Ivica Kostelic (KRO) hat seinen zweiten Slalom der Weltcup-Saison 2011/2012 gewonnen. Beim Nachtslalom im österreichischen Flachau setzte er sich in einem Hundertstel-Finale gegen Andre Myhrer (SWE) und Christian Deville (ITA) durch. Felix Neureuther aus Garmisch-Partenkirchen wurde knapp geschlagen und Vierter.

1. Lauf: Starker Schneefall, Österreicher nervös, Neureuther und Kostelic stark

Pünktlich um 15.30 Uhr eröffnete Andre Myhrer aus Schweden am kürzesten Tag des Jahres den ersten Lauf des Nachtslaloms auf dem taghell erleuchteten Slalomhang in Flachau. Ein Landsmann von ihm, der Schwede Larsson, hatte den rhythmischen Lauf gesetzt, der von den Besten voll auf Angriff gefahren werden sollte. Myhrer gab bei ordentlichem Schneefall gleich Vollgas, machte zwar am dritten Tor gleich einen groben Fehler, aber griff von oben bis unten an. Und das zahlte sich aus: Mario Matt (AUT) war mit 55,99 Sekunden 53 Hundertstel langsamer als der Schwede. Besser machte es mit Startnummer drei aber Manfred Mölgg (ITA), der stark unterwegs war, in den letzten Toren seinen Vorsprung aber fast noch verspielte. Am Ende setzte sich der Italiener eine Hundertstel vor Myhrer. Nicht in der überragenden Form des letzten Winters ist der Slalom-Weltmeister: Jean-Baptiste Grange reihte sich auf Rang drei ein, 41 Hundertstel zurück - am Ende war es immerhin noch Rang 7 im ersten Lauf.


Es folgten die stärksten Fahrer in Durchgang 1: Weltcup-Gesamtsieger Ivica Kostelic (KRO) legte ein fantastisches Rennen auf die Griessenkar-Piste, am Ende sollte er als Führender den Lauf beenden. Doch er lag nur knapp, und zwar 14 Hundertstel, vor dem ihm folgenden Christian Deville (ITA). Stark auch der Auftritt von Felix Neureuther, der sich nach verhaltenem Start in den Lauf kämpfte und als Sechster in den zweiten Durchgang einzog - eine knappe halbe Sekunde hinter Kostelic. Nicht gut unterwegs waren bei ihrem Heimrennen das Gros der Österreicher: Der Überflieger des bisherigen Winters 2011/2012 und Sieger des Slaloms in Alta Badia, Marcel Hirscher, fuhr nur auf Rang 13, die Mitfavoriten Reinfried Herbst und Mario Matt sollten als 15. und Neunter in Durchgang Nr. 2 gehen. Doch einer holte für die Ski-Nation die Kohlen aus dem Feuer: Manfred Pranger zauberte mit der nicht optimalen Startnummer 14 im oberen Teil, ging mit drei Zehnteln Vorsprung auf Kostelic in den stark drehenden Schlussteil, am Ende reichte es immerhin noch für Rang drei. Damit waren die Besten durch, doch es folgten noch einige Top-Leistungen in Lauf Nummer 1: Patrick Thaler (ITA) fuhr mit Nummer 25 auf Platz acht, der in hervorragender Form fahrende Deutsche Fritz Dopfer mit Startnummer 26 auf Platz 12 und der Norweger Lars Myhre mit der 45 auf einen guten Rang 16.

Finale: Dreier (AUT) setzt erste starke Bestmarke

Der zweite Lauf startete gleich mit einem Paukenschlag: Nach Trevor White (CAN), der den Lauf eröffnete und etwas verhalten fuhr, pulverisierte der Schweizer Markus Vogel seine Zeit um 2,36 Sekunden und setzte sich mit einer schnellen Laufzeit von 54,15 Sekunden an die Spitze. Doch schon kurz danach war es Christoph Dreier (AUT), der unter dem Jubel des österreichischen Publikums die neue Laufbestzeit (54,13 Sekunden) in den Schnee zauberte und sich nach vorne schob. Es deutete sich hier bereits an, dass es ein extrem schneller und aggressiv zu fahrender Slalom werden sollte.

Hargin (SWE) macht Plätze gut

Im ohne große Tücken gesteckten Kurs blieben bei zunehmenden Nebel im oberen Teil die Abstände im Ziel minimal und im Hundertstelbereich - und die Führung wechselte fast bei jedem Fahrer: Reto Schmidinger aus der Schweiz, Julien Cousineau aus Kanada und Mathias Hargin aus Schweden setzten sich jeweils nur knapp an die Spitze des Feldes. Hargin aber blieb einige Fahrer lang vorn, ließ unter anderem seinen Landsmann Baeck und den im ersten Lauf sehr starken Lars Myhre hinter sich. Es folgten die besten 15 aus dem ersten Lauf ...

Byggmark sensationell, Dopfer fällt etwas zurück

Vor heimischen Publikum zeigte sich endlich auch Reinfried Herbst wieder einmal von seiner besten Seite und übernahm mit 34 Hundertsteln Vorsprung und einem lauten Jubelschrei in den Flachauer Nachthimmel die Spitzenposition. Doch nach ihm zeigte gleich die nächste Fahrer, wie es noch besser geht: "Big Mac" Jens Byggmark sorgte mit einem Husarenritt für offene Münder bei den zahlreichen Zuschauern im Ziel - Führung mit 62 Hundertstel Vorsprung. Ähnlich schnell wie der Schwede war dann Marcel Hirscher (AUT) oben unterwegs, fädelte aber ein und schied zum Unmut der Zuschauer aus. Fritz Dopfer (GER) als nächster Fahrer zeigte erneut eine sichere und starke Fahrt, ließ aber die hier notwendige Aggressivität etwas vermissen und sah im Ziel Rang drei im Zwischenklassement auf der Leinwand aufleuchten - am Ende stand Rang 12 für ihn, wieder ein tolles Resultat für den 24-Jährigen aus Garmisch und ein Schritt zur ersten Startgruppe im Slalom.

Die Entscheidung in Flachau

Wie stark die Fahrt und die Laufzeit von 53,67 Sekunden des Schweden Byggmark war, zeigten die Leistungen der kommenden Fahrer: Missilier (FRA), Valencic (SLO) und auch Mario Matt (AUT) fielen zurück, erst der achtplatzierte Patrick Thaler aus dem starken italienischen Team ging an Byggmark vorbei. Dann Felix Neureuther: Oben mit einer Klassefahrt, kam er im Mittelteil an Thaler nicht ganz heran. Doch zwei Zehntel Vorsprung nahm der Deutsche mit in den Schlussteil - und hier fuhr er wie ein Schnellzug auf Schienen bis ins Ziel und setzte sich klar und deutlich vor den Italiener. Doch lange freuen konnte sich er nicht: Bereits Andre Myhrer ließ keine Zweifel an seiner Top-Form aufkommen, leistete sich von oben bis unten keine Schwächen und ging mit Laufbestzeit und 24 Hundertsteln Vorsprung in Front. Im Anschluss verfuhr sich Manfred Mölgg und schied aus, Manfred Pranger (AUT) blieb aufgrund einer etwas vorsichtigen Fahrt im oberen Teil hinter Myhrer und Neureuther zurück. Es folgte das Hundertstelfinale von Flachau: Christian Deville blieb mit einer guten Fahrt nur zwei Hundertstel hinter dem Schweden Myhrer, der Sieg aber ging nach Kroatien! Ivica Kostelic mit seiner gewohnt ruhigen, runden und schleichenden Fahrweise war über den gesamten Lauf knapp drei Zehntel vorne, am Ende ging es aber knapper aus, als er sich das wahrscheinlich gewünscht hatte. Sieben Hundertstel rettete Kostelic ins Ziel und feierte damit nach Bever Creek seinen zweiten Slalom-Sieg der Saison.

Kostelic übernimmt mit 245 Punkten nun die Führung im Slalom-Weltcup vor Christian Deville (180 Punkte), Felix Neureuther findet sich dort auf Rang fünf wieder. Das nächste Rennen der Herren ist eine Abfahrt in Bormio am 29.12. um 11:45 - alles dazu lest ihr dann hier auf Skiinfo.de.