Heads Rennsportleiter Rainer Salzgeber durfte nach der Saison viele gute Nachrichten vermelden. Aksel Lund Svindal, Ted Ligety, Werner Heel und Kjetil Jansrud wechselten in sein Racing Team. Welche Erfolge er mit den neuen Stars feiern möchte und welche Entwicklungen er für den Skisport erhofft, erklärt er im Interview mit ski2b.com.

ski2b.com: Hallo Rainer! Glückwunsch erstmal - Head hat einige hochkarätige Neuzugänge im Team vermelden können. Über wen freust du dich am meisten?
Rainer Salzgeber: Alle Neuzugänge sind auf ihre Art eine spezielle Erscheinung im alpinen Skirennsport. Die Tatsache, dass wir solche Athleten verpflichten konnten, ist der Beweis, dass sie in unser Material und unsere Arbeit vertrauen. Dieser Aspekt ist der wahre Grund zur Freude.

ski2b: Werfen wir vielleicht erst einen kurzen Blick zurück. Bei den Damen haben Maria Riesch, Lindsey Vonn und Anja Pärson ja fast alles gewonnen. Kann man eine solche Saison noch toppen?
Rainer: Jede Saison wird wieder von null begonnen, es kommen verletzte Athleten wieder zurück und es wird auch das eine oder andere neue Gesicht die Szene bereichern. Wichtig ist, dass die letztjährigen Superstars trotz des Rummels um ihre Person sich so vorbereiten, dass es erfolgreich weitergeht. Athletinnen wie z.B. Lindsey haben dies schon bewiesen und wir werden unseren Teil dazu beitragen. Die Entwicklungen auf dem Materialsektor werden natürlich auch von den Neuzugängen geprägt, da diese Athleten oftmals neue Ansätze und Ideen mitbringen.

ski2b: Bei den Herren lief sicher nicht alles nur nach Plan, auch wenn vor allem Miller und Cuche ihre Erfolge hatten. Erklärt das auch die Neuzugänge?
Rainer: Bei den Herren hatten wir eine sehr gute Saison, wobei die bisherige Größe des Teams doch limitierend war. Wir waren und sind im Herrenbereich so aufgestellt, dass wir neben den speed-orientierten Läufern hauptsächlich auf Athleten setzen, die mindestens drei Disziplinen fahren und dies bringt einen Nachteil über die Saison gesehen, da das Techniktraining unter der Belastung von Abfahrt und Super G leidet. Didier Cuche gewann den Riesenslalom beim Auftakt in Sölden, aber die fehlende Vorbereitung während der Saison im GS ist ein Handicap, das nur wenigen gelingt. Ein Riesenslalom-Spezialist kann sich eine Woche in Ruhe auf das Rennen in Alta Badia vorbereiten, während die Allrounder in Gröden Trainings und Rennen fahren. Unser Neuzugang Ligety sollte uns genau in diesem Punkt helfen.



ski2b: Bei welchem Neuzugang siehst du das größte Entwicklungspotenzial?
Rainer: Kjetil Jansrud ist der Jüngste und bei ihm hoffe ich, dass er mit uns und unserem Material zu einem der ganz Großen werden kann.

ski2b: Wie schwer fallen die Abgänge von Hermann Maier und Marco Büchel für euch ins Gewicht - wie sehr fehlen solche Typen der Szene?
Rainer: Die rücktrittsbedingten Abgänge schmerzen natürlich, aber das ist der Lauf der Zeit. Wir haben unser Team genau aus diesen Gründen mit den Namen verstärkt. Es wird auch in den kommenden Jahren Rücktritte geben und da sollten uns Athleten wie Werner Heel helfen, dies zu verkraften und eine attraktive und von Persönlichkeiten geprägte Mannschaft für unseren Auftritt zu haben.

ski2b: Mit Svindal, Ligety, Jansrud und Heel hat Head nun die Möglichkeit, Atomic den Spitzenplatz in der FIS Markenwertung anzunehmen. Wie hoch setzt ihr eure Erwartungen?
Rainer: Grundsätzlich ist diese Wertung die letzte die ich anschaue, da es keinen Pokal oder Prämie für die Hersteller gibt. Die Stärke der jetzigen Mannschaft schafft jedoch die Basis, dass wir ganz oben stehen. Unsere Zielsetzung für die kommende Saison ist die gleiche, wie die der Läufer. Wir konzentrieren uns auf die einzelnen Weltcuprennen, als ob es jedes Mal das wichtigste wäre und natürlich auf die WM in Garmisch.

ski2b: Kannst du uns schon verraten, mit welchen Mitteln ihr die Ski im nächsten Winter noch schneller machen wollt?
Rainer: Wir versuchen das Kers System, das auf der ISPO präsentiert wurde, weiter zu optimieren und haben in fast allen Disziplinen Weiterentwicklungen, die bei den bisherigen Tests vielversprechend waren. Die Testarbeit wird weiterhin forciert und Christian Greber wird sich auch um die technischen Disziplinen verstärkt kümmern.

ski2b: Auch im Head Racing Team gab es im letzten Winter Verletzungen - allgemein war die Verletzungsrate im Weltcup vor allem zu Saisonbeginn sehr hoch. Passiert ist trotz vieler Gesprächsrunden letztendlich wenig. Müssen wir uns in der nächsten Saison wieder auf eine ähnliche Verletzungswelle einstellen?
Rainer: Grundsätzlich ist das ein Thema, an dem sehr wohl gearbeitet wird. Es wird sehr viel diskutiert, aber es hat niemand eine Patentlösung griffbereit, wobei es nach den Rennen in Nordamerika bei den Herren zumindest keine Verletzungen mehr gab. Dies wurde aber nicht wahrgenommen, da die Diskussion zu Saisonanfang alles überschattet.

ski2b: Muss sich der alpine Rennsport weiterentwickeln, um noch attraktiver zu werden? Was wünscht sich Head als Hersteller, um den Imagetransfer auf den Ski im Laden zu verbessern?
Rainer: Der Sport muss sich weiterentwickeln, wobei ich der Meinung bin, dass die Rennen speziell im Herrenbereich bis auf wenige Ausnahmen attraktiv sind. Wir sollten nicht versuchen „das Rad neu zu erfinden“, aber die Brücke zwischen dem Nachwuchssport und dem Weltcup muss effektiv überdacht werden. Der Nachwuchsbereich muss attraktiv sein, damit wir die Jugend ansprechen und sie dem Sport treu bleibt. Das Format wie der Weltcup präsentiert wird ist die Basis für mich, da es für die Zuschauer und Fans interessant sein muss und Lust auf Skifahren weckt bzw. verstärkt.

ski2b: Sollte deiner Meinung nach über neue Spielarten wie Ski Cross oder den im Nations Team Event schon angewandten Parallelslalom nachgedacht werden?
Rainer: Das sind Möglichkeiten und gerade der Team Event beim Finale in Garmisch hat gezeigt, dass der Parallelbewerb für die Zuschauer attraktiv ist und einen Bewerb spannend macht. Wenn wir es schaffen, dass der Teambewerb eine Art Länderspielstimmung bekommt, dann ist dies sicherlich hilfreich, unseren Sport attraktiv zu präsentieren.
Wichtig ist, dass der Sport es schafft, dass er „Superstars“ hat, die Interesse auch außerhalb der Skiszenen wecken.

ski2b: Trotz der neuen Stars, die natürlich Geld kosten werden, gehört auch Head zur Vereinigung Ski Racing Suppliers (SRS). Gemeinsam mit den anderen Herstellern steht Head damit auch dafür ein, dass der Service in den Sommermonaten von Verbänden und Athleten getragen wird. Kannst du verstehen, dass dieses Vorgehen in vielen Verbänden mehr als Diktat denn als partnerschaftlicher Kompromiss gesehen wird?
Rainer: Das Problem ist, dass das Training in der südlichen Hemisphäre für die Skihersteller mit Abstand das kostenintensivste ist. Wir müssen Material für mehrere Wochen dorthin schicken und dies wurde in der Vergangenheit ausschließlich von uns getragen. Ich sehe es als Anstoß, dass sich die Verbände genau überlegen, wen sie zum Training nach Neuseeland oder Südamerika schicken. Dieses Jahr ist abgemacht, dass bei Trainings in Europa, ob Gletscher oder Skihallen, wir die Kosten ganz normal bezahlen. Es ist lediglich für die Überseetrainings eine Kostenübernahme durch die Verbände ausgemacht.

ski2b: Vielen Dank für Deine Einschätzung, Rainer. Viel Erfolg in der Vorbereitung!