© OK GAP 2011 - Christian Stadler
Seit rund einer Woche ist WM in Garmisch. Die gute Nachricht vorweg: Bislang konnten alle sportlichen Wettbewerbe planmäßig durchgezogen werden. Abseits der Rennen wie auf der Piste ist zwar nicht alles perfekt, aber auch nicht alles schlecht. Wir haben uns für euch in Garmisch umgehört und umgesehen.

Eiszeit auf der Piste - die WM ist kein Wunschkonzert
Was hat es bereits für schlechte Stimmung gegeben. Die Kandahar "ein Witz" (Didier Cuche), "für die Frauen zu schwer" (Lindsey Vonn). Topstars reisten einfach ab (Ivica Kostelic) und verzichteten auf ihre Goldchance. Am Ende wurde, wie so oft, nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wurde. Oder besser: Es wurde nicht so eisig gefahren, wie befürchtet. Schlimme Stürze und schwere Verletzungen in den Speedrennen blieben aus. Zum Glück. Fazit: "Der Kopf wackelt im Ziel weiter. Zum Glück sind meine Plomben alle noch drinnen" (Michael Walchhofer).

Peinliche Zeitmessung
Fünf vor Zwölf ist es hingegen für den Zeitnehmer Alge-Timing. Der war vom WM-OK ausgewählt worden. Alge-Timing war offenbar günstiger als der in den meisten Weltcups eingesetzte Dienstleister Swiss-Timing. Und dann? Ausblendung der Zwischenzeiten vor Ort bei den Rennen, drastisch falsche Zwischenzeiten, auch im TV. Für die Journalisten fiel das Live-Timing teilweise komplett aus. Dazu eine paar schwache Gründe ("zu emotional kommentiert") - das wirkt nicht professionell und wirft ein schlechtes Licht auf den Gastgeber. Spott und Häme in der Prese ("Wer hat an der Uhr gedreht?") gibt es natürlich umsonst ...

Olympia 2018 im Visier
Es könnte ja eine so schöne WM werden, wenn man nicht die ganze Zeit mit einem Auge auf Olympia 2018 schielen müsste. Jeder halbwegs Prominente muss sich dazu (möglichst positiv) äußern. Das große Ziel überlagert das eigentliche Großereignis etwas. Immerhin: Die Lokführer warten mit ihrem Streik nun bis nach der WM, man wolle ja Münchens Olympia-Chancen nicht schmälern. Ob die Bahn-Leute auch für die WM zurückgesteckt hätten? Wohl kaum.

The Road to Kandahar
Ohne öffentliche Verkehrsmittel würde über Garmisch-Partenkirchen denn auch das absolute Verkehrschaos hereinbrechen. Es gibt eben nur eine Straße zur Kandahar und die ist rund um die Rennen hoffnungslos verstopft. Besser wird das zu Olmypia wohl auch nicht werden. Nicht ohne Grund fahren die österreichischen Fans in Sonderzügen zur WM. Besser geht's hier halt nicht.



Alle Mann auf die Tribüne!
Die Fans waren auch ein Thema in der ersten WM-Woche. Ob es sich noch nicht rumgesprochen hatte? Beim Super-G der Damen glänzten viele Tribünenplätze, weil einfach keiner da war, um sie zu besetzen. Ähnliche Bilder wurden bei den kommenden Rennen vermieden, auch weil dann kurz vor Rennbeginn Stehplatzkartenbesitzer noch schnell auf die Tribünenplätze geschickt wurden. Die durften sich freuen, denn für einen guten Platz kann man bei der WM schonmal 70 bis 120 Euro berappen. Das ist happig! Eine Bratwurst kostet übrigens 3,50 Euro - wohl bekomm's!

Garmisch feiert die WM
Aber wir wollen die WM keineswegs schlecht schreiben. Die Stimmung in Garmisch ist gut. Man merkt der Marktgemeinde an, dass sie sich auf dieses Großereignis gefreut hat. Alle Geschäfte sind passend geschmückt, es ist fast wie Karneval. Im Fanpark hinter den Tribünen gibt es vor und nach den Rennen viel Unterhaltung und auch die Medal Plaza ist eine stimmungsvolle Angelegenheit. Vor allem, wenn Maria Riesch geehrt wird.

Ab in die zweite Woche!
In der zweiten Woche kann also alles noch ein kleines bisschen besser werden. Zumal, wenn das deutsche Team dann endlich ohne Virusinfektionen mitmischen kann. Mit dem (international eher unbeliebten) Nations Team Event geht es weiter. Und dann folgen die deutschen Hoffnungsträger in den technischen Disziplinen. Wenn am Ende noch eine Goldmedaille herausspringt, dürften die Gastgeber mit ihren vielen Helfern besonders glücklich sein. Dann fiebert ganz Ski-Deutschland statt Maria Riesch. So solle s ja auch sein. Die Sonne steht der WM sowieso treu zur Seite. Wir freuen uns auf das Finale!