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Marlies Schild hat sich die Krone der Snow Queen in Zagreb aufgesetzt: Mit 1,4 Sekunden Vorsprung gewann die Österreicherin auch das fünfte Slalom-Rennen der Saison vor Tina Maze und Michaela Kirchgasser. Beste Deutsche wurde Lena Dürr als Zwölfte, Maria Höfl-Riesch schied aus.

Fünf Rennen - eine Siegerin

Das Bild ist bestens bekannt: Zweimal Laufbestzeit, Marlies Schild riss die Arme hoch - glatte 1,4 Sekunden hatte sie der zweitbesten Fahrerin im Feld abgenommen, das war Tina Maze. Fünfter Slalom-Sieg im fünften Rennen, der 32. Slalom-Triumph im Weltcup, der 34. insgesamt für Schild - grandios. 500 Punkte in 'ihrer' Disziplin, damit 213 Zähler Vorsprung auf die auch dort nun zweitplatzierte Maze. "Ich hab versucht, schnell zu fahren und bin jetzt sehr glücklich", sagte die strahlende Siegerin im Ziel. Ihre Leistung beeindruckt. Der Sport leidet aber an ihrer Dominanz - etwas, dass man Schild gewiss nicht vorwerfen darf.

Wann holt Schild die Kugel?

Der Skisport lebt normalerweise von der Spannung - im Damen-Weltcup ist die derzeit fehl am Platze. Marlies Schild darf zur Halbzeit in ihrer Disziplin bereits spekulieren, wann sie vorzeitig als Gewinnerin der kleinen Kristallkugel feststehen wird. Herausfordern konnte sie auch in Zagreb niemand ernsthaft. Überzeugen konnte hingegen Gesamtweltcup-Dominatorin Lindsey Vonn. Die Amerikanerin ist nicht nur im Riesenslalom, sondern auch im Slalom konkurrenzfähig, wenn Hang und Kurs für sie passen. Mit der zweitbesten Laufzeit im Finale kam sie in die Top Ten, sammelte weitere Punkte - eine Herausforderin ist weit und breit auch für sie nicht in Sicht.



Kraftprobe in Durchgang eins

Bei schlechter Sicht vor allem im oberen Abschnitt durfte Maria Höfl-Riesch als erste antreten - und konnte diesen Vorteil nicht nutzen. Der weiche Hang und der mit einer runden Minute Fahrzeit lange Kurs forderte den Fahrerinnen alles ab. Nur Seriensiegerin Marlies Schild - als zweite startend - blieb im ersten Lauf unter einer Minute, die zweitplatzierte Tina Maze hatte bereits neun Zehntel Rückstand. Der Kampf um die Snow Queen Trophy war damit de facto bereits nach wenigen Fahrerinnen entschieden.

DSV-Bilanz: Nur Lena Dürr erreicht ihre Ziele

Immerhin vier von acht Deutschen schafften in Zagreb den Sprung ins Finale. Veronika Staber (31.) verpasste die Teilnahme nur um acht Hundertstel. Auch für Nina Perner (34.) war es knapp. Monica Hübner (40.) schlug sich achtbar, während Katharina Dürr mit Rang 42 nicht zufrieden sein konnte. Dennoch: Es war nicht der Tag der Deutschen am Bärenberg. Im zweiten Durchgang konnte sich Christina Geiger zwar noch von Platz 20 auf Position 15 verbessern, Fanny Chmelar kam in beiden Durchgängen nicht wirklich ins Rollen und sammelte als 19. immerhin einige Punkte. Positives Highlight in Durchgang eins war Lena Dürr, die sich auf Platz zwölf setzte und diesen im Finale immerhin verteidigte. Damit war sie beste Deutsche.

Höfl-Riesch scheitert

Denn auch für Maria Höfl-Riesch war der Bärenberg 2012 kein Erfolgshang. Trotz der Beeinträchtigung von einer leichten Grippe war Platz acht im ersten Lauf schon ein Dämpfer, im Finale folgte das frühe Aus, als sie eine Bodenwelle übersah, die auch andere Fahrerinnen zuvor schon hatte straucheln lassen. Es war damit ein kurzer Auftritt. Höfl-Riesch hat auch in ihrer Paradedisziplin die Selbstsicherheit verloren und muss nach fünf von zehn Saisonrennen feststellen, dass andere ihr den Rang ablaufen. Platz sieben steht für sie im Slalom bisher zu Buche, Sechste ist sie in der Gesamtwertung. Auch wenn man ihr kleinere Verletzungen und Erkältungen zugute hält droht der Winter 2011/2012 mehr und mehr ein verlorener Winter zu werden.

Maze und Kirchgasser dürfen jubeln

Stark schnitten die Schwedinnen ab. Youngster Emilie Wikstroem (7.) zeigte erneut ihr großes Potential - sie gehört mit der Amerikanerin Shiffrin zu den Slalom-Neuentdeckungen der Saison. Shiffrin fiel allerdings in Zagreb aus. Noch besser war Maria Pietilae-Holmner (Fünfte), Therese Borssen und Frida Hansdotter rundeten auf den Plätzen acht und elf die tolle Mannschaftsleistung ab. Tanja Poutiainen und Manuela Mölgg waren knapp am Podium dran, Michaela Kirchgasser schaffte als Dritte nach langer Zeit wieder den Sprung auf das Slalom-Podium. Dort landete auch erneut Tina Maze, die als 'best of the rest' der Dritten auch noch einmal knapp neun Zehntel abnahm. Kirchgasser schaffte es somit mit 2,27 Sekunden Rückstand auf das Stockerl.

In Zagreb dürften die Veranstalter bis zum Herren-Slalom mit Lokalmatador Ivica Kostelic noch alle Hände voll zu tun haben, um bei Plusgraden die Piste am Bärenberg binnen zwei Tagen weltcuptauglich zu präparieren. Am 5. Januar geht es dort erneut unter Flutlicht zur Sache. Die Damen starten am Wochenende in Bad Kleinkirchheim zu zwei Speedrennen.