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Der beste Riesenslalomfahrer dieser Saison hat im Finale der WM das Rennen zu seinen Gunsten umgebogen. Ted Ligety aus den USA gewann in 2:10,56 Minuten hauchdünn vor Cyprien Richard (+0,08 s) und Philipp Schörghofer (+0,43 s). Bester Deutscher wurde Fritz Dopfer auf Rang 15.

Schwerer Hang, viele Fehler
Der Lauf im Finale war viel drehender gesteckt worden, zudem wurde die Kandahar immer ruppiger und brachte viele Athleten in Schwierigkeiten. Alle Topfahrer hatten ihre Probleme, so auch der Sieger. "Die Piste war sehr schwierig unter diesen Bedingungen. Es war extrem spannend bis zum Schluss. Ich dachte schon, ich hätte es verloren, aber die anderen haben noch mehr Probleme gehabt", schilderte Ligety seine Stimmungslage.

Miller fährt Laufbestzeit
Marc Berthod sorgte für die erste gute Laufzeit des finalen Durchgangs, allerdings blieb der Schweizer nicht ohne Fehler. So gelang Bode Miller noch eine deutlich stärkere Zeit, obwohl er auf den letzten Metern aufmachen musste und fast aufrecht ins Ziel fuhr. Dennoch sollte Millers Zeit die schnellste dieses Durchgangs bleiben, auch weil die Kandahar nachgab. Platz zwölf wurde es im letzten Auftritt der WM für den Amerikaner.

Fanara verbessert sich auf Platz sechs
Bei den engen Zeitabständen machte Miller Platz um Platz gut bis Romed Baumann kam. Der Österreicher verlor zwar oben, unten aber carvte er mit sehr viel Zug und übernahm die Spitze. Marcus Sandell aus Finnland schaffte es im Anschluss, elf Hundertstel seines Vorsprungs gegen Baumann zu behaupten. Erst Thomas Fanara löste dann den Schweden an der Spitze ab.



Richard überzeugt
Dann begann der Kampf um die Medaillen. Kjetil Jansrud setzte sich hauchdünn an die Spitze des Feldes, ehe die besten Acht des ersten Laufs ins Geschehen eingriffen. Gauthier de Tessieres verpasste seine Chance zum Ende des Kurses. Cyprien Richard wackelte oben, nahm aber viel Schwung mit aus dem Steilhang und setzte das unten kämpferisch um - sein Lauf war eine Bewerbung um eine Medaille und sollte mit Silber belohnt werden.

Ligety knackt die Bestzeit
Auch Carlo Janka griff an, ließ aber im Steilhang viel Kraft, seine aggressive Linie zog ihm im Schlussstück den Zahn. Die Medaillenhoffnungen der Schweizer zerstoben dann beim Lauf von Didier Cuche, der mit einigen Fehlern früh zurückfiel und sich im Ziel ärgerte. Ganz anders Ted Ligety - er reckte seinen Arm in die Luft im Ziel, dabei hatte er die Bestzeit nur ganz knapp geknackt. Auch er hatte viel Zeit im Flachstück liegen gelassen. Für ihn begann jetzt die bange Zeit des Wartens.

Kostelic schwach, Schörghofer mutig
Mit jedem Fahrer, der zurückfiel, kletterte Ligetys Stimmung im Ziel. Ivica Kostelic fuhr verhalten, zu weit weg von den Toren und verlor fast 1,5 Sekunden. Philipp Schörghofer war Österreichs einziger Trumpf, für ihn hatte sein Coach den stark drehenden Lauf gesetzt. Doch in den ersten Toren war er nicht ganz im Rhythmus, verlor seinen Vorsprung und kam nur als Dritter ins Ziel - als Aksel Lund Svindal noch oben stand. Auch Schörghofer musste zittern.

Svindal carvt zum Blech
Svindal hatte es nun in der Hand, aber er hatte auch mit den ruppiger werdenden Piste zu kämpfen. Mehrfach verhakte sein Ski und driftete weg, es war keine perfekte Fahrt. Die Medaillenentscheidung blieb spannend bis zur Zieldurchfahrt. Dort leuchtete Platz vier auf - um sechs hundertstel hatte der Norweger Bronze verpasst, Philipp Schörghofer blieb auf dem Stockerl.

Luitz im Pech: Ein Fehler kostet ein Top-Ergebnis
Die Deutschen hatten mit der Medaillenvergabe erwartungsgemäß nichts zu tun, zwei von ihnen sorgten aber für gute Laune im DSV-Team. Stefan Luitz haderte mit sich: nach dem exzellenten ersten Lauf war er auch im Finale ganz schnell - bis es ihn nach dem Freien Fall zu weit hinaus trieb. Einige Schwünge musste er korrigieren und war dann vor dem Flachstück ohne den nötigen Schwung. Dennoch war es eine insgesamt gute Vorstellung des Newcomers, der alles versuchte und seinen Einsatz rechtfertigte. "Am Anfang war ich schon ein bisschen enttäuscht", verriet Luitz, "habe aber dann die Stimmung hier mitgenommen und jetzt geht's. Das war eine tolle Erfahrung!"

Dopfer bester Deutscher
Auch bei Fritz Dopfer lief nicht alles perfekt. Dopfer fand im Steilstück eine gute Linie, verlor aber in den letzten Toren und konnte sich damit nicht an die zwischenzeitliche Spitze setzen. Für Dopfer war der WM-Auftritt aber auch ein positives Erlebnis: Besser als 16. war er zuvor im Riesenslalom nicht gewesen. Bei der WM war es Rang 15. Sein Urteil fiel dennoch zwiegespalten aus: "Wenn man im ersten Durchgang 13. ist, wünscht man sich schon mehr. Aber es ist Platz 15, das ist ein weiterer Schritt nach vorne und in Ordnung." Wohl mehr für die Zuschauer als für sich selbst trat auch Felix Neureuther nach seinem groben Patzer im ersten Lauf noch einmal an, kam aber über Platz 34 nicht hinaus. Er wird sich im abschließenden Slalom auf 'seinem' Gudiberg andres präsentieren wollen. Das letzte Herrenrennen der WM steht am Sonntag, dem 20. Februar an.