Man muss mit einem Skiweltcup-Star nicht immer über Rennen und Wettkämpfe sprechen. Die Initiative "Sicher im Schnee" hat Viktoria Rebensburg über Risiko, Unfallvermeidung und Sicherheit auf der Piste ausgefragt. Die Olympiasiegerin gab dabei viele Tipps für Neulinge, Wiedereinsteiger und Skiurlauber, die bald wieder auf die Piste wollen.

Frage: Frau Rebensburg, Sie engagieren sich für die Initiative "Sicher im Schnee". Warum liegt Ihnen das Thema Sicherheit im Wintersport so am Herzen?
Viktoria Rebensburg: Sicherheit steht sowohl für Hobbyskifahrer als auch für uns Leistungssportler an oberster Stelle. Die Risikobereitschaft beim Sport darf nie so weit gehen, dass die eigene Gesundheit gefährdet wird.

Frage: Als Rennfahrerin müssen Sie bei Wettkämpfen ein sehr hohes Risiko eingehen. Wie gehen Sie privat auf die Piste - unterscheidet sich Ihr Sicherheitsdenken?
Viktoria Rebensburg: Ja natürlich. Beides kann man nicht vergleichen. Im Weltcup werden sämtliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um uns Athleten bestmöglich zu schützen. Im Rennen muss man etwas riskieren, wenn man gewinnen will. Wenn ich tatsächlich mal privat auf der Piste bin, will ich Spaß und Freude haben, dabei achte ich aber natürlich auch aufmerksam auf die anderen Pistenteilnehmer.

Frage: Was ist auf der Piste wichtig, um sich und andere vor Unfällen zu schützen?
Viktoria Rebensburg: Wichtig ist es, dass man seine eigenen Grenzen kennt und nur so den Hang herunterfährt, dass man auch im Falle von unerwarteten Ereignissen - zum Beispiel wenn jemand stürzt - noch rechtzeitig reagieren kann. Auch sollte man lieber mal einen weiten Bogen fahren, wenn ein Skifahrer unkontrolliert die Piste runterrauscht. Selbst sollte der Fahrstil so gewählt werden, dass man jederzeit auf die Fehler der anderen reagieren kann.


Frage: Was ist aus Sicherheitsgründen das wichtigste Teil Ihrer Ausrüstung?
Viktoria Rebensburg: Ganz klar der Helm meines Ausrüsters Uvex. Der Kopf sollte immer geschützt sein.

Frage: Mit drei Jahren standen Sie das erste Mal auf Skiern. Frau Rebensburg, haben Sie einen guten Tipp für Eltern, die mit ihren Kinder das erste Mal auf die Piste gehen?
Viktoria Rebensburg: Sie sollen einfach Spaß haben. Kinder lernen viel schneller Dinge, die ihnen auch Freude bereiten. Grundsätzlich sollte man mit leichten Abfahrten beginnen, um die Kinder nicht zu überfordern. Auch bietet es sich an, die extra für die Kids bestimmten Lifte und Abfahrten zu nutzen, weil man so dem großen Rummel und Gedränge aus dem Weg gehen kann.

Frage: Sie trainieren das ganze Jahr und halten sich fit. Haben Sie einen Profi-Tipp, wie sich Gelegenheitswintersportler vor der ersten Abfahrt vorbereiten können?
Viktoria Rebensburg: Die körperliche Fitness ist ein entscheidender Faktor im Skisport. Wintersportler werden bekannter Weise im Sommer gemacht (lacht). Gelegenheitssportlern empfehle ich, sich nur auf Ski zu stellen, wenn sie sich körperlich auch fit genug fühlen, denn dadurch wird das Verletzungsrisiko erheblich verringert. Vor der ersten Abfahrt ein paar Aufwärmübungen können auch nicht schaden, um die Muskulatur an die Bewegung zu gewöhnen.

Frage: Es gibt immer mehr Menschen, die nach einer längeren Pause vom Wintersport wieder einsteigen wollen. Was raten Sie denen?
Viktoria Rebensburg: Das ist je nach dem Leistungsstand unterschiedlich. Ich glaube, wenn jemand im Kindesalter sehr oft Skigefahren ist und auch danach noch regelmäßig Sport treibt, dann ist das Gefühl für den Ski und die Geschwindigkeit schnell wieder da. Für Gelegenheitsfahrer ist es dagegen empfehlenswert, erst vermeintlich einfachere Abfahrten zu wählen und auch rechtzeitig aufzuhören, wenn die Kraft in den Beinen nachlässt. Viele Stürze und Verletzungen passieren nachmittags und resultieren aus Kraftmangel. Eine Mittagspause oder eine heiße Schokolade auf der Sonnenterrasse können die Energiespeicher wieder auffüllen.

Frage: Immer mehr Pisten werden künstlich beschneit. Ist das positiv oder negativ für die Sicherheit?
Viktoria Rebensburg: In meinen Augen ist das kein großer Unterschied. Der Kunstschnee ist etwas griffiger. Gefährlich kann es sein, wenn Natur- und Kunstschnee wechselt, weil man sich dann sehr schwer auf die Bedingungen einstellen kann.

Frage: Was kann ein Freizeitfahrer von einem Rennfahrer lernen?
Viktoria Rebensburg: Dass man auch bei schlechtem Wetter einen super Skitag erleben kann (lacht).

Linktipps:
www.sicher-im-schnee.de
www.viktoria-rebensburg.com/