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In Lenzerheide hat sich der Kampf um die große Kristallkugel dramatisch zugespitzt: Im letzten Slalom zog Maria Riesch dank eines vierten Platzes wieder an Lindsey Vonn vorbei - allerdings nur um drei Punkte. Das Rennen auf schwierigen Untergrund gewann Tina Maze vor Marlies Schild und Veronika Zuzulova.

Riesch wackelt, aber fällt nicht
Alles ist möglich für Maria Riesch - das ist das Fazit nach dem Slalom von Lenzerheide. Nach einem sehr guten ersten Lauf startete die Deutsche im Finale stark, musste dann aber den Bedingungen Tribut zollen. Zwei Fehler kosteten den zweiten Platz, um zwei Hundertstel verpasste sie auch Zuzulovas Zeit und belegte Rang vier - das brachte 50 Punkte ein und damit die neuerliche Weltcupführung.

Vonn kommt durch
Teil eins der Entscheidung fand etwas früher statt: Lindsey Vonn, 14. des ersten Laufs, mühte sich sichtlich, verlor aber nach den ersten Toren den Rhythmus und musste kämpfen, um im Rennen zu bleiben. Platz zwei leuchtete vorläufig auf. Ihr Lauf war kein Durchbruch - aber sicherte ihr als 13. 20 wichtige Punkte. Erst nach Riesch Fahrt war klar, dass das nicht reichen sollte um die Führung in der Gesamtwertung zu halten. Nun hängt alles vom abschließenden Riesenslalom ab, wenn es denn einen geben sollte. Denn die Wetterbedingungen lassen einen Tag zuvor kaum Schlüsse zu.

Vonn: "Leider war ich zu langsam"
Vonn grämte sich entsprechend, denn Tina Mazes Triumph war Beleg genug, dass sie nicht an den Pistenverhältnissen gescheitert war - das US-Girl war direkt nach Maze in das Rennen gegangen: "Es ist schon spannend. Die Tina ist wahnsinnig gefahren von Nummer 15, leider war ich zu langsam. ich kann nur hoffen, dass wir morgen ein Rennen haben. Dann muss ich morgen schneller als Maria fahren." Und zu ihrer Konkurrentin fügte sie hinzu: "Wir haben beide seit Jahren gekämpft um die Kugel Wir werden morgen ein Rennen gegeneinander fahren und danach werden wir wieder Freundinnen sein."

Riesch: "Es gibt nichts zu verteidigen"
Maria Riesch konnte aufatmen - nach einigen völlig verkorksten Rennen war dieser Slalom wieder ein Stück Normalität: "Ich war Gott sei Dank ein bisschen lockerer heute - das ist Tagesform. Der erste Lauf war super, der zweite war schwer zu fahren", erklärte sie. "Ich bin schon zufrieden mit dem vierten Platz. Jetzt, so eng wie es hergeht, ist der Vorsprung ganz egal. Bei drei Punkten gibt es nichts zu verteidigen. Da muss man alles riskieren - und ich glaube, das werden wir beide morgen machen." Es winkt also ein echter Finalkrimi. nach über 30 Rennen trennen beide Topfahrerinnen bei 1728 Punkten gerade mal drei Zähler, das sind 0,17 Prozent oder ein 28. Platz - Wahnsinn.



Maze stark, Schild zu verhalten
Im Kampf um den Tagessieg legten Michaela Kirchgasser und Veronika Zuzulova zunächst die besten Laufzeiten vor und durften dann zuschauen, wie selbst erfahrene Top-Pilotinnen wie Tanja Poutiainen an dem zerfahrenen Hang weit zurückfielen. Christina Geiger, Kathrin Zettel und auch Maria Pietilae Holmner brachten immer mehr Vorsprung mit und scheiterten knapp. Erst Tina Maze rauschte mit einem zweiten tollen Lauf ungestüm an die Spitze und sollte dort bleiben. Nach ihr vergaben zunächst Riesch und dann sogar Marlies Schild ihren Vorsprung. Die Fahrt der als Slalom-Champ bereits feststehenden Österreicherin war zu verhalten. 0,05 Sekunden fehlten im Ziel und veranlassten Maze zu spontanen Jubelausbrüchen.

Christina Geiger und Susanne Riesch in den Top Ten
Aus deutscher Sicht war der letzte Slalom ein kleiner Schritt zurück zu alter Leistungsstärke. Fanny Chmelar verbesserte sich im zweiten Lauf auf Rang 15. Katharina Dürr hatte große Probleme und fiel auf Rang 27 zurück. Susanne Riesch büßte auf dem immer schwieriger werdenden Hang drei Plätze ein, hat als Zehnte aber wieder ein Ergebnis stehen und Christina Geiger zog mit entschlossenen Schwüngen ihre Fahrt auf Rang sieben durch. Die Plätze vier, sieben, zehn und 15 also für den DSV brachten Punkte, das ist kein schlechter Ausklang einer durchwachsenen Slalom-Saison. Der Endstand im Disziplinen-Weltcup interessierte da nur am Rande: Schild (680) gewann klar vor Poutiainen (511) und Riesch (470).

Nun hängt alles vom Riesenslalom am 19. März ab - wir berichten im Liveticker von der Entscheidung.