Der schweizerische Wengen-Sieger Beat Feuz hat die Abfahrt im russichen Sotschi gewonnen. Beim ersten Rennen auf der Olympiastrecke von 2014 siegte er an seinem 25. Geburtstag vor dem Kanadier Benjamin Thomsen und Adrien Theaux aus Frankreich.

Premiere auf der „Rosa Khutor“

Es war dem Franzosen Yannick Bertrand vorbehalten, bei -10 Grad Außentemperatur die neunte Abfahrt der Saison auf der nagelneuen Strecke am Schwarzen Meer zu eröffnen. Die Rohdaten der „Rosa Khutor“: 3495 Meter lang, Start auf 2045 Metern, 1075 Meter Gefälle, extrem viele Kurven, sehr eisiges und welliges Terrain, Geschwindigkeiten bis 135 km/h, ein recht flaches Zielstück für die Gleiter und zweite weite Sprünge kurz vor dem Ziel. Ein Strecke, die den Fahrern vor allem konditionell alles abverlangte. Bertrand, nicht gerade als Abfahrtsspezialist bekannt und eher vorsichtig unterwegs, lieferte die erste Richtzeit: 2:17,95 Minuten - und war fast fünf Sekunden langsamer als die schnellste Trainingszeit.

Fisher im Pech

Nachdem Travis Ganong (USA) und Guillermo Fayed (FRA) deutlich schnellere Zeiten als Bertrand ins Ziel gebracht hatten, war mit Startnummer vier Erik Fisher im Pech. Kurz nach dem steilen Starthang, in dem die Fahrer nach nur wenigen Sekunden auf knapp 100 km/h beschleunigen, ging dem Amerikaner Erik Fisher bei einem Rechtsschwung die Bindung auf. Ohne Chance den Crash aufzuhalten, rutschte er in die Fangzäune. Auch diese bestanden den ersten ernsthaften Test: Fisher hob als Zeichen der Entwarnung schnell den Arm und kam ohne schwere Verletzungen davon.


Janka und Theaux schnell unterwegs

Mit einer Klassefahrt setzte sich mit Startnummer sechs dann Kjetil Jansrud (NOR) an die Spitze - über eine Sekunde war er schneller als der führende Peter Fill (ITA). Im Ziel war man sich einig: Das war die erste ernsthafte Richtzeit! Doch lange hielt sie nicht: Riesenslalom-Olympiasieger Carlo Janka setzte sich direkt nach ihm mit 14 Hundertstel Vorsprung vor den Norweger. Doch auch Janka hatte keine Zeit, es sich in der Leaderbox bequem zu machen. Der starke Franzose Adrien Theaux distanzierte ihn mit einer Zeit von 2:14,69 Minuten um knappe sechs Hundertstel.

Theaux bleibt zunächst vorn

Die Zeit von Theaux hatte dann einige Fahrer lang Bestand - er und Janka hatten im oberen Abschnitt zum Teil einen deutlichen Vorsprung auf Svindal, Defago und Co. herausfahren können und bis ins Ziel verteidigt. Mit Startnummer 14 fuhr der Österreicher Joachim Puchner eine tolles Rennen: Auch er verlor oben fast acht Zehntel, drehte dann aber auf, war bei der letzten Zwischenzeit nur noch eine Zehntel zurück - im Ziel leuchtete trotz lediglich 15 Hundertstel Rückstand jedoch nur Rang drei auf.

Was machen die ersten Favoriten?

Es folgten die Favoriten, die beste Sieben des Abfahrtsweltcup. Den Anfang machte an seinem Geburtstag Beat Feuz: Der Sieger von Wengen war oben etwas spät an den Toren und fing sich schnell 64 Hundertstel Rückstand ein. Rennen gelaufen? Von wegen, Feuz drehte plötzlich extrem auf, war nach anderthalb Minuten wieder in Front, nahm eine extrem hohe Geschwindigkeit mit zu den Zielsprüngen, sprang dort so weit wie keiner vor ihm und hämmerte eine Bestzeit von 2:14,10 Minuten auf die Strecke - 59 Hundertstel schneller als Adrien Theaux! Da konnte nach ihm Romed Baumann (AUT) nicht mithalten und auch Hannes Reichelt (AUT) knackte die Bestzeit nicht. Er verspielte unten etwas kraftlos seine acht Zehntel Vorsprung (!) und war ihm Ziel nur Sechster. Erik Guay (CAN) kam ebenfalls nicht an Feuz heran, Abfahrts-Weltcup-Leader Didier Cuche (SUI) hatte nicht seinen besten Tag und fuhr in Sotschi 2012 kein Podestplatz ein.

Miller verpasst Sieg knapp

Mit einer hervorragenden Fahrt im oberen Abschnitt schien dann der Amerikaner Bode Miller schon auf der Siegerstraße zu sein. 62 Hundertstel legte er zwischen sich und Beat Feuz, musste im Verlauf der anspruchsvollen Fahrt aber feststellen, dass er konditionell nicht so fit wie ein Beat Feuz ist. Ohne größere Fehler büßte er seinen Vorsprung ein, konnte einfach nicht mehr so aggressiv zur Sache gehen. Im Ziel aber immerhin ein sehr starker dritter Zwischenrang drei für Miller. Doch den sicher geglaubten Podestplatz musste der 34-Jährige noch abgeben: Mit Startnummer 27 war es der Kanadier Benjamin Thomsen, zuletzt starker Fünfter in Chamonix, der mit einer hervorragenden Fahr Adrien Theaux von Platz zwei verdrängte und Miller damit vom Podest stieß. Für Thomsen das erste Weltcup-Podest und der größte Erfolg seiner Karriere. Der Sieg bei der Olympia-Probe im russischen Sotschi ging am Ende an den Schweizer Beat Feuz, der das Rennen um die kleine Kristallkugel wieder spannend macht. Hier führt Didier Cuche (495 Punkte) nun vor Klaus Kröll (469) und Beat Feuz (468).

Sander fährt auf Platz 15

Als einziger deutscher Starter ging in Sotschi Andreas Sander vom Skiclub Ennepetal auf die Strecke. Er war schnell unterwegs, fuhr auf Platz 16 Weltcup-Punkte und wiederholte sein bestes Weltcup-Ergebnis. Stephan Keppler verzichtete wegen einer Entzündung an der Patellasehne kurzfristig auf einen Start.

Am Sonntag findet in Sotschi die letzte Super-Kombination der Saison statt - wer die kleine Kugel gewinnt, erfahrt ihr natürlich bei uns auf skiinfo.de.