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Gestern bin aus Kanada wieder zurück gekommen. Vor Ort bekommt man von Olympia noch einen viel besseren Eindruck. Es waren eigentlich tolle Spiele, sehr bunt gemischt, auch von den Erfolgen her. Es war ganz gut, dass die Kanadier noch ein tolles Eishockeyspiel abgeliefert haben, das hat die Stimmung im ganzen Land wirklich gehoben.

Besser geht's kaum
Für die Deutschen waren es sensationelle Olympische Spiele. Es hätte wohl keiner erwartet, dass es so gut läuft. Ich habe selbst nur den Slalom der Herren live gesehen. Vielleicht hätte man dort die Maria Riesch auch noch mitfahren lassen sollen. Der Felix Neureuther ist ja ganz gut weggekommen, dann aber an einem Tor ausgeschieden, wo es fünf andere auch erwischt hat. Das kann es geben, das ist Pech. Ich habe den Felix nach dem Ausfall nicht mehr getroffen, nach dem Gastspiel hatte er sicher auch keine Lust mehr zum Reden.

Rebensburg und Riesch: Doppel-Gold zum Schluss
Die Viktoria Rebensburg, die hatte ich als Medaillenanwärterin schon auf der Rechnung. Aber das sie gleich gewinnt, habe ich jetzt auch nicht gedacht. Das Wetter hat sie ein bisschen unterstützt, denn hinten heraus waren die Verhältnisse oben schon sehr viel schlechter. Wäre die Strecke zwei Tore länger gewesen, dann wäre die Görgl wohl noch an ihr vorbei gezogen. Aber das Rennen war dort aus, wo Rebensburg noch vorne war. Die Zweiteilung des Rennens, so etwas ist kein Problem und ja auch nicht zum ersten Mal passiert. In Morioka 1993 beim Riesenslalom der Herren gab es einen Schneesturm nach dem ersten Lauf. Das ist also alles OK.
Der Damen-Slalom war ein sehr spannendes Rennen, das muss ich sagen. Bei der Maria hat sicher die erste Goldmedaille dazu beigetragen, dass sie den zweiten Lauf so bombensicher herunter gebracht hat. Marlies Schild hat auch einen tollen Lauf ausgepackt. Sie war die einzige, die Riesch überhaupt fordern konnte.

Raich bäumt sich auf, Herbst zittert sich runter
Und was soll man zu den Leistungen der Österreicher sagen? Wenn man versucht, das Gute zu sehen, dann war es für mich überraschend, dass Benni Raich im Slalom doch so weit vorne gelandet ist. Er hat sich hier noch einmal aufgebäumt. Alle anderen inklusive Hirscher sind weit weg von ihrer normalen Form gefahren. Sei es im Riesenslalom, sei es im Slalom. Das ist schon bemerkenswert, denn wenn du eh schon so abschneidest in den Speed-Disziplinen, dann hast du nichts mehr zu verlieren, das wissen auch die Läufer. Und sich dann trotzdem noch so runterzuzittern, wie es der Herbst gemacht hat - zweimal hintereinander - das ist bemerkenswert.



Auf dem absteigenden Ast
Nun stellt sich die Frage nach den Konsequenzen. Es wird wohl welche geben müssen. Es ist ja nicht nur dieses Jahr, das nicht so gut gelaufen ist. Seit drei Jahren ist es schrittweise immer schlechter geworden, mit diesem Höhepunkt. Echte Abfahrtsläufer haben die ja gar keine mehr - wenn der Walchhofer auch aufhört, haben die keinen mehr in der ersten Gruppe. Der ÖSV ist der reichste Verband im Verhältnis zur Größe des Landes. Sie haben genügend Möglichkeiten. Es wird ihnen sicher etwas einfallen, wie es wieder nach vorne geht.

Kein Druck von unten
Es kann durchaus sein, dass die Österreicher auch ein Nachwuchsproblem haben. Diese Lücke ist sicher nicht von heute auf morgen zu schließen. Wenn jetzt die Jungen nicht nachrücken können - die Alten können ja schließlich nicht weiterfahren, bis sie 50 sind. Mit dieser Bilanz ist man nicht besser als eine alpine Bananenrepublik. Die Vergleiche mit Marokko oder Ghana, von denen ich gehört habe, sind aber etwas überzogen, so schlimm ist es wohl noch nicht ...

Kein Glück mit dem Wetter
Aber kommen wir zurück zu diesen Winterspielen. Woran erinnern wir uns wohl in ein paar Monaten? Ich werde das schlechte Wetter nicht vergessen - es war wirklich abnormal schlecht in den fünf Tagen, die ich vor Ort war. Dennoch sind die Rennen gut über die Bühne gebracht worden. Das Skigebiet in Whistler ist fantastisch, aber die Wetterverhältnisse waren ein Desaster.

Bode Millers Handball
In Erinnerung bleibt mir auch der Miller. Noch nach der Kombination hat er mir seinen Knöchel gezeigt - so etwas hab ich nur selten gesehen. Das war eher ein Handball als ein Knöchel. Wie er überhaupt in einen Skischuh hinein gekommen ist, wundert mich. Und dann fährt er noch solche Rennen - das war eine außerordentliche Leistung.
Enttäuscht hat mich die geringe Zuschauerzahl vor Ort. Ich habe bei einem Europacup in Bansko (in Bulgarien, Anm. d. Red.) schon mehr Menschen gesehen als beim Herren-Slalom. Und der Hang selbst - naja, wenn man beide Augen zudrückt, dann war er wohl akzeptabel. Mehr aber auch nicht.

Weltcup: Chance für die Gescheiterten
Für die Athleten geht es schon an diesem Wochenende weiter. Ein echter Rennläufer kann ein schlechtes Ergebnis abhaken und die Kerbe auswetzen, zum Beispiel bei der nächsten WM. Der Weltcup ist eine gute Kompensation. Ich kann mir vorstellen, dass der Benni Raich gut fährt, das ist seine Chance, die Saison zu retten. Und das wird anderen auch so gehen, der Felix Neureuther wird auch versuchen, beim Finale ordentliche Rennen hinzulegen. Aber das Augenmerk der Beobachter wird am Ende der Saison auf den Ergebnissen der Spiele liegen - so ist das eben.