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Maria Riesch riss die Arme hoch, Lindsey Vonn applaudierte anerkennend. Der Deutschen war in Are das Kunststück gelungen, das lange als fast unmöglich erschien: Sie hatte Vonn in einem Super-G geschlagen, obwohl die Amerikanerin gut durchgekommen war. Am Ende war es nur eine Winzigkeit von 0,01 Sekunden, die die beiden Dominatorinnen im Weltcup trennte. Doch das Ergebnis hatte tiefe symbolische Wirkung.

Vonn auf dem Weg zum Sieg
Denn eigentlich war alles gelaufen wie immer. Zuerst versuchte sich die internationale Spitze am Kurs in Schweden, Nicole Hosp (Vierte) und Dominique Gisin (Sechste) machten es aus der ersten Startgruppe am besten und legten gute Zeiten vor. Dann kam Vonn und zerschlug die bisherige Bestmarke. Die rund acht Zehntel, die sie wieder einmal noch auf der Strecke fand, waren der Aufschlag, den ihre Extraklasse ausmacht - alles schien parat für den 41. Weltcupsieg.

Riesch kontert und gewinnt
Doch im Moment gibt es eine, die noch stärker ist und sich auch im Speed auf das Niveau der Amerikanerin hieven kann. Maria Riesch hatte zwar rund drei Jahre lang keinen Super-G mehr gewonnen, in Are passte aber alles, Angriffslustig und mit vollem Risiko zog sie unbeirrbar ihren Kurs durch und kam mit einer leichten Führung in den Schlussabschnitt. Dort wurde es dann richtig spannend: Ein kleiner Fehler der Deutschen ließ den Vorsprung schmelzen, am Ende aber reichte es. Es war der sechste Saisonsieg für Riesch, die nun in dieser Saison bereits in vier von fünf Disziplinen ganz oben stand. Nur im Riesenslalom fehlt ihr noch der Erfolg.



Die Chancen steigen
"Ich habe mich ganz gut gefühlt auf der Strecke, ich habe alles super erwischt. Im Ziel hab ich nur gesehen, dass es grün ist. Dass es nur eine Hundertstel war, ist Glück, aber ich habe auch schon Pech gehabt", fasste Riesch ihr Rennen zusammen. "Die Hoffnung auf den Gesamtweltcup ist sehr groß. Das ist für mich ein super Wochenende gewesene, ich habe die Lindsey zweimal schlagen können. Dass hatte ich mir so nicht erwartet. Es ist jetzt noch ein Speed-Wochenende. Wenn ich da noch etwas gut machen kann oder nicht zuviel verliere, dann steigen die Chancen von Rennen zu Rennen."

196 Punkte
Die Speedrennen in Are waren wohl Vonns letzte große Hoffnung, Riesch im Gesamtweltcup noch abzufangen. Nun hat sie auf die Deutsche sogar noch Punkte verloren. Nach außen hin wollte sie die große Kugel noch nicht abschreiben, auch wenn ihre Körpersprache immer öfter eine andere Sprache spricht. "Ich habe einen guten Lauf gehabt. Bei einer Hundertstel tut es immer weh. So ist das, ich muss jetzt auf die nächsten Rennen schauen. Meine Chancen auf den Gesamtweltcup sind nicht groß momentan, aber ich werde wie immer alles geben," sagte die Amerikanerin und fügte trotzig hinzu: "Alles ist noch möglich, man muss immer positiv bleiben." 196 Punkte muss sie dafür auf Riesch in neun Rennen aufholen.

Rebensburg 13.
Die Bestzeit Rieschs konnte keine mehr knacken. Julia Mancuso preschte noch auf Rang drei nach vorn. Lara Gut sorgte als Fünfte für das beste Resultat aus Sicht der Schweizerinnen. Bereits vorher hatte Viktoria Rebensburg mit einer ordentlichen Fahrt ihren Aufwärtstrend im Speed-Bereich fortgesetzt, sie wurde 13. Im Disziplinen-Weltcup bleibt Vonn unangefochten in Führung: Vonn liegt mit 460 Zählern vor Riesch (329) und Gut (250).

Pärsons trauriger Abschluss
Mitten in der Fahrt, mit Zwischenbestzeit unterwegs, brach Anja Pärson das Rennen ab. Die Lokalmatadorin hatte mit ihren Trainingsbestzeiten die Hoffnung auf Heimsiege geweckt und beendete ihr Heim-Gastspiel offenbar mir einer Knieverletzung: Ein Super-GAU für die Topfahrerin. Bei einem Linksschwung hatte sie zu viel Rücklage bekommen, das Knie schmerzte ganz offensichtlich in der nächsten Belastungsprobe - Grund genug zum Abschwingen für die Schwedin. Eine Diagnose steht noch aus.

Eine Saison mit Potenzial
Für Riesch wird das Wochenende als Schlüsselerlebnis für eine rekordverdächtige Saison in Erinnerung bleiben. Die Punktebestmarke von 1970 Zählern dürfte in den letzten neuen Rennen bei aktuell 1516 Punkten schwierig zu knacken sein. Ein Sieg im Riesenslalom würde Riesch in den elitären Kreis derer Skifahrerinnen bringen, die alle Disziplinen in einer Saison gewinnen konnten. Die Chancen sind da ...