Was für ein Wetter im Allgäu: Bei Traumbedingungen mit grandioser Fernsicht und wolkenlosem Himmel ging am Sonntag, den 15.1. die Hochgrat-Skirallye über die Bühne. Insgesamt 132 Starter machten sich um 10 Uhr bei frostigen Temperaturen an der Hochgratbahn-Talstation auf den Weg in Richtung Gipfel. Wie bereits im Vorjahr wurden bei der Hochgrat-Rallye auch 2012 wieder die deutschen Meistertitel in der Disziplin Single vergeben - bei den Herren auf der langen Strecke (1600 Hm), bei den Damen und den Jugendlichen auf der kurzen Runde (1000 Hm).

Leistungsstarkes Starterfeld

Angelockt durch das schöne Wetter und den Ruf des Rennens als sehr schnelle Strecke standen heuer auch etliche starke ausländische Läufer an der Startlinie - insgesamt waren sechs Nationen im Allgäu vertreten. Beim Durchsehen der Startliste war klar, dass gleich eine ganze Hand voll Athleten das Zeug zum Sieg am Hochgrat hatten - Lokalmatador und Titelverteidiger Toni Steurer (SC Thalkirchdorf) musste also ordentlich Gas geben, wenn er seinen Sieg vom Vorjahr wiederholen wollte. Leider war der starke Allgäuer durch eine Knieverletzung wenige Tage zuvor deutlich gehemmt - und das ausgerechnet nachdem er gerade eine Blutvergiftung überstanden hatte.


Rottmoser bärenstark

Gleich vom Start weg machte einer seine Ambitionen deutlich: Sepp Rottmoser (maloja/ Rosenheim) sprintete wie gewohnt vom Start weg an die Spitze des Feldes und sollte diese Position auch bis zum Ende des Rennens nicht mehr abgeben. Ihm noch am dichtesten auf den Fersen war der österreichische Meister Alexander Fasser (SC Lermoos), der nach den ersten tausend Höhenmetern an der Bergstation mit zehn Sekunden Rückstand noch Tuchfühlung auf Rottmoser hielt. Hinter den beiden Führenden folgten mit kurzem Abstand gleich drei starke Italiener: Lois Craffonara (Badiasport ASD), Laserzlauf-Gewinner Filippo Beccari (Bela Ladina) und Allessandro Follador (Dolomiti Ski-Alp). Der deutsche Vertical-Meister Konrad Lex (Peiting) hielt zwar zu diesem Zeitpunkt noch den Anschluss an diese Fünfergruppe - ihm steckten aber noch die Belastungen der langen Mountain-Attack-Strecke zwei Tage zuvor in den Knochen. Ein anderer Favorit kam etwas später als gewohnt mit schmerzverzerrtem Gesicht an die Bergstation: Toni Steurer hatte bereits im Aufstieg massive Probleme mit seinem Knie und musste sich anstrengen, noch Anschluss an die Top 10 zu halten. Die Abfahrt vom Hochgratgipfel ging der Führende Rottmoser gewohnt souverän an - er gehört sicherlich zu den stärksten Abfahrern im Feld.

Ungefährdeter Sieg für Rottmoser

Dementsprechend schwer hatten es auch seine Verfolger - niemand kam in der extrem schnellen Abfahrt an den Rosenheimer heran und in der zweiten, flachen Runde konnte Rottmoser seinen Vorsprung sogar noch weiter ausbauen. Nach 1:36:11h fuhr Rottmoser damit ungefährdet seinen ersten Senioren-Meistertitel im Single ein - gut anderthalb Minuten vor Alexander Fasser (1:37:44h). Hinter den beiden entbrannte ein spannender Dreikampf um den verbliebenen Podiumsplatz: Die drei Italiener waren nach wie vor dicht beieinander und die Entscheidung sollte erst im Zielsprint fallen. Während es bereits kurz vor dem Ziel klar war, dass Allessandro Follador auf Rang fünf landen würde, gaben Beccari und Craffonara auf den letzten Metern skatend ins Ziel alles. Am Ende war es Craffonara, der mit 1:38:11h hauchdünn die Nase vor Beccari (1:38:12h) hatte. Follador folgte als Fünfter in 1:38:33h. Das Podium der deutschen Meisterschaft wurde komplettiert durch den Tages-Sechsten Konrad Lex (1:39:05) und Philipp Reiter (WSV Bischofswiesen/ Salomon) als Neunter (1:40:53). Lokalmatador und Titelverteidiger Toni Steurer musste sich am Ende mit dem zehnten Platz zufrieden geben - ihn plagten starke Schmerzen im Knie und bei der Siegerehrung sah man den Allgäuer, der sonst hart im Nehmen ist, humpeln und mit schmerzverzerrtem Gesicht.

Und täglich….grüßt das Grubertier

Sie heißt zwar jetzt eigentlich seit ihrer Hochzeit im Dezember Stockklauser, das vergisst sie aber auch manchmal noch bei der Anmeldung, denn sie trug sich unter ihrem Mädchennamen Gruber in die Startliste ein… Das tat ihrer Leistung aber keinen Abbruch, denn die Serienmeisterin der letzten Jahre war auch diesmal am Hochgrat nicht zu schlagen. Gruber lief einmal mehr einem ungefährdeten Start Ziel-Sieg entgegen und bleibt damit seit sieben (!) Jahren auf deutschem Boden ungeschlagen - ein echtes „Grubertier“ - ohne Frage! 1:02:44h benötigte die stärkste deutsche Skibergsteigerin und lag damit deutliche achteinhalb Minuten vor Andrea Innerhofer (Skialp Ahrntal; 1:11:08) auf Rang zwei und der Drittplatzierten Beatrice Soyter (Heeresbergführer, 1:16:16), die sich damit auch erstmals den deutschen Vizemeistertitel sicherte. Platz vier und Bronze in der DM-Wertung ging an die Allgäuer Lokalmatadorin Bärbel Schuster aus Weiler.

Jugendtitel gehen an Unger und Gröbner

In Abwesenheit von Topfavorit Toni Palzer, der zwei Tage zuvor bei der Mountain Attack in Saalbach bei der langen Strecke angetreten war und sich für den Weltcup am kommenden Wochenende schonen wollte, war der Weg frei für einen neuen Jugendmeister: Diese Chance nutze Cornelius Unger (Rosenheim), der sich den Titel vor Johannes Schmieger (SC Immenstadt) und dem erst dreizehnjährigen Jakob Wessling (AV Lindau) sicherte. Bei den weiblichen Jugendlichen ging der Titel an Franziska Gröbner (Bad Reichenhall) vor Katharina Stöger (WSV Bischofswiesen) und Lokalmatadorin Tessa Wötzel (Oberstaufen-Lindenberg).

Einmal mehr: Adolph Dempfle steht auch in diesem Jahr wieder an der Startlinie

Fast achtzig Jahre ist er alt, aber er lässt sich einen Start bei der Hochgratrallye nicht nehmen: Adolph Dempfle war auch in diesem Jahr wieder an seinem Hausberg am Start und zog zusammen mit zahlreichen weiteren Hobbyläufern auf der kurzen Strecke los. Damit dürfte Dempfle der wohl älteste aktive Skitouren-Rennläufer der Welt sein - und bei seiner Fitness auch noch in den kommenden Jahren am Start stehen. Hut ab! Beim Kampf um die Altersklassensiege konnte Dempfle allerdings nicht eingreifen, denn er wurde wie alle anderen ab Jahrgang 1968 in der Mastersklasse gewertet und hatte es dann doch mit ausschließlich jüngeren Konkurrenten zu tun. Die Sieger der Altersklassen:
Herren Masters Langstrecke: Martin Elsler (ITA, Bela Ladina)
Herren Masters Kurzstrecke: Armin Pfaff (Weiler-Simmerberg)
Cadets männlich: Vlad Nicolae Dobre (ROU, CS Tibiscus) Junioren männlich: Cornelius Unger (Rosenheim)
Damen Masters: Sabine Eggert (Oberland)
Cadets weiblich: Katharina Stöger (WSC Bischofswiesen)
Junioren weiblich: Franziska Gröbner (Bad Reichenhall).

Tolles Team am Hochgrat

Für das Wetter konnte das OK-Team natürlich nichts, aber dafür umso mehr für die Tatsache, dass vor und hinter den Kulissen alles reibungslos funktionierte. Mehr als 50 Helfer von der DAV- Sektion Oberstaufen-Lindenberg waren am Renntag im Einsatz - ein ganz besonderer Dank gebührt hier OK-Chef Christian Bleyle und vor allem seinen beiden Streckenchefs Jürgen Philipp und Stephan Prestel, die einmal mehr eine tolle Spur an den Berg legten und an den Tagen vor dem Rennen teils bis in die Nacht hinein im Einsatz waren. Auch die Kooperation mit der Seilbahn, in deren neuen Bergrestaurant die Siegerehrung stattfand, läuft am Hochgrat vorbildlich. Eine derart freundliche Unterstützung für die Wettkampf - Skibergsteiger ist wirklich außergewöhnlich und bereits am Tag nach dem Rennen freuen sich alle Beteiligten auf die nächste Auflage der Hochgratrallye - hoffentlich wieder bei Kaiserwetter und mit noch mehr Teilnehmern!

Matthias Keller, DAV