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Nach dem Weltcup-Finale in Garmisch-Partenkirchen ist nun ein guter Moment, um die Saison rückblickend noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Zum Schluss hat sich vieles auf die Österreicher und ihr Abschneiden fixiert. Was reißen sie noch nach den Olympischen Spielen? Und mit einem Riesendusel hat der Herbst die Slalomkugel ja noch gerettet. Aber der Hut brennt dennoch.

Wer wird neuer ÖSV-Chefcoach?
Es ist ja nun zu hören, dass einiges geändert wird und ich bin ehrlich gespannt, wie es sich weiter entwickelt. Meinen Namen habe ich zwischendurch auch gelesen, aber eine Anfrage an mich hat es nie gegeben. Der Neue wird es nicht leicht haben. Es gibt alte Strukturen, die so nicht mehr funktionieren. Jetzt muss man genau analysieren, was gemacht worden ist. Nicht alles kannst du auf einmal ändern.

Zu viele Köche ...
Ich bin der Meinung, dass im ÖSV zu viele Funktionäre für zu wenige Läufer da sind. Viele Köche verderben den Brei. Die Leistung verpufft, heraus kommt nur wenig und der Einzelne ist zu weit vom Läufer weg. Mehr ist eben nicht immer besser. Das sieht man am Beispiel Kroatien: Die sind mit drei Leuten am Hang unterwegs, das war's. Und die Leistung stimmt.

Erfahrung ist unbezahlbar
Und dann ist da noch etwas: Es braucht Leute an den entscheidenden Stellen, die früher erfolgreiche Rennläufer waren. Im ÖSV hast du jetzt viele normale Leute, die ihre Funktion schon sehr lange ausüben. Aber die haben nicht aktiv diese Situation miterlebt, Erfolg und Misserfolg gehabt. Das sind ja viele Emotionen im Spiel. Man muss sich in die Athleten auch hineindenken können. Die Problemlösung findet man jetzt nicht in einem Lehrbuch, das kann keiner machen, der frisch von einer Akademie kommt. Da braucht es Erfahrung.



Janka: Verdienter Sieger
Ich muss gestehen, ich hätte dem Janka die große Kugel eher nicht zugetraut, ich habe die Chancen vorab 60:40 für Raich gesehen. Daher ist es für mich um so höher einzustufen, was er geleistet hat. Der Benni Raich scheint seine Kräfte für Olympia gebündelt zu haben, denn beim Finale konnte er an seine Saisonleistungen nicht mehr anknüpfen. Sein Extratraining hat ihm da nicht viel genutzt. Diesen achten Platz hätte er in guter Verfassung doch blind gemacht. Vielleicht hat er da auch taktische Fehler gemacht über die Saison. Vielleicht hätte er doch auch in der Abfahrt starten sollen.

Neureuther endlich oben
Auch die Deutschen standen im Fokus in Garmisch. Es ist gut, dass der Felix Neureuther endlich angekommen ist, wo er seit fünf Jahren sein sollte. Er war ja schon immer einer der Schnellsten, aber nun glaubt er es auch selbst, das ist eine Kopfsache. Es braucht nicht mehr viel, dann kann er im nächsten Jahr um die Kristallkugel kämpfen. In vielen Ländern brauchst du ja nur einen Vorzeigesportler, und der Nachwuchs kommt von alleine. Das scheint in Deutschland so noch nicht zu funktionieren. Jedenfalls kommt derzeit hinter Neureuther nicht viel nach.
Und Maria Riesch: Da hat zum Glück nur noch die große Kugel gefehlt. Aber wenn sie im Riesenslalom und Super-G noch etwas zulegt, dann kann sie auch der Vonn Paroli bieten, die in dieser Saison wirklich dominant gefahren ist.

Lob für Garmisch-OK
Ein gutes Zeugnis möchte ich auch den Organisatoren in Garmisch-Partenkirchen ausstellen. Die Rennen dort sind ja immer höchst professionell. Von der Abfahrt sieht man im Zielraum nur den unteren flachen Teil, das ist ein Manko, aber sonst waren das tolle Rennen, auch im Riesenslalom und Slalom. Es wird 2011 eine sehr gute WM werden.

Weg von den Autobahnen
Und was bleibt für den Skisport von der Saison hängen? Wir haben in Whistler gesehen, mehr durch das Wetter als gewollt, dass eine unruhige, schlagige Piste für aufregende Rennen sorgt. Die Rennläufer können dann nicht mehr durchweg in Hocke fahren, das Tempo sinkt recht drastisch und es wird attraktiv. Stürze gab es bei Olympia bei den Damen nur, weil es zu lang ging. Und verletzt hat sich nur die Französin Rolland, die über den eigenen Stock gefallen ist. Warum nicht öfter auf ebene Pisten mit Top-Speed verzichten? Back to the roots, sozusagen.

Olympia als Vorbild
In diese Richtung ging ja auch der Nations Team Event, der als Parallel-Riesenslalom ausgetragen wurde. Ich mag diese Wettkampfform und erinnere mich noch an 1975, als beim Weltcup-Finale im Parallel-Slalom die Entscheidung fiel, das war ungemein spannend (damals gewann Gustav Thöni gegen Ingemar Stenmark in Gröden den Gesamtweltcup, Anm. d. Red. ). Der Kampf Mann gegen Mann und Frau gegen Frau, das ist attraktiv. Ich habe nie verstanden, warum man das nicht mehr im Weltcup gemacht hat. Auch Ski Cross sollte man meiner Meinung nach im Weltcup platzieren. Wenn man das in Vancouver gesehen hat - das ist sehr interessant gewesen. Vielleicht denkt darüber ja mal einer der Verantwortlichen nach!