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Der Kanadier Erik Guay hat auf einer seiner Lieblingsstrecken den größten Erfolg seiner Karriere errungen: Bei der Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen holte er in einer spannenden Entscheidung den Titel in der Abfahrt vor Didier Cuche und Christof Innerhofer.

Guay Nachfolger von Kucera
Die Abfahrt einer Ski-WM scheint sich bei den Herren immer mehr zur kanadischen Domäne zu entwickeln. Nachfolger von John Kucera wurde auf der Kandahar in Garmisch-Partenkirchen Erik Guay. Er benötigte 1:58,41 Minuten für die Strecke, 32 Hundertstel weniger als Didier Cuche. Erneut Edelmetall gab es für den Super-G Weltmeister Christof Innerhofer, der mit 0.76 Sekunden Rückstand Bronze feierte. Die Kandahar präsentierte sich nach einer warmen Nacht wesentlich weniger eisig und weicher. "Garmisch ist immer so toll für mich gewesen. Weltmeister - das ist unglaublich", strahlte Guay nach der Entscheidung, die viel Spannung bot.

Nyman legt am Geburtstag vor
Ein Geburtstagsständchen erwartete den Amerikaner Steven Nyman, der nicht fehlerlos war an seinem Ehrentag, aber die erste Richtmarke der Abfahrt präsentierte. Ihm merkte man allerdings auch an, wie kräftezehrend die Abfahrt ist: Beim Zieleinlauf fehlte ihm die Kraft, noch einmal in die Hocke zu gehen. Damit konnte Ambrosi Hoffman diese Zeit noch unterbieten. Für ganz nach vorne reichte es aber für beide nicht.



Innerhofer eröffnet Favoritenreigen
'Alle gegen Christof Innerhofer' hieß es vor dem Rennen - und der Italiener ließ sich von den Vorschußlorbeeren nicht lumpen. Immer in bester Position, mit extremem Zug und erkennbarem Selbstbewusstsein rast der Südtiroler die Kandahar hinab und pulverisierte die bisherige Bestzeit. Sein Jubel im Ziel war aber noch verhalten - seine größten Wettbewerber standen ja noch am Start. "Ich konnte hier locker fahren, hatte nichts zu verlieren. Ich hab' versucht zu fahren, wie im Super-G," erklärte der sichtlich gelöste Innerhofer im Ziel.

Guay zerstört Innerhofers Traum
Doch bereits der nächste Fahrer war bereits deutlich schneller. Erik Guay fand im Tröglhang eine andere Linie, kam mit mehr Speed in die folgenden Abschnitte und nahm dem Italiener satte 76 Hundertstel ab. Das Publikum kochte - das war die erhofft packende WM-Entscheidung. "Das ist das Schönste hier, auf so einem anspruchsvollen Kurs zu fahren", strahlte Guay im Ziel, der aber den Wert seiner Fahrt lange nicht einschätzen konnte. "Es fühlt sich sehr gut an - aber die Besten kommen ja noch", so Guay, der dann wieder mit erwartungsvollem Blick in die Leaderbox ging.

Sturz von Theaux
Doch nur wenig später der Schock: Der Trainingsschnellste Adrien Theaux nahm ebenfalls hohes Risiko bei der Linienwahl, rutschte dann über den Innenski etwas zu weit nach außen, touchierte das Sicherheitsnetz und stürzte. Doch er konnte gleich wieder aufstehen.

Walchhofers letzter WM-Auftritt
Viel Aufmerksamkeit bekam auch Michael walchhofer, der seiner großen Karriere im letzten WM-Rennen eigentlich noch einen Erfolg hinzufügen wollte. Aber wie in den letzten Weltcuprennen fehlte die letzte Entschlossenheit, der unbedingte Wille, sich zu überwinden. Zeitlich weit zurück, aber immerhin vorerst Dritter im Ziel war Aksel Lund Svindal, der dann im Ziel wie viele weitere Fahrer völlig entkräftet in die Begrenzung fiel, seinen Stock zerbrach und dort sogar kurz behandelt werden musste. Er blieb aber ohne Verletzung.

Cuche jagt die Bestzeit
Didier Cuche wollte diese Goldmedaille unbedingt gewinnen. Im Gleitstück oben war der Schweizer auch gleich schneller als Guay, doch in Olympia-Kurve und Eishang verlor er etwas. Die letzten Meter mussten die Entscheidung bringen - und beim letzten Sprung musste Cuche aufmachen und ruderte ins Ziel und damit nur auf den zweiten Platz. Der Kanadier jubelte - seine Zeit wurde immer mehr wert.

Keine Chance für Kröll und Miller
Klaus Kröll begann seine Fahrt mit einem kleinen Wegrutscher. Noch einmal ging ihm der Außenski plötzlich weg, damit war die Sicherheit komplett dahin und die WM-Chance vertan. Besser lief es für Romed Baumann, der aber letztlich als Vierter zwar bester Österreicher wurde, aber ohne Medaille blieb. Bode Miller zog mit seiner Fahrt wie üblich die Aufmerksamkeit auf sich. Die Kandahar bockte und Miller suchte eine enge Linie, kam aber auf der weichen Unterlage nicht richtig auf Zug. Im Ziel leuchtet ein deutlicher Rückstand für den Amerikaner auf - Erik Guays Strahlen wurde immer breiter- auch weil die Piste bereits nachließ. Niemand konnte seine Zeit jetzt noch gefährden.

Nur Stechert in der Wertung
Tobias Stechert durfte als 27. als erster der beiden Deutschen auf die Piste und fand natürlich keine optimalen Bedingungen mehr vor. Ihm gelang aber auch keine perfekte Fahrt, zum Schluss verdrehte es ihn noch im Sprung. 4,9 Sekunden Rückstand waren mehr, als er sich erhofft hatte. Andreas Sander sollte es mit Startnummer 33 wissen. Er nahm früh im Rennen einen Schwung zu früh, fädelte ein und stürzte ins Fangnetz, wo er sich regelrecht verfing und medizinisch gecheckt werden musste. Am Ende gab es aber zum Glück Entwarnung.

Für die Herren steht nun nur noch bei der Super-Kombination die Konfrontation mit der Kandahar aus - das letzte Abfahrtstraining wurde zur Schonung der Piste abgesagt.