Tanja Poutiainen ist für ihre Nation Finnland die Hoffnungsträgerin in den technischen Disziplinen wie dem Slalom und dem Riesenslalom. Was sie sich selbst von der WM erhofft und wie sie sich darauf vorbereitet hat, lest ihr hier.

Frage: "Es sind noch zwei Tage bis zu deinem ersten Bewerb hier bei der Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen. Wie geht es dir?"
Tanja Poutiainen: "Gut, danke. Ich bin sicher, dass es bald sehr viel los sein wird. Ich bin erst am Montag angereist, bisher ist es also noch ruhig. Außerdem bin ich recht ausgeglichen, wir hatten gute Trainingstage in Italien, nahe Bozen."

Frage: "Wie war die Vorbereitung dort?"
Tanja Poutiainen: "Wir waren das einzige Team vor Ort und hatten daher beste Bedingungen. So konnten wir trainieren was und wie wir wollten. Das ist ein idealer Ort um sich auf die WM vorzubereiten. Denn ich weiß, dass hier in Garmisch sehr viel auf mich zukommt. Ich bin ausgeruht, fühle mich gut. Also von mir aus kann es losgehen!"

Frage: "Warst du nach den Rennen in Zwiesel noch einige Tage zuhause in Finnland?"
Tanja Poutiainen: "Ja, nach Zwiesel flog ich für drei Tage nach Hause. Nur um zu relaxen. All die Verschiebungen in Zwiesel und das viele Warten machte mich sehr müde. Als ich zuhaus ankam, musste ich mich einfach mal ausruhen. Ich schlief mich richtig aus, neun bis zehn Stunden jeden Tag. Das brachte mir die Energie wieder zurück."

Frage: "Macht dich die andauernde Saison bereits müde?"
Tanja Poutiainen: "Nein, tatsächlich hatte ich bisher eine gute Saison. Sogar eine der besten in meiner Karriere. Also bin ich sehr aufgeregt und ganz und gar nicht müde. Normalerweise wird eine ganze Saison sehr lange. Oftmals habe ich im Januar einen Durchhänger. Nicht in dieser Saison. Alles ist so aufregend. Neue Ski die so großartig sind, ich bin richtig happy mit meinen Fischer Skiern. Das Material funktioniert so gut und die Zusammenarbeit passt perfekt. Und auch meine neuen Coaches sind großartig. Ich kann mich nur wiederholen: Ich bin total aufgeregt."

Frage: "Was erwartest du dir von der Weltmeisterschaft?"
Tanja Poutiainen: "Ich habe ein Ziel und das ist eine Goldmedaille. Das ist es, was mir fehlt in meiner Medaillensammlung. Das muss also mein Ziel sein. Aber ich denke in erster Linie nicht an diese Medaille. Erst kommt das Skifahren, darauf versuche ich mich zu fokussieren. Der Gedanke an eine Medaille sollte nicht überhand nehmen. Ab jetzt gehe ich auf die Pisten und versuche einfach das zu machen was ich am besten kann: Skifahren. Ich habe nichts zu verlieren. Ich kann nur gewinnen."


Frage: "Wie schaffst du es, den Gedanken und die Hoffnung auf den Erfolg auszublenden?"
Tanja Poutiainen: "Das ist unter anderem Teamwork. Ich muss mich innerhalb meines Teams wohlfühlen, bei meinen Trainern, meinem Servicemann und der Physiotherapeutin. Natürlich brauche ich auch etwas Druck. Nervös zu sein ist ok, aber natürlich nicht zu sehr. Und das erwarte ich auch von meinem Team. Es wird wahrscheinlich nicht einfach. Aber ich sehe die WM als Chance, als Herausforderung."

Frage: "Bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften erzieltest du jeweils dieselbe Platzierung in Riesenslalom und Slalom. Das war zweimal Silber in Bormio, zweimal Bronze in Val d’Isère und zweimal Platz 14 in Are. Wenn du die Wahl hättest, wie würdest du dich entscheiden, für zweimal Silber, oder einmal Gold?"
Tanja Poutiainen: "Vermutlich für die Goldene, die fehlt mir ja noch. Aber wie gesagt, erst muss ich Skifahren, dann sehen wir was rauskommt."

Frage: "Siehst du deine größere Chance auf einen Erfolg im Slalom?"
Tanja Poutiainen: "Nicht nur. Ich denke, ich habe gute Chancen in beiden Disziplinen, Slalom und Riesenslalom. Aus der Distanz betrachtet könnte man natürlich denken, meine Möglichkeiten im Slalom seien die Besseren. Aber ich weiß, ich fahre gut im Riesenslalom. Ich fühle mich gut mit dem Material. Bisher war die Zeit für mich einfach noch nicht reif. Aber wer weiß, vielleicht ist sie das gerade jetzt? Ich bin sicher, dass meine Chancen gut stehen."

Frage: "Du bist derzeit die konstanteste Skirennläuferin im Weltcup. Riskierst du bei den Rennen zu wenig?"
Tanja Poutiainen: "Es gibt immer ein Risiko beim Skifahren. Aber es ist nun mal meine Art so Ski zu fahren - konstant. Ich denke, wenn ich in ein Rennen gehe und zu mir selbst sagst: Okay, jetzt riskierst du mehr, dann passiert es wahrscheinlich, dass ich auf mein gutes Skifahren, meine Technik vergesse. Wahrscheinlich würde ich viel schlechter fahren als ich es kann. Ich versuche immer ans Limit zu gehen. Zurzeit bin ich einfach so selbstsicher und ausgeglichen, sodass ich wirklich gut und konstant bin."

Frage: "Was ist das Geheimnis deines Erfolges?"
Tanja Poutiainen: "Eine ausgezeichnete Trainingssaison. Und viele Jahre, die bereits hinter mir liegen. Ich hab viel Erfahrung, außerdem blieb ich bisher mehr oder weniger immer gesund und von Verletzungen verschont. Ich achte sehr auf mein Fitnesstraining im Sommer, versuche immer, etwas zu verbessern. Denn was einmal funktioniert, funktioniert nicht automatisch jedesmal. Also arbeite ich auch nach vielen Jahren immer noch hart an mir. Das ist wird wahrscheinlich der Schlüssel sein."

Frage: "Magst du Garmisch?"
Tanja Poutiainen: "Ja! Und ich hoffe, noch mehr nach dieser Woche!"