Die Französin Ophelie David ist die erfolgreichste Ski Crosserin der Geschichte. Im Interview mit Ski2b blickt sie auf eine spannende Saison zurück und übt Kritik am Internationalen Skiverband (FIS) wegen zu leichter Strecken.

Ski2b.com: Ophelie, deine Saison ist beendet. Erneut konntest du den Gesamtweltcup gewinnen, bist jedoch beim Highlight, den Olympischen Spielen, leer ausgegangen. Ist dein Gesamtfazit des Winters dennoch positiv? Wie würdest du die Saison bewerten?
Ophelie David: Meine Bilanz fällt definitiv positiv aus. Ich habe zwei meiner drei Ziele erreicht mit dem Sieg bei den X-Games und dem Gesamtweltcup. Unglücklicherweise war ich beim olympischen Rennen in Vancouver nicht auf der Höhe und habe eine Medaille verpasst. Aber als Athlet musst du das akzeptieren und weitermachen, denn so etwas kann immer passieren. Heute, wenn ich auf die Woche in Vancouver schaue, kann ich mich glücklich schätzen, bei so einem großen Moment dabei gewesen zu sein und mit einer Menge Souvenirs nach Hause gekommen zu sein.

Ski2b: Du hast von Olympia gesprochen. Woran lag es konkret, dass es dort nicht geklappt hat mit der Medaille?
Ophelie: Es ist dumm gelaufen! Es ist halt nur ein Rennen und im Ski Cross kann so viel passieren. Ich hatte einen schlechten Start und um Olympiasiegerin zu werden muss nun mal alles perfekt sein und ein bisschen Glück muss man auch haben. Ich hatte es an diesem Tag einfach nicht.

Ski2b: Wie hast du Olympia, abseits vom Sport, erlebt? In der Öffentlichkeit war Ski Cross ein großer Erfolg. Stimmst du zu?
Ophelie: Es war toll! Die Leute waren super, sie haben uns alle sehr herzlich begrüßt und die Atmosphäre war fröhlich und friedlich. Das Wetter in Vancouver war, zumindest in ‚meiner‘ Woche, warm und gut und wir konnten gar im T-Shirt herumlaufen. Das war unglaublich!

Ski2b: Im Weltcup warst du erneut die Beste. Was treibt dich nach all den Erfolgen noch an? Woher ziehst du deine Motivation?
Ophelie: Es ist ganz einfach: Ich liebe, was ich tue und es macht mir weiterhin so viel Spaß auf den tollen Ski Cross Strecken zu fahren. Das ist die einzige Begründung.


Ski2b: Was war deine große Stärke in diesem Winter und womit warst du nicht so zufrieden?
Ophelie: Ich hatte das Gefühl, dass ich noch nie besser Ski gefahren bin in meinem Leben. Aber ich hatte noch nie im Ski Cross so viele Probleme, um Rennen zu gewinnen. Das war eine komische Situation. Ich war mein größter Gegner, denn wenn ich auch nur den kleinsten Fehler gemacht habe, musste ich teuer dafür bezahlen - wie bei Olympia. Im nächsten Jahr werde ich mit mehr Selbstvertrauen an den Start gehen und ich habe mir vorgenommen, relaxter zu sein.

Ski2b: Wenn du zurückblickst: Was sind die größten Unterschiede im Ski Cross zwischen 2004 und heute? Wie hat sich der Sport weiterentwickelt?
Ophelie: Wir haben einfach viel mehr Rennen als damals, aber ich denke, ohne den ‚Druck‘ der Profi-Tour wie damals die Saab Salomon Series, die Jeep King Serie oder die Honda Ski Tour würden wir nicht das Beste aus unserem Sport herausholen. Im Weltcup haben wir zu häufig zu einfache und kleine Kurse, die uns nicht genug fordern. Das ist sehr schade, denn Ski Cross kann so beeindruckend sein und es sollte eine große Show darstellen. Man hat doch in Vancouver gesehen, was wir mit Ski Cross für eine Begeisterung auslösen können!

Ski2b: Was muss deiner Meinung denn dafür verbessert werden? Wo siehst du noch Probleme?
Ophelie: Wir brauchen professionelle Shaper, die früh genug in den Gebieten sind, um Änderungen durchführen zu können und die Strecken freizugeben. Zudem muss die FIS die Regeln respektieren und die Änderungswünsche angehen, die wir in unserem ‚Athletes Annual Report‘ abgegeben haben. Wir haben bereits darüber gesprochen mit ihnen, diskutiert und unsere Standpunkte klargemacht. Sie sollten sich einfach an die Regeln halten - das wäre super.

Ski2b: Was wirst du diesen Sommer so alles machen? Hast du schon was geplant?
Ophelie: Ich werde ein bisschen Mountainbike Downhill-Rennen fahren und dann Mitte Juli nach Korsika reisen, um zu Kiten und zu Windsurfen. Das wird toll! Im September werde ich wohl wieder mit dem Skifahren starten.

Ski2b: Letzte Frage: Werden wir Ophelie David auch bei Olympia 2014 in Sotschi sehen?
Ophelie: Das kann ich derzeit noch nicht beantworten. Ich weiß nämlich nicht, ob ich dann immer noch stark genug bin, um eine Medaille zu gewinnen. Ich weiß nicht, ob mein Körper die ganzen Schläge und Schmerzen weitere vier Jahre aushält und ob dann das Feuer noch in mir brennt. Aber wenn alles noch gut läuft, warum nicht? Das wäre doch lustig!

Ski2b: Ophelie, vielen Dank für das ausführliche Interview. Wir wünschen Dir einen schönen Sommer.