© Alexis BOICHARD/AGENCE ZOOM
Die schnellsten Damen des Skisports müssen immer am längsten warten. Bis sie die langen Latten auspacken und mit über 130 Stundenkilometern auf Zeitenjagd gehen können, muss es schon Dezember werden. Während in Sölden, Levi und Aspen schon einige Weltcup-Punkte vergeben wurden, harren die Spezialistinnen für schnelle Strecken noch auf dem ersten Formcheck. Doch der kommt jetzt.

Vonn im Fokus
Im Mittelpunkt aller Betrachtungen steht dabei die Frau, die in den letzten drei Jahren die Speed-Disziplinen so klar beherrscht hat, wie kaum eine vor ihr. Lindsey Vonn hat natürlich vor allem wegen ihrer enormen Klasse in Abfahrt und Super-G gleich drei große Kristallkugeln in Folge abgeräumt. In der Regel beherrschte sie auch die Trainings mit der ihr eigenen Lockerheit, auch bei Traumläufen der Konkurrenz schüttelte sie noch das eine oder andere Zehntel aus der Tasche.

Rolland schneller als der Rest
Im ersten Training der Saison wiederholte sich diese Dominanz (noch) nicht. Vonn blieb auf einer ihrer Lieblingsstrecken um knappe acht Zehntel hinter der Bestzeit der Französin Marion Rolland. Sie deswegen schwächer einzuschätzen, wäre allerdings zu früh. Gerade in Kanada hat die Amerikanerin eine exzellente Bilanz mit bereits sieben Erfolgen. Bis zum eigentlichen Rennen ist sie damit die absolute Top-Favoritin.



Wer kann Vonn gefährden?
Und wer sollte den Superstar abfangen? Da wäre natürlich Maria Riesch, die beim ersten Training fast schon gewohnheitsmäßig nicht ganz vorne dabei war (Rang 13). "Ich freue mich sehr, dass wir jetzt wieder die langen Latten rausholen dürfen. Aber vor dem ersten Rennen weiß man auch nie so richtig, wo man steht", sagte sie. Der Vorteil der Deutschen ist ihr guter Saisonstart. Vor allem im Riesenslalom holte Riesch deutlich mehr Punkte und setzte Vonn damit gehörig unter Druck. Aus dem letzten Jahr empfehlen sich natürlich auch Anja Pärson, Ingrid Jacquemod oder Nadja Kamer für die Rolle der Mitfavoritin. Im ersten Training waren Pärson (Achte) und Kamer (Sechste) auch vorn dabei.

Newcomer in der Abfahrt?
Gespannt sein dürfen wir in Lake Louise auf das auftreten von Julia Mancuso. Die scheint gut drauf zu sein und mit den neuen Skiern auch im Speed-Bereich vorne mitmischen zu können. Ebenso angriffslustig sind die Österreicherinnen nach einer verkorksten Speed-Saison. Die Hoffnungen ruhen vor allem auf Andrea Fischbacher und Elisabeth Görgl, dahinter stehen die im ersten Training überraschend starke Stefanie Moser und Anna Fenninger für Top-Ergebnisse bereit. Die Schweizerinnen hoffen neben Kamer auf die wiedergenesene Lara Gut, Dominique Gisin und Fabienne Suter. Auch Kanada und Italien haben mit Britt Janyk, Emily Brydon und Elena Fanchini Eisen im Feuer. Ob die heiß genug sind, wird sich auf der Piste entscheiden.

DSV: Hoffnung auf Stechert und Rebensburg
Die deutsche Speed-Mannschaft bleibt klein. Hinter Maria Riesch hofft die Spezialistin Gina Stechert auf ein Comeback auf dem Nivaue von vor zwei Jahren, wo sie ihren ersten Weltcup-Sieg erringen konnte. Gespannt darf man auch auf Viktoria Rebensburg sein, die nach starken Einstand im Riesenslalom zumindest im Super-G vorne mitmischen sollte. Auch in der Abfahrt? Mit dabei ist auch Isabelle Stiepel aus Mittenwald, die im Vorjahr erstamls Bekanntschaft mit der Strecke in Kanada machen durfte, aber noch auf den ersten Weltcup-Zähler wartet. Mit trainiert hat in Lake Louise auch Katharina Dürr. Im ersten Training war Stechert (27.) vor Rebensburg (35.) zweitbeste Deutsche.

Spannende Saison?
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt - in diesem Fall die Hoffnung auf einen spannende, abwechslungsreiche Saison in den Speed-Wettbewerben. Nach drei Jahren recht monotoner Ergebnisse hoffen die Fans auf wechselnde Siegerinnen, neue Gesichter an der Spitze und ein dichtes Spitzenfeld. Ob Lindsey Vonn das zulässt, werden wir frühestens am Freitagabend sehen - dann geht es erstmals um echte Punkte. In Lake Louise stehen am Freitag und Samstag zwei Abfahrten an, am Sonntag wird dann ein Super-G gefahren. Wir berichten im Liveticker ausführlich über den Rennverlauf. Im Skiinfo-Tippspiel könnt ihr zudem eure Top Drei benennen.