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Wenn am 27. und 28. November in Lake Louise die schnellsten Skifahrer der Welt um erste Punkte in den Disziplinen Super-G und Abfahrt kämpfen, wird ihnen ein eisiger Wind ins Gesicht blasen. In Kanada geht es um eine Standortbestimmung, die nicht nur in Österreich mit viel Aufmerksamkeit verfolgt wird.

Wider den Fluch
Das Gesetz der negativen Serie zu brechen erscheint im Sport immer wichtiger, je länger die Serie dauert. Nach einem verkorksten Jahr mit keinem einzigen Abfahrtssieg lauert die Skination Österreich vor jeder neuen Chance und bangt um Erfolge. Vor allem Routinier Michael Walchhofer soll es einmal mehr richten. Dessen zeichen stehen gut: Sein Chefcoach Mathias Berthold attestiert ihm einen guten Formstand und er hat von seinem Ausrüster Atomic mit Edi Unterberger einen neuen Servicemann bekommen. Der hat schon Hermann Maier betreut und wurde frei, weil Aksel Lund Svindal die Marke wechselte.

Starkes Schweizer Speed-Team
Neben Walchhofer sollen Klaus Kröll, Romed Baumann, Hans Grugger und Mario Scheiber die Erfolge einfahren. Aber die ÖSV-Topleute müssen sich starken Gegnern erwehren. Allen voran steht der mehrfache Abfahrtschamp Didier Cuche, der 2010 vor seinem Landsmann Carlo Janka die Kugel gewann. Zudem verfügen sie mit Patrick Küng über ein großes speed-Talent. Trotz des Ausfalls von Olympiasieger Defago wird des Team der Eidgenossen also schwer zu schlagen sein.



Viele Favoriten für Lake Louise
Aber die Abfahrts- und Super-G-Wettbewerbe werden kein Zweikampf der Österreicher gegen die Schweizer sein. Zu viele Topfahrer haben sich die prestigeträchtigen Rennen als Ziel gesetzt. Sehr zu beachten werden die Neuzugänge von Ausrüster Head werden - wie kommen Werner heel und vor allem Aksel Lund Svindal mit ihren neuen Latten zurecht? Ist Bode Miller in der Form, um Siege mitzufahren? Wie nah sind die Italiener Fill und Innerhofer an der Spitze dran? Und was können die schnellen Kanadier Guay und Osborne-Paradis ausrichten?

DSV: Keine Wunder, aber Forschritte
Favoriten für die Abfahrt gibt es also viele - aus Deutschland kommt davon jedoch keiner. Der DSV ist aber immerhin mit einer vier Mann starken Truppe nach Kanada gereist. Während im Super-G alle vier starten dürfen, stehen für die Abfahrt nur zwei Plätze zur Verfügung. Ziel ist es, der Weltspitze einen Schritt näher zu kommen. Mit dabei ist wieder Tobias Stechert, der nach vielversprechenden Ergebnissen in Vorwinter früh verletzt ausfiel. Olympiateilnehmer Stephan Keppler führt das Team an, Andreas Strodl und Hannes Wagner komplettieren es.

Ziel: Punkte sammeln
Die Startnummern für das erste Training (ab Nummer 55 steigen die Deutschen ein) sagen viel aus über den Leistungsstand im Speed. Wunder darf daher in Lake Louise und den folgenden Rennen niemand erwarten. Den unbedingten Willen wird Chefcoach Charly Waibel von seinen Rennfahrern aber einfordern - und dann sollte der Sprung in die Punkteränge möglich sein. "Wir haben uns seit dem 17. November in Nakiska auf die Rennen in Lake Louise vorbereitet. Die tiefen Temperaturen um die -25 Grad Celsius haben wir genutzt, um das optimale Setup für Lake Louise zu finden. Die Stimmung im Team ist gut. Die Zielsetzung für diese ersten Speed-Rennen lautet: Trotz hoher Startnummern Weltcup-Punkte sammeln und sich unter den Top30 platzieren," formuliert Waibel die interne Erwartungshaltung.

Keppler: "Bessere Chancen im Super-G
Für Stephan Keppler wird es im zweiten Training darauf ankommen, Leistung zu zeigen, um einen der beiden Abfahrtsplätze in der internen Ausscheidung zu erringen. Vorab äußerte er sich zuversichtlich: "Ich freue mich jetzt darauf, dass es in Lake Louise endlich wieder mit dem Rennfahren losgeht. Die Schneelage in Lake Louise ist gut wie schon lange nicht mehr und es scheint alles gerichtet für ein tolles Rennen. Meine Rückenprobleme habe ich soweit im Griff, ich fühle mich fit für die Rennen. Die Trainingsfahrten möchte ich konzentriert nutzen, um dann in den Rennen zu attackieren. Im Super-G rechne ich mir derzeit höhere Chancen aus, ein gutes Ergebnis zu erreichen. Mein Ziel ist es, in beiden Rennen Weltcup-Punkte zu sammeln."