anders als in Ofterschwang warteten in Are wieder winterliche Bedingungen auf die Athletinnen. Kalte Temperaturen und ein steiler Hang oben, sowie viele Geländeübergänge waren zu bewältigen. Lindsey Vonn und Viktoria Rebensburg nutzten die frühe Startnummer, fuhren aber zudem auch starke Läufe. Vonn ließ ihre Ski gut laufen und nahm die Tore sehr eng. Auch Rebensburg zeigte einen guten Lauf. Oben noch mit kleinen Problemen, fuhr die Deutsche unten grandios und war nur 0,07 Sekunden hinter Vonn. Damit lagen beide klar vor dem Rest des Feldes. Dahinter waren Anna Fenninger und Federica Brignone auf den Plätzen drei und vier mit schon fast 0,5 Sekunden Rückstand.

Höfl-Riesch wieder draußen

Maria Höfl-Riesch schied in Are im ersten Durchgang nach einem erneuten Innenskifehler aus. Auch Elisabeth Görgl mit der Startnummer 1 passierte ein Missgeschick, als sie im steilen Gelände oben wegrutschte und ausfiel. Neben Höfl-Riesch und Görgl hatten auch Tina Maze und Tessa Worley Probleme mit der Strecke und waren nach dem ersten Durchgang mehr als eine halbe Sekunde zurück. Aus Deutschland mussten sich die Fahrerinnen mit höheren Startnummern mit der doch schon ramponierten Piste auseinandersetzen. Lena Dürr machte zudem noch große Fehler und war so noch knapp in den Top 30. Veronique Hronek, Simona Hösl schieden ebenso wie Veronika Staber aus.



Agerer nutzt die gute Piste

Für Lena Dürr war die zweite Startnummer im Finale kein Glücksbringer. Am Anfang gut im Rhythmus fuhr sie zu aufrecht, wirkte in den Schlusstoren kraftlos und verpasste das Timing bei einigen Schwüngen. Lisa Magdalena Agerer machte es direkt im Anschluss viel besser und nahm der Deutschen 1,6 Sekunden ab - sie würde damit viele Positionen gut machen. Fahrerin für Fahrerin riss in Folge die Marke von Agerer - als auch Geburtstagskind Julia Mancuso das knapp nicht schaffte hatte die Italienerin schon ein Top 15-Ergebnis sicher. Und das sollte nicht alles bleiben.

Top-Leute patzen

Auch wenn es in Are nicht so frühlingshaft warm war, wie in Ofterschwang zuletzt, litt die Piste spürbar und machte es trotz wachsenden Vorsprungs am Start auch für Topfahrerinnen wie Tanja Poutiainen oder Taina Barioz schwer. Zwei bis drei Sekunden verloren sie auf dem Lauf auf Agerer. Irene Curtoni ließ sogar knappe vier Sekunden liegen. Nur unwesentlich besser machten es die zuletzt formstarken Michaela Kirchgasser und Marlies Schild.

Brignone übernimmt die Spitze

Erst der Französin Tessa Worley gelang es: Sie carvte fehlerfrei und auf Zug - und brauchte dennoch fast alles von ihrem fast zweisekündigen Vorspung, um Agerer an der Spitze abzulösen. Die Italienerin hatte sich insgesamt von Platz 28 auf Position sieben verbessert. Stefanie Köhle war noch schneller als Worley, wurde bei schlechter werdender Bodensicht ausgehoben und schied aus. Tina Maze konnte nicht voll überzeugen. Federica Brignone setzte dann den ersten Angriff auf den Tagessieg. Sie stellte sich toll über den Ski und glich die vielen Bodenwellen gekonnt aus - eine klare Führung.

Vonn vor Rebensburg

Diese Hürde erwies sich als zu hoch für Anna Fenninger, die den steilen ersten Abschnitt zu zaghaft anging und zurück fiel - zeitgleich mit Worley wurde sie Vierte. Auch Viktoria Rebensburg wagte nicht alles, fuhr aber ein taktisch hervorragendes Rennen und musste sich nur hinter Brignone anstellen. Dann kam der Lauf von Lindsey Vonn: Die riskierte alles, ignorierte die Wellen und stach in jede Kurve. Vonns Lauf war eine Kampfansage. Im Ziel leuchtete sie 'eins' auf - damit rettet sich die Amerikanerin noch die Möglichkeit, in Schladming auch die Riesenslalomkugel zu gewinnen. Die große Kugel ist ihr jedenfalls nicht mehr zu nehmen.