Die Weltcup-Saison 2009/2010 war bei den Schweizern im Herren-Bereich von großen Erfolgen geprägt, jedoch konnten diese die Schwächen der Damen nur zum Teil überlagern. Wer allerdings den Gesamtweltcupsieger der Herren sowie einige weitere Disziplinensieger in seinen Reihen hat, der hat gute Argumente für eine erneut überdurchschnittliche Saison.

Überflieger Janka
Carlo Janka war der Überflieger der letzten Saison. Der junge Schweizer wurde Gesamtweltcupsieger und war damit der Star bei den Herren. Auch in diesem Winter wird er eine große Rolle spielen, ist er doch weiter gereift und fährt gerade bei entscheidenden Rennen so routiniert und abgeklärt wie ein ganz erfahrener Athlet. Dies sorgte auch dafür, dass er am Ende der Saison die Nase vorn hatte. Mit Janka muss man auch in der WM-Saison rechnen, auch wenn ihn erneut ein rätselhafter Virus in der Vorbereitung ereilte. Doch dieser war schnell weg und Janka konnte schon bald wieder optimal trainieren.

Cuche will Abfahrtsweltcup verteidigen
Neben Janka ist bei den Schweizern ein ganz erfahrener Skirennläufer zu beachten. Didier Cuche, mittlerweile 36 Jahre alt, ist noch kein bisschen müde und will wieder angreifen. Für den Gesamtweltcup dürfte es nicht reichen, aber den Abfahrtsweltcup möchte der bullige Schweizer natürlich gerne verteidigen. Konkurrenz dort erhält Cuche auch aus den eigenen Reihen, zeigte doch Janka im letzten Jahr, dass mit ihm in der Abfahrt zu rechnen ist. Sein Sieg in Wengen war legendär. Dahinter klafft bei den Eidgenossen nach dem Kreuzbandriss von Didier Defago sowohl in der Abfahrt als auch im Super-G allerdings eine Lücke. Ambrosi Hoffmann ist nicht mehr in der Form der Vergangenheit und sonst könnte Patrick Küng für die eine oder andere vordere Platzierung sorgen. Beat Feuz ist eher eine Hoffnung für die Zukunft. Ob Daniel Albrecht wieder wird vorne mitwirken können, muss man abwarten. Zu wünschen wäre es dem Schweizer. Tobias Grünenfelder zeigte zudem, dass er im Super-G auf das Podest fahren kann. Immerhin war er Dritter in Kvitfjell.

Nachholbedarf in den technischen Disziplinen
In den technischen Disziplinen überstrahlt Carlo Janka alle im Riesenslalom. Weltmeister und Olympiasieger ist er schon, nur den Disziplinen-Weltcup hat er noch nie im Riesenslalom gewonnen. Das dürfte allerdings nur eine Frage der Zeit sein. Dahinter unterstützt ihn noch Didier Cuche mit guten Platzierungen, aber dann wird es doch eng. Im Slalom sieht es noch düsterer aus, haben die Eidgenossen doch hier eigentlich nur Silvan Zurbriggen, der regelmäßig für Top-Platzierungen sorgt. Bei Marc Berthod und Marc Gini warten die Trainer und Fans seit einiger Zeit auf eine Leistungssteigerung und auch im Europacup konnten sich keine Läufer anbieten bislang. Doch sollten sowohl Janka im Riesenslalom als auch Zurbriggen im Slalom Siege einfahren, dürfte die Kritik leise ausfallen ob der fehlenden Breite im Team.


Keine Allrounderin zur Stelle
Bei den Schweizer Damen gibt es eine klare Trennung zwischen Stärke und Schwäche. Haben sie doch im Speed-Bereich viele Fahrerinnen, die regelmäßig in die Punkte fahren, sieht es in den technischen Disziplinen nicht so gut aus. Da keine richtige Allrounderin derzeit im Team ist, werden die Schweizerinnen auch im Gesamtweltcup kein Wörtchen mitreden können. Siege in den Disziplinen sitzen drin, die Top 3 im Gesamtweltcup ist aber weit weg. Einzig das ‚Wunderkind‘ Lara Gut, die nach einer schweren Verletzung ihr Comeback feiern wird, könnte einmal in der Lage sein, ganz nach vorne zu fahren im Gesamtweltcup.

Breiter Kader in den schnellen Disziplinen
In den schnellen Disziplinen brauchen sich die Schweizerinnen am wenigsten Sorgen zu machen. Hier steht Fabienne Suter an der Spitze des Kaders, die im letzten Winter den Durchbruch in die Weltspitze in Super-G und Abfahrt geschafft hat. Sie wird sicher um die vorderen Platzierungen mitfahren, wenn alles passt. Dahinter stehen einige Fahrerinnen bereit, die konstant in die Punkte fahren können. So sind Nadia Styger, Nadja Kamer, Dominique Gisin, Martina Schild und Andrea Dettling sichere Punktelieferanten. Ob Fränzi Aufdenblatten an alte Zeiten anknüpfen kann, muss man abwarten. Nicht vergessen sollte man Lara Gut, die wieder fit ist und vor ihrer Verletzung im Super-G ihren bislang einzigen Weltcupsieg holte.

Grand und Bonjour tragen die Hoffnungen
In den technischen Disziplinen wünscht man sich im Schweizer Lager sicher die Zeiten einer Sonja Nef oder Vreni Schneider zurück. Gerade einmal etwas mehr als 150 Punkte sammelten die Skirennläuferinnen in beiden Disziplinen zusammen im vergangenen Winter. Nun bleibt also die Hoffnung auf Lara Gut, doch niemand weiß, wie stark sie nach der Verletzung zurückkommen wird. Rabea Grand wird die Weltcup-Saison alleine bestreiten mit Privattrainer. Vielleicht bringt das ja den erhofften Sprung. Aline Bonjour zeigte in der Vorbereitung gute Leistungen und dürfte eine weitere Option sein für die Schweizerinnen. Doch dahinter steht niemand parat, um Punkte einzufahren.

Fazit: Janka thront über allen - Damen müssen Schritt nach vorne machen
Die Schweizer werden in diesem Winter wieder auf Carlo Janka hoffen, dass er im Weltcup Siege einfährt und Kristallkugeln gewinnt. Didier Cuche wird voll auf den Abfahrtsweltcup setzen und Silvan Zurbriggen auf den Slalom-Weltcup. Davon können die Damen nur träumen. Aber vielleicht gelingt es ja der einen oder anderen Fahrerin, früh im Winter auf das Podest zu fahren und dann mit viel Selbstvertrauen eine starke Saison zu absolvieren.

Der Kader im Überblick

Nationalmannschaft
Daniel Albrecht
Didier Cuche
Didier Defago
Tobias Grünenfelder
Ambrosi Hoffmann
Carlo Janka
Patrick Küng
Sandro Viletta
Silvan Zurbriggen

A-Kader
Marc Berthod
Beat Feuz
Marc Gini
Marc Gisin
Ami Oreiller
Christian Spescha
Cornel Züger

Nationalmannschaft
Marianne Abderhalden
Fränzi Aufdenblatten
Andrea Dettling
Dominique Gisin
Lara Gut
Nadja Kamer
Martina Schild
Nadia Styger
Fabienne Suter

A-Kader
Sandra Gini
Esther Good
Rabea Grand
Celina Hangl
Anne-Sophie Koehn