Beat Feuz aus der Schweiz hat beim ersten Klassiker der Abfahrtssaison auf der Lauberhorn-Piste in Wengen den Sieg eingefahren. Der 24-Jährige Nachwuchsstar triumphierte bei Kaiserwetter unter dem Jubel der schweizerischen Zuschauer in einer Zeit von 2:35,31 Minuten und feierte nach zwei zweiten Rängen in Lake Louise und Beaver Creek seinen ersten Saisonsieg.

Reichelt eröffnet das Rennen

Es war Hannes Reichelt aus Österreich vorbehalten, beim spektakulären und längsten Abfahrtsrennen der Saison die erste Spur durch Russi-Sprung, Hundschopf, Kernen-S, Hanegg-Schuss und die restlichen Schlüsselstellen zu ziehen. Und der Schnellste des zweiten Trainings war gut unterwegs: Zwar konnte er einige Fehler nicht vermeiden, doch das hat auf der extrem anspruchsvollen Lauberhorn-Abfahrt wenig Aussagekraft - was zählt ist die Geschwindigkeit. Die Richtzeit von Reichelt: 2:35,75 Minuten! Was würde sie wert sein?

Janka verliert Rennen im Mittelteil

Dass Reichelt schnelle Ski unter den Schuhen und eine gute Linie auf der über vier Kilometer langen Piste gefunden hatte, sollten die Zeiten der kommenden Fahrer beweisen: Fayed, Paris, Streitberger, Olsson - sie alle kamen nicht einmal ansatzweise an den 31-jährigen Österreicher heran. Auch nach den Fahrten der Schweizer Ambrosi Hoffmann und Carlo Janka, die vom Jubel der begeisterten Zuschauermassen nach unten getragen wurden, blieb Reichelt vorne. Doch vor allem bei der tollen Fahrt von Janka musste er zittern - der Schweizer war in allen technischen Passagen schneller als Reichelt, doch im Hanegg-Schuss verlor er die entscheidenden Zehntel gegenüber Reichelt.


Reichelt bleibt vorn

Reichelt hatte mit Startnummer 1 ein sensationelles Rennen abgeliefert - das zeigte sich schnell. Tolle Abfahrer wie Erik Guay (CAN, 0,78 Sek. zurück) und Adrien Theaux (FRA, 1,15 Sek. zurück) blieben deutlich hinter dem Österreicher, auch sie verloren die meiste Zeit im langen Mittelteil, wo gute Ski und Gleitfähigkeiten gefragt waren. Erst bei Startnummer 13 wurde es wieder eng: Christof Innerhofer (ITA) war der erste, der bis zum Ziel auf Augenhöhe mit dem starken Reichelt bleiben konnte. Das Ziel-S meisterte er mit viel Zug - und verpasste die Bestzeit in einer Zeit von 2:35,80 Minuten um nur fünf Hundertstel!

Die Besten am Start

Es folgten die besten Abfahrer des Weltcups - höchste Spannung bei den Zuschauern. Und gleich der erste der „gesetzten“ Fahrer fuhr das Rennen seines Lebens: Beat Feuz, am Freitag bereits Sieger der Kombi-Abfahrt, zeigte von oben bis unten eine überragende Vorstellung und schaffte es tatsächlich, noch 44 Hundertstel schneller zu sein als Reichelt. Unter dem frenetischen Jubel der Massen raste der Mann vom Skiclub Schangnau ins Ziel und ließ sich völlig entkräftet in den Bande fallen - was für ein Rennen des erst 24 Jahre alten Nachwuchs-Speed-Star der Schweizer!

Cuche scheitert, Baumann und Kröll nicht schnell genug

Direkt nach dem Youngster Feuz ging Oldie Cuche auf die fast 4,5 Kilometer lange Lauberhorn-Strecke. Doch es war nicht der Tag des Publikumslieblings, der über Zwischenrang neun nicht hinaus kam und dennoch mit „Didier“-Sprechchören von den Fans gefeiert wurde. Auch der Österreicher Romed Baumann schaffte nicht den Sprung aufs Podest, er reihte sich nach guter Fahrt auf Platz fünf ein. Was würde der Vorjahressieger Klaus Kröll machen? Er kämpfte, gleitete, carvte - und war schnell unterwegs. 145 km/h in der Spitze. Doch es reichte nicht für Kröll, im Ziel-S konnte er den Rückstand nicht mehr aufholen, nur Platz fünf und keine Podestplatzierung. Für den ehrgeizigen Österreicher eine kleine Enttäuschung.

Defago, Svindal und Miller hinten dran

Drei Top-Fahrer standen aber noch oben und wollten einen schweizerischen Heimsieg von Feuz verhindern: Didier Defago kam nicht gut zurecht und landete abgeschlagen auf Rang 18. Der grippegeschwächte Aksel Lund Svindal fuhr ein sehr gutes Rennen, am Ende fehlten aber die Kräfte: Rang neun! Mit Startnummer 22 folgte Bode Miller, der im oberen Teil mit seinem typischen Kamikaze-Stil sehr schnell unterwegs war. Nach dem Kernen-S lag Miller noch knapp in Front, auch nach den langgezogenen Kurven war er noch sehr gut dabei - doch am Ende fehlten dem konditionell nicht in Top-Form fahrenden US-Amerikaner die Kräfte, um alles aus sich herauszuholen. Die letzten Kurven fuhr er nicht voll auf Zug und sah im Ziel Platz fünf hinter seinem Namen aufleuchten. Die Favoriten waren im Ziel und Beat Feuz ballte mit Gewissheit, dass sein Sieg so gut wie sicher war, die Faust.

Keppler oben Schnellster, Gisin überrascht

Plötzlich musste Beat Feuz aber doch noch einmal die Luft anhalten - und zwar als der Deutsche Stephan Keppler unterwegs war. Oben war Keppler fast drei Zehntel schneller als Feuz, doch in den technischen Abschnitten verlor der 27-Jährige dann doch kontinuierlich und lag im Ziel dann doch 1,68 Sekunden hinter dem Sieger der Lauberhorn-Abfahrt 2012. Das sollte es aber immer noch nicht gewesen sein mit Spannung in Wengen: Marc Gisin lag bei Zwischenzeit Nummer 4 nur 18 Hundertstel zurück, am Ende war es Rang elf für den Schweizer. Der Sieg aber blieb bei Beat Feuz aus der Schweiz, der nach zwei zweiten Plätzen in Lake Louise und Beaver Creek seinen ersten Weltcup-Saisonsieg bejubeln durfte - und das bei seinem Heimrennen in Wengen. Geschlagen auf dem Podest landeten der starke Hannes Reichelt (AUT) und Christof Innerhofer (ITA). Feuz übernimmt mit nun 260 Punkten die Führung im Abfahrts-Weltcup.

Das nächste Rennen ist am Sonntag (15. Januar) ein Slalom in Wengen - ab 10:15 Uhr geht es los.