© Alexis BOICHARD/AGENCE ZOOM
Lindsey Vonn hat in ihrem 'Wohnzimmer' Lake Louise ihre Konkurrentinnen alt aussehen lassen. Die Amerikanerin siegte in 1:53,19 Minuten und war damit volle 1,95 Sekunden schneller als die zweiplatzierte Tina Weirather aus Liechtenstein. Viktoria Rebensburg wurde Vierte hinter Dominique Gisin (SUI), Marie Höfl-Riesch belegte Rang neun.

Vonn - vor dem Rest der Welt

Es war eine Machtdemonstration in der Abfahrt. Während die weltbesten Abfahrerinnen auf der wenig selektiven Strecke in Kanada sich in Hundertstelabständen aufreihte, legte Vonn knappe zwei Sekunden Vorsprung vor und ist damit unbestritten auch in dieser Saison die Athletin, die es zu schlagen gilt. So weit voraus lag noch nie eine Abfahrtsläuferin in der Neuzeit des alpinen Skisports. "Sie ist eine Liga für sich", sagte Höfl-Riesch anerkennend. "Aber es ist klar, dass ich versuchen werde, zurückzuschlagen." Es dürfte neben ihr eine Reihe neue Herausforderinnen geben, denn mit Tina Weirather, die mit Startnummer 40 noch auf Platz zwei raste, mit Viktoria Rebensburg, die knapp ihr erstes Abfahrtspodium verpasste, mit Mariella Voglreither (AUT, 5.) oder Ilka Stuhec (SLO, 6.) gab es viele Überraschungen an der Spitze.

Gisin lange vorn

Im Training hatten viele Damen zu überzeugen gewusst. Marianne Kaufmann-Abderhalden aus der Schweiz konnte das im Training nicht bestätigen. Auf der mit vielen Gleitpassagen versehenen Piste in Lake Louise machten es Alice McKennis (USA), Lucia Recchia (ITA) und Dominique Gisin (SUI) besser: Die drei führten das Feld vor der besten Startgruppe an. Die als windanfällig geltende Strecke machte ihrem Ruf wieder Ehre, ohne dass die Verhältnisse aber ansatzweise irregulär gewesen wären.



Höfl-Riesch nicht mit perfekter Linie

Maria Höfl-Riesch war die erste der Abfahrts-Elite, die angreifen durfte. Und das sah auch zunächst sehr gut aus: Die Vorjahressiegerin hatte mit toller Haltung die Bestzeit drin, wählte aber im Fallaway eine extrem enge Linie, die sich als nicht schnell erweisen sollte. Im Schlussdrittel konnte sie Gisin und die Podiumsplätze nicht mehr einholen - es fehlte der Top-Speed. Mehr als Platz neun war somit nicht drin. Ähnlich erging es Lizz Görgl, auch sie fiel nach Zwischenbestzeit zurück - und wurde im engen Klassement auf Position 20 durchgereicht. Ganz knapp war es auch bei Lara Gut: Die Schweizerin hatte zu allen Zwischenbestzeiten Vorsprung - und lag nach dem letzten Gleitstück im Ziel sogar noch hinter Höfl-Riesch auf Rang elf zurück.

Entscheidung mit Vonn

Es blieb spannend, denn alle Top-Fahrerinnen griffen an und die Abstände waren sehr gering. Anja Pärson (17.) verlor beim Coaches Corner etwas den Grip und wurde weit von der Ideallinie abgetragen - ihre Chance war damit vertan. Gisin musste in der Leader Box aber bis Startnummer 22 warten, ehe die Top-Favoritin Lindsey Vonn eingriff. Dann folgte die Lehrstunde für die Konkurrenz: Lindsey Vonn war in allen Teilstücken spitze und nahm der Führenden bis ins Ziel satte 2,06 Sekunden ab - eine Demonstration der Klasse und eine herbe Niederlage für ihre Gegnerinnen. Mit dieser Zeit war die Frage um den Sieg entschieden. "Ich war oben am Start und habe mir gedacht: Okay, ich werde alles geben. Im Moment ist bei allem, was in meinem Leben passiert, Skifahren das, was funktioniert", sagte Vonn in Anspielung auf die Trennung von ihrem Ehemann Thomas: "Es war ein Traum für mich, es könnte nicht besser sein. Ich genieße jeden Sieg, jeden Podestplatz." Es war Vonns 43. Weltcupsieg. Das Podium hinter ihr sollte noch ordentlich durchgerüttelt werden.

Rebensburg fast auf dem Podest, Weirather überrascht

Mit Startnummer 28 griff Viktoria Rebensburg ein und knüpfte an die starke Form in den Trainings an. Als Dritte fuhr sie ins Ziel und durfte somit auf das erste Abfahrtspodium hoffen. Wenig später schoben sich, auch weil die Sichtverhältnisse nach Startnummer 30 sich besserten, Mariella Voglreither und Ilka Stuhec knapp hinter sie. Doch Tina Weirather stellte das Ergebnis mit ihrer Fahrt auf Platz zwei noch einmal auf den Kopf. Die dritte DSV Starterin Veronique Hronek kam auf Platz 51.

In Lake Louise stehen nun noch zwei Speedrennen an, ehe die Damen mit einem Riesenslalom in Beaver Creek die Nordamerikatour beenden.