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Deutschland hat erstmals seit der Premiere bei der WM 2005 den alpinen Nationenwettkampf gewonnen. Bei strahlendem Sonnenschein in Lenzerheide sorgte das Team um Maria Riesch, Viktoria Rebensburg, Felix Neureuther und Fritz Dopfer für einen perfekten Saisonausstand. Die DSV-Truppe gewann ihre Duelle gegen Weltmeister Frankreich, Top-Favorit Österreich und im Finale die starken Italiener. Dritter wurde das Team aus Österreich.

Strahlende Deutsche
Am Ende strahlten die Deutschen in Lenzerheide mit der Sonne um die Wette. "Das war schön, das hat schon bei der WM richtig Spaß gemacht. Da war's schade, dass unsere guten Mädels nicht dabei waren. Hier aber schon", bilanzierte Felix Neureuther, der zwei seiner drei Duelle gewann. Einzig Fritz Dopfer verlor seine Läufe jeweils. "Ich muss mich bei Felix, Maria und Viktoria bedanken, weil die alles rausgerissen haben", so Dopfer. Für Riesch und Rebensburg, die gestern beide kampflos ihre Kristallkugeln entgegen genommen hatten, war es der perfekte Abschluss des Wettkampfwinters: "Ich bin mit der Saison sehr zufrieden, das war ein super Abschluss für uns", freute sich Viky Rebensburg. "Wir freuen uns jetzt alle auf eine ruhigere Zeit und können uns dann neue Ziele setzen." Und auch Maria Riesch hatte sichtlich Spaß: "Es ist mal ganz schön, Rennen fahren zu können, ohne das es um etwas geht, außer der Ehre. Deshalb sind wir ja auch in voller Stärke hier angetreten."

Gute Besetzung
Der Nations Team Event zum Saisonende wies in Lenzerheide eine gute Teilnahmequote auf: Nicht nur meldeten neun Nationen eine Mannschaft an (bei der WM waren es elf gewesen), die gemeldeten Fahrer waren definitiv keine B-Besetzung. Riesch, Rebensburg, Janka, Görgl, Worley, Fanara, Richard - die großen Namen waren vielfach an Bord. Nur die USA mit den Stars Ligety und Vonn hatten abgesagt - wie auch die Slowakei, die keine Fahrer beim Finale hatte. Auch Norwegen und Finnland fehlten wie schon in Garmisch-Partenkirchen. Alle anderen Länder scheinen diese Wettkampfform ernst zu nehmen. Entsprechend entspann sich erneut ein sehr unterhaltsamer Wettkampf.



Österreich wackelt früh
Die erste Überraschung bahnte sich direkt im ersten Viertelfinale: Österreich lag gegen Tschechien schnell 0:2 zurück, Lizz Görgl und Philipp Schörghofer gelang es jedoch, den Halbfinaleinzug für den Top-Favoriten noch sicherzustellen. Ähnlich eng war es beim Zweikampf der Schweden gegen die Italiener: Schweden legte auf der schnelleren blauen Bahn mit 2:0 vor, doch Italien schaffte noch den Ausgleich und war nach den zwei schnellsten Zeiten am Ende Sieger. Carlo Jankas Erfolg auf der roten Bahn ebnete den Schweizern einen souveränen 3:1 Erfolg gegen die Kanadier - frenetisch gefeiert von den heimischen Fans.

Deutschland schlägt den Weltmeister
Spannend wurde es auch bei der Wiederauflage des WM-Duells Deutschland gegen Frankreich. Der DSV hatte diesmal die Stars Viktoria Rebensburg und Maria Riesch an Bord. Rebensburg gegen Worley hieß das erste Duell - Worley entschied den Zweikampf der besten Riesenslalomfahrerinnen des Jahres am Start gegen sich, als sie am Tor hängen blieb. Felix Neureuther setzte sich dank des explosiveren Starts gegen Cyprien Richard durch. Als Maria Riesch auch gegen Taina Barioz souverän gewann, war der Weltmeister bereits besiegt. Am Ende hieß es 3:1, da Thomas Fanara gegen Fritz Dopfer noch punkten konnte.

Hundertstelentscheidung für Deutschland gegen Österreich
Im Halbfinale bekam es Deutschland mit Österreich und Rebensburg mit Elisabeth Görgl zu tun. Die Deutsche gewann auf der blauen Linie. Felix Neureuther hatte gegen Romed Baumann zwar Vorteile beim Start, verlor seine Führung aber - 1:1. Maria Riesch musste nun gegen Michaela Kirchgasser vorlegen und gewann knapp. Schwer hatte es Fritz Dopfer im letzten Duell gegen Hannes Reichelt. Der Deutsche stürzte fast, der Ausgleich war für den Österreicher reine Formsache. Durch die guten Damenzeiten kam aber Deutschland ins Finale, 0,07 Sekunden lag das DSV-Team vorn.

Jankas Patzer kostet die Schweiz das Finale
Den zweiten Finalplatz machten die Italiener und Schweizer unter sich aus. Denise Karbon und Manfred Mölgg nutzten mit starken Fahrten den Vorteil der blauen Piste, Fabienne Suter machte das zweite Halbfinale wieder spannend. Janka führte schnell, hatte aber einen Bremser im Lauf und holte zwar den zweiten Punkt - über die Zeit kam aber Italien weiter.

Österreich schlägt die Schweiz deutlich
Schweiz gegen Österreich - das große Duell der Nationen im Skisport gab es nur im kleinen Finale. Michaela Kirchgasser hatte auf der roten Bahn eigentlich das 1:0 fast sicher, doch ein Fehler kurz vor dem Ziel brachte Fabienne Suter noch nach vorne. Romed Baumann war erneut sehr schnell und holte wie gegen Deutschland seinen Punkt auf der schwierigeren Seite der Piste. Elisabeth Görgl kochte dann Wendy Holdener ab. Marc Gini musste also gewinnen - blieb aber schon am Startgate hängen. Philipp Schörghofer fuhr den dritten Punkt damit sicher nach Hause und damit Platz drei für Österreich. Die Gastgeber mussten sich mit Platz vier begnügen.

Deutscher Jubel nach Finalsieg
Das Finale begann Viktoria Rebensburg alleine: Da Giulia Gianesini noch nicht am Start war, startete die Deutsche zu früh und allein und wurde von einem lachenden Renndirektor Günter Hujara zurückgewunken. Nach ein paar Steigschritten war der Riesenslalom-Champ wieder am Startgate und auch die Italienerin mit von der Partie. Gianesini lieferte Rebensburg einen engen Kampf, fuhr aber knapp in Führung liegend zwei Tore vor dem Ziel am Tor vorbei - 1:0 Deutschland. Felix Neureuther startete besser als Manfred Mölgg und sorgte für das 2:0. Maria Riesch musste auf roter Bahn gegen die starke Denise Karbon antreten. Doch Riesch war in diesem Lauf nicht aufzuhalten: Locker und auf Zug hängte die Gesamtweltcupgewinnerin Karbon ab und fuhr das 3:0 und damit den Sieg ein. Für Fritz Dopfer ging es also um nichts mehr - Cristian Deville durfte den 3:1 Ehrenpunkt erzielen. Danach durfte gefeiert werden. Die Wintersaison hätte aus Sicht des DSV jedenfalls besser nicht enden können.