© Alexis BOICHARD/AGENCE ZOOM
Noch zwei Wochen, dann ist die Wettkampf-Saison im alpinen Ski-Zirkus vorüber. Einige Entscheidungen sind bereits gefallen, andere stehen noch aus. Wir werfen einen Blick auf den aktuellen Weltcup-Stand - und den Formstand der Kandidaten.

Damen: Vonn dominiert Damen-Szene

Bei den Damen stehen neben dem Weltcup-Finale in Schladming noch zwei Technik-Rennen in Are an. Viel wird es aber hier nicht mehr zu verteilen geben, denn in den meisten Kategorien steht die Siegerin bereits fest. Lindsey Vonn ist in Abfahrt und Super-Kombination rein rechnerisch nicht mehr einzuholen. Im Super-G sind es noch möglich, wenn Vonn ausfällt und Anna Fenninger gewinnt - unwahrscheinlich. Bei aktuell 494 Zählern Vorsprung auf Tina Maze ist auch der Triumph im Gesamtweltcup nur noch theoretisch zu verhindern. Bereits in Are wird Vonn vermutlich für Gewissheit sorgen. Spannend ist höchstens die Frage, ob Vonn auch den Punkterekord von Janica Kostelic knacken wird: Die Kroatin hatte 2006 mit 1970 Zählern abgeschlossen, die 2.000-Punktemarke hat bislang nur Hermann Maier im Jahr 2000 erreicht. Schafft Vonn das in nur noch sechs Rennen?

Schild ist durch - Rebensburg noch nicht

Auch im Slalom ist zwei Rennen vor Schluss die Spannung raus: Marlies Schild gewinnt erneut 'ihre' Disziplin. Im Riesenslalom ist hingegen theoretisch noch etwas drin für die Konkurrenz. Viktoria Rebensburg führt nach ihrem Doppelsieg in Ofterschwang mit 135 Punkten vor Vonn und 144 Zählern vor Tessa Worley. Der Vorsprung ist also gewaltig und die Olympiasiegerin hat gerade erst gezeigt, dass sie in Bestform ist. Tendenz: Vicky holt sich zum zweiten Mal in Folge die Kugel.

Herren: Nur Kostelic hat eine Kugel sicher

Ganz anders schaut es bei den Herren aus: Nur Ivica Kostelic hat jetzt bereits eine Kugel sicher, die in der Super-Kombination. Im Slalom ist er noch vorn, führt mit 35 Zählern vor Marcel Hirscher - und das zwei Rennen vor Schluss. Auf dem Hang in Kransjka Gora haben beide noch nicht gewonnen, es ist sicherlich nicht der Lieblingshügel des Kroaten. In Schladming gewann Hirscher bereits im Januar. Kostelic ist zudem angeschlagen, die Knie-OP muss er erst einmal wegstecken. Allerdings lastet auf Hirscher großer Druck, die Nation erwartet von ihm den ganz großen Wurf. Tendenz im Slalom: Hirscher macht's - Kostelic kann seinem Speed nicht folgen.

Riesenslalom: Hirscher oder Ligety?

Im Riesenslalom ist die Sache klarer: Hirscher liegt mit 132 Punkten vor Ted Ligety, der Amerikaner zeigte sich zuletzt nicht in Bestform. Für Ligety spricht, dass er den Hang in Slowenien mag und dort auch schon gewonnen hat. Er muss aber auf zwei Aussetzer von Hirscher hoffen, um noch eine Chance zu haben. Daran glauben wir nicht. Tendenz: Hirscher holt auch diese Kugel.

Dreikampf im Super-G

Ein richtig spannendes Finale dürfen wir im Speed erwarten: Im Super-G haben Aksel Lund Svindal (413), Didier Cuche (371) und Beat Feuz (368) noch gute Chancen. Svindal hat also 42 Punkte Vorsprung auf Cuche, 45 auf Feuz. Wird er Dritter in Schladming, kann ihm keiner mehr die Kugel nehmen. Feuz wird alles geben, um seine Chancen auf die große Kugel zu erhalten, ist aber angeschlagen. Tendenz: Svindal hat das Sammler-Gen von Ammodt und Kjus geerbt, er sichert sich ganz knapp diese Wertung vor Feuz.

Abfahrt: Cuche zum Fünften?

Klaus Kröll soll den Österreichern endlich wieder die Kugel in der Königsklasse bescheren - und das vor heimischer Kulisse. Er hat die besten Karten: Cuche muss 48 Punkte aufholen, Feuz 51. Das ist eine Menge Holz und Kröll kam zuletzt immer besser in Fahrt. Doch Cuche kann mit einem Sieg den fünften Abfahrtscoup klarmachen und sich damit endgültig als Legende verabschieden. Das treibt an! Unser Tipp: Cuche dreht den Spieß noch um.

Gesamtweltcup: Der Showdown!

Am spannendsten wird aber wohl die Entscheidung um den Gesamtweltcup. Dort führt aktuell Beat Feuz mit 115 Punkten Vorsprung vor Hirscher, Kostelic liegt knapp 200 Zähler zurück und wird auch wegen seiner jüngsten Verletzung vorne kaum noch eingreifen können. Wir gehen von einem Kopf-an-Kopf-Duell Feuz gegen Hirscher aus. Der Österreicher könnte in Kranjska Gora den Rückstand egalisieren, dann stünde eine Entscheidung an, die an Spannung dem Damen-Finale 2011 zwischen Vonn und Riesch in nichts nachsteht. Für Feuz spricht sein Auftreten in Kvitfjell, für Hirscher dessen Stärke-Demonstration in Bansko. Wer den entscheidenden Fehler macht, wird den Zweikampf verlieren. Unser Tipp: Im Slalom ist ein Ausfall am wahrscheinlichsten - und Hirscher ist auch mal für einen Einfädler gut. Feuz holt sich die große Kugel.