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Die beiden größten Nationen im alpinen Weltcup stellen mengenmäßig auch die meisten Teilnehmer für die alpine Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen. Der ÖSV hat 24 Athleten nominiert, darunter ist allerdings auch noch der kürzlich gestürzte Marcel Hirscher. Für Swiss Ski treten 18 Athleten in Garmisch an. Aber ist das auch eine Garantie auf Edelmetall?

Masse oder Klasse?
Der Nations Cup, wo Österreich in dieser Saison (wie so oft) vor der Schweiz führt, ist sicher nicht das aussagekräftigste Instrument, um WM-Medaillen vorherzusagen. Betrachtet man die Podiumsergebnisse aus dem Weltcup 2010/2011, dann führen dort die Österreicher mit 13 Siegen, acht zweiten und elf dritten Plätzen vor den USA (9/5/4), Frankreich (7/3/6), Kroatien (7/3/1) und Deutschland ((6/10/3), erst dann folgt die Schweiz (5/6/8). Die Breite im Kader könnte bei der WM durchaus von den herausragenden Einzelathleten wie Lindsey Vonn, Ted Ligety, Maria Riesch, Jean Baptiste Grange und Ivica Kostelic überlagert werden. Die bislang 99 Platzierungen österreichischer Fahrer auf den Plätzen vier bis zehn interessiert im Nachgang nur noch Statistiker - vor allem bei einem Großereignis.

ÖSV ohne Medaillenvorgabe
Vielleicht auch deshalb reist der größte Verband ohne eine Vorgabe für Edelmetall zur WM. Zu schmerzhaft war vor allem das Abschneiden der Herren bei Olympia in Vancouver - eine weitere Nullnummer wäre ein Tiefschlag. Dabei ist das Team von Mathias Berthold schwer gebeutelt durch die Ausfälle von Scheiber, Grugger, Streitberger und nun auch noch Marcel Hirscher. Medaillenanwärter gibt es dennoch viele, wie auch die letzten Weltcups bewiesen. Allen voran ist Marlies Schild die Gold-Hoffnung mit bereits fünf Siegen. Michael Walchhofer gewann drei Rennen, ist aber gerade etwas außer Form. Schörghofer und Reichelt hingegen haben in Hinterstoder geglänzt. Und auch Benni Raich zeigt aufsteigende Form, genauso Kathrin Zettel. Dahinter stehen dann Back-ups vom Format Lizzy Görgl, Anna Fenninger, Romed Baumann, Reinfried Herbst, Manfred Pranger, Nicole Hosp, Andrea Fischbacher ... Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, sollte Österreich leer ausgehen.

USA setzt auf Vonn und Ligety
Bei den USA teilen sich neun Siege auf Lindsey vonn (6) und Ted Ligety (3) auf - die beiden sind Top-Favoriten. Dahinter lauern Bode Miller, dessen Formkurve pünktlich angestiegen ist, und Julia Mancuso, die es noch immer verstand, pünktlich zum Großereignis ein Highlight zu setzen. Auch 2011? Allein Vonn wird die USA im Medaillenspiegel weit vorn platzieren.

Frankreichs Dreigestirn
Gold für Frankreich? Das können wohl vor allem Jean Baptiste Grange im Slalom oder Tessa Worley im Riesenslalom einfahren - beide haben drei Rennen gewonnen. Mitfavorit ist auch Cyprien Richard, der in Adelboden siegte. Stechen diese drei Asse nicht, wird's eng für die Grande Nation.



Goldsammler Kostelic?
In Kroatien gibt es nur einen Medaillenanwärter, aber der könnte gleich mehr Gold holen als manche Mannschaft: Ivica Kostelic ist nach sieben Siegen im Januar der wohl heißeste Kandidat vor allem im Slalom und der Kombination, aber auch im Super-G. Krönt er sich zum König der WM?

Riesch und Rebensburg für Deutschland?
Für den DSV sollen die Damen es richten. Geht es nach den bisherigen Saisonergebnissen, dann können vor allem Maria Riesch und im Riesenslalom Viktoria Rebensburg für goldige Momente sorgen. Auf das Podium fuhren auch Kathrin Hölzl und Christina Geiger. Natürlich setzen die Fans aber auch auf Lokalmatador Felix Neureuther, der im Slalom den Schlusspunkt für hoffentlich erfolgreiche Heim-Weltmeisterschaften setzen soll. Tendenz: Riesch hat viele Chancen und starke nerven. Je eher sie die Pflicht erfüllt, desto schöner wird die Kür.

Eidgenossen hoffen auf Leistungssteigerung
Didier Cuche hat mit seinen Siegen in Chamonix und Kitzbühel viel Hoffnung in der Schweiz geschürt - Gold in der Königsklasse käme ihm gerade recht. Auch Silvan Zurbriggen (Abfahrt) und Tobias Grünenfelder (Super-G) durften in diesem Winter schon Speed-Erfolge feiern, allerdings gelang beiden das in der Frühphase der Saison. Immer für eine Medaille gut ist natürlich Carlo Janka, aber auch mit Lara Gut darf gerechnet werden. Die Eidgenossen müssen sich aber zur WM steigern, denn sie holten wie die Italiener meistens Plätze im Bereich vier bis zehn.

Schweden: Starkes Technik-Team und Pärson
Die Scheden glänzen in dieser Saison vor allem im Slalom. Maria Pietilae-Holmner und Andre Myhrer konnten dabei sogar Rennen gewinnen. Medaillenanwärter ist auch Mattias Hargin, der zweimal auf dem Podium stand. Und natürlich darf man Anja Pärson nie unterschätzen. Sie könnte in Abfahrt und Super-G abräumen.

Poutiainen, Svindal und Jansrud
Je einen Sieg gab es in dieser Saison für Norwegen und Finnland. Dafür verantwortlich zeichneten - natürlich - die Leistungsträger Aksel Lund Svindal und Tanja Poutiainen. Beide können auch in Garmisch gewinnen. Zudem setzt Norwegen im Riesenslalom auf Olympia-Vize Kjetil Jansrud. Mit dieser kleinen, aber feinen Truppe können die Slkandinavier den großen Teams die Suppe versalzen.

Italien: Fehlt das Sieger-Gen?
60 Top Ten Ergebnisse für Italien im Weltcup - aber nur sieben Podiums. Ist den Italienern das Sieger-Gen abhanden gekommen? Nah am Sieg standen in diesem Jahr nur die Youngster Dominik Paris und Federica Brignone. Razzoli, Mölgg, Innerhofer und Blardone wurden immerhin mal Dritter. Für Peter Fill und Werner Heel oder Davide Simoncelli läufts hingegen nicht optimal. Für sie ist die WM eine Chance, die Saison zum Guten zu wenden.