Skifahren ist kein ungefährliches Hobby. Hohe Geschwindigkeiten, unberechenbare Pistenteilnehmer, schlecht trainierte Urlauber: Damit der Winterspaß nicht mit einem Abtransport in das nächste Krankenhaus endet, haben wir euch zehn Tipps zum Verhalten vor, während und nach dem Skilaufen und Snowboardfahren zusammengestellt. Schaut mal rein, dann seid ihr gut gerüstet für den nächsten Winterurlaub.

 

Helm tragen

Die Helmtragequote hat sich bei Skifahrern in den letzten Jahren stets erhöht und liegt heute bei fast 80%. Das ist gut, denn Kopfverletzungen gehören beim Skifahren und Snowboarden zu den schwerwiegendsten Unfallschäden.

Helm ist aber nicht gleich Helm: Ihr solltet beim Kauf auf jeden Fall darauf achten, dass der Helm der europäischen Sicherheitsnorm EN 1077 entspricht. Zudem ist ein Helm mit auffälliger Farbe empfehlenswert. Viele Stürze heutzutage lassen sich auf eine Kollision zurückführen - je besser man auf der Piste wahrgenommen wird, desto eher verhindert man solche Zusammenstöße. Weitere wichtige Punkte beim Helmkauf:

- den Helm immer mit Sonnen- oder Skibrille anprobieren
- darauf achten, dass der Helm bei ruckartigen Kopfbewegungen nicht wackelt
- der Helm sollte individuelle Einstellungsmöglichkeiten haben (Stoffeinsätze, Nackengurt, oä)
- Beratungsmöglichkeiten im Fachgeschäft wahrnehmen

 

Rückenprotektor anlegen

Rumpf und Wirbelsäule werden bei Stürzen oftmals stark beansprucht, hohe Kräfte können entstehen. Was bei Snowboardern gang und gäbe ist, sorgt auch bei Skifahrern für eine erhöhte Sicherheit: Das Tragen eines Rückenprotektors. Wichtig dabei: Die Passform muss stimmen und der Protektor die gesamte Wirbelsäule bis zum Steißbein abdecken. Zudem sollte auf die Luftzirkulation geachtet werden, sonst gerät man zu stark ins Schwitzen und kühlt dementsprechend auch schnell aus, wenn man sich nicht mehr bewegt. Achtung: Nach einem Sturz sollte der Protektor eingehend auf Risse, Dellen und andere Beschädigungen überprüft und bei Bedarf ausgetauscht werden.

Handgelenke schützen

Beim Snowboarden ereignet sich jede vierte Verletzung am Unterarm, speziell am Handgelenk. Handschuhe mit Stabilisierungselement senken das Verletzungsrisiko. Dabei ist darauf zu achten, dass die Steifigkeit des Stabilisierungselements an den beiden Enden geringer ist als im mittleren Teil. Zudem dürfen die Enden dürfen nicht scharfkantig und sollten großflächig sein. Das Stabilisierungselement muss im Handschuh fest fixiert, stufenlos verstellbar und unempfindlich gegenüber Temperaturschwankungen sein - das Fachgeschäft eures Vertrauens berät euch mit Sicherheit gern.

 

Skibindung einstellen

"Ach, passt schon irgendwie!" Wenn das eure Einstellung bei der Bindungseinstellung ist, dann dürft ihr euch über Verletzungen nicht beklagen. Denn nur richtig eingestellte Bindungen, die rechtzeitig bei einem Sturz auslösen, können das Verletzungsrisiko erheblich reduzieren. Insbesondere Knieverletzungen, die zu den häufigsten Blessuren beim Skifahren und Boarden zählen, können vermieden werden, wenn die Funktionseinheit Ski - Bindung - Schuh bei einem Sturz aufgelöst wird. Die Justierung des sogenannten Z-Werts solltet ihr unbedingt einen Fachmann übernehmen lassen.

 

Die Vormittagsstunden nutzen

Studien haben herausgefunden: Das Unfallrisiko ist nachmittags um rund 50 Prozent höher als am Vormittag. Das hat mehrere Gründe: Morgen sind die Pisten meist weniger befahren und in deutlich besserem Zustand als zu späterer Stunde. Zudem verursachen konditionelle Probleme und mangelnde Konzentration nach einigen Stunden Wintersport Stürze und Unfälle. Daher unser Tipp: In der Früh die guten Bedingungen nutzen und dafür am Nachmittag etwas kürzer treten!

 

Auf Kondition achten

Viele Urlauber unterschätzen die sportliche Anstrengung, die das Skifahren oder Snowboarden bedeutet. Nach mehreren Stunden auf den Brettern ist eine Erschöpfung kaum zu vermeiden. Daher solltet ihr immer ausreichend Erholungspausen, vor allem nach langen Abfahrten, einlegen. Nach dem Mittagessen ist das Unfallrisiko dann besonders groß: 38 Prozent der Unfälle zwischen 14 und 16 Uhr ereignen sich aufgrund von Müdigkeit, mangelnder Konzentration oder Kraftlosigkeit. Insbesondere an den ersten Tagen solltet ihr es etwas ruhiger angehen lassen. Damit ihr gut vorbereitet in euren Skiurlaub fahrt, empfiehlt es sich, bereits einige Wochen vor dem Start Skigymnastik und sich konditionell fit zu machen.

 

Vorsicht mit Alkohol

Die Erkenntnis ist nicht neu: Der Genuss von alkoholischen Getränken kann zu leichtsinnigem Verhalten führen. Dennoch werden an den Berghütten gerne Bier oder Schnäpse konsumiert, für viele gehört das einfach dazu. Diese solltet ihr aber mit Vorsicht genießen: Nach dem Konsum wird das eigene Können oft über- und Gefahren unterschätzt. Zudem kühlt man schneller aus, weil die Blutgefäße sich erweitern, die Haut stärker durchblutet und somit mehr Wärme abgegeben wird. Schlussendlich entzieht Alkohol dem Körper Flüssigkeit, die in größeren Höhen vermehrt benötigt wird. Geringe Luftfeuchtigkeit, niedrige Außentemperaturen und die Schweißproduktion trocknen aus. Wer dann Alkohol trinkt, belastet seinen Körper zusätzlich.

 

Richtig Liften

Nicht nur das Verhalten auf der Piste, sondern auch das Liften ist sicherheitsrelevant. Wichtig: Besonders beim Einstieg gilt es, sich voll zu konzentrieren. Oftmals kommen Sessel- oder Schlepplift so schnell angeschossen, das man überrascht wird. Dies kann man verhindern, wenn während des Einstiegs nicht rumtrödelt, schnell die richtige Position einnimmt und sich dann sofort auf die Entgegennahme des Bügels oder das Ankommen des Sessels vorbereitet. Während der Fahrt mit dem Sessellift muss der Sicherheitsbügel stets geschlossen gehalten werden. Bleibt der Lift stehen, soll man ruhig sitzen bleiben und auf Anweisung des Liftpersonals warten. Häufig gesehen ist auch der Sturz im Schlepplift mit anschließendem "Auffahrunfall". Nach einem Sturz solltet ihr die Liftspur möglichst schnell verlassen. Damit ihr gar nicht erst stürzt, solltet ihr als Anfänger mit einer erfahrenen Person liften und grundsätzlich eine etwa gleichgroße Person als Liftpartner wählen, damit der Bügel gleichmäßig belastet wird und nicht schräg steht. Bei der Fahrt mit dem Schlepplift: Haltet euch am Bügel und nicht am Partner fest und verzichtet auf Slalomfahrten. Der Blick sollte immer in Fahrtrichtung zeigen.  


Verletzungen behandeln lassen

Bei Wintersportverletzungen der oberen Extremität sind häufig die Bänder betroffen. Hierbei steht der Skifahrer-Daumen mit Bänderriss an erster Stelle. Bei einem Sturz wird der Daumen durch den Skistock oft in Richtung Unterarm abgespreizt. Eine solche Verletzung sollte unbedingt ärztlich untersucht werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass das abgerissene Band und die Gelenkkapsel schrumpfen und eine erfolgreiche Operation erschwert wird. Tipp: Skistöcke, deren Befestigungsriemen sich im Falle eines Sturzes lösen, senken das Risiko von Daumenverletzungen.

 

Vorausschauend fahren

Auf gut besuchten Pisten oder bei schlechter Sicht steigt das Risiko, mit einem anderen Schneesportler zu kollidieren. Ein Zusammenprall bei etwa 50 Kilometern pro Stunde entspricht einem Aufprall aus 9,8 Metern Höhe. Von Knochenbrüchen bis zu lebensgefährlichen Verletzungen ist fast alles möglich. Daher um so wichtiger: Umsichtiges und vorrausschauendes Fahren.

 

Die FIS-Regeln kennen und beachten

Die meisten Skiurlauber dürften zwar wissen, dass es FIS-Verhaltensregeln für die Piste gibt. So richtig kennen und aktiv beachten, das machen eher wenige. Dabei sind die Regeln einfach und plausibel. Sie regeln vor allem Themen wie Geschwindigkeit, Wahl der Fahrspur, Verhaltensregeln beim Ein- und Ausfahren aus Hängen, Zeichen und Verhalten bei Unfällen. Wenn ihr euch die FIS-Regeln mal wieder ins Gedächtnis rufen wollt, dann könnt ihr das hier machen.


Wir wünschen euch viel Spaß und ein sicheres Pistenvergnügen!

Mehr Infos zum Thema Sicherheit beim Skifahren und Snowboarden findet ihr unter www.sicher-im-schnee.