Carlo Janka aus der Schweiz hat bei den Olympischen Spielen den Riesenslalom gewonnen. Der Weltmeister siegte in Whistler mit 0,39 Sekunden Vorsprung vor dem Norweger Kjetil Jansrud. Dessen Landsmann Aksel Lund Svindal holte nach Gold im Super-G und Abfahrtssilber diesmal Bronze.

Neureuther mit starker Leistung
Eine hervorragende Leistung zeigte Felix Neureuther: Der Partenkirchner fuhr mit der hohen Startnummer 33 im ersten Durchgang zunächst auf Position 13 vor und verbesserte sich im Finale um weitere fünf Plätze. Der achte Rang ist die beste Riesenslalom-Platzierung seiner Karriere überhaupt und ein gutes Omen für den noch anstehenden Spezialslalom. Der einzige deutsche Starter zeigte sich selbst bei seinem Olympia-Debüt positiv überrascht: "Das ist ein unglaublich schönes Gefühl."

Hohe Leistungsdichte in Durchgang eins
Beim Kampf um die Goldmedaille hatte sich ein spannendes Finale angekündigt. Wie in den vorigen Wettbewerben lagen die Teilnehmer nach dem ersten Durchgang nur um Hundertstel auseinander. Die Bestzeit hielt dabei Carlo Janka, aber nur zwei Hundertstel dahinter lauerte mit Romed Baumann der erste Österreicher. Aksel Lund Svindal hatte nur 16 Hundertstel Rückstand, bis zum Elften Kjetil Jansrud waren es nur acht Zehntelsekunden. Große Hoffnungen auf Edelmetall durften sich insbesondere die Stars aus Österreich machen, die neben Baumann noch Marcel Hirscher und Benni Raich auf den Plätzen fünf und sechs in Schlagdistanz wussten.

Österreich geht erneut leer aus
Doch es sollte wieder eine Pleite geben für das ÖSV-Team. Im Finale patzte Benni Raich erneut an einem Geländeübergang - er riss ein Tor ein, wurde herumgerissen und verlor stark an Tempo. Auch Marcel Hirscher kam nicht fehlerfrei durch den ruppigen Hang und verpasste am Ende die Medaille als Vierter knapp - nur acht Hundertstel fehlten ihm zum Glück. Als dann Romed Baumann mit einem viel zu vorsichtigen Lauf seine Chance nicht nur auf Gold, sondern auch auf die weiteren Podiumsplätze vergab, da war die nächste Pleite der Skination Nummer eins perfekt. Vor dem abschließenden Slalom warten die Herren weiter auf eine Medaille.



Jansrud rast nach vorn
Der erste, dem im Finale ein richtig guter Lauf glückte, war der Kanadier Erik Guay, der sich damit vor seinen Landsleuten immerhin auf Position 16 nach vorne fahren konnte. Besser als Guay fuhr diesen Lauf nur Kjetil Jansrud aus Norwegen. Vor allem in den letzten Toren entwickelte er die volle Geschwindigkeit und setzte sich zehn Fahrer vor Schluss an die Spitze des Klassements, ohne dabei bereits an eine Medaille denken zu können. Doch die folgenden Fahrer verpassten allesamt seine Vorgabe. Als selbst Landsmann Aksel Lund Svindal sich hinter Jansrud einreihte, jubelte dieser erstmals über Edelmetall. Am Ende blieb ihm nur der Sprung nach ganz vorne verwehrt.

'Iceman' Janka sichert Olympiasieg
Man kann nicht sagen, dass sich Carlo Janka von Beginn an auf der Dave-Murray-Piste wohl gefühlt hatte. Doch am 23. Februar schloss er mit ihr seinen Frieden. Mit großem Vorsprung ging er in den finalen Lauf und fand die richtige Mischung aus Aggressivität und Gefühl. Im Ziel behielt er 39 Hundertstel und starrte fast ungläubig auf die aufleuchtende 'Eins' - dann konnte er seiner Freude über den größten Erfolg seiner Karriere freien Lauf lassen.

Favoriten straucheln
Nicht allen Favoriten erging es wie Janka. Der Weltcup-Führende Ted Ligety musste sich nach zwei schwächeren Vorstellungen mit Rang neun begnügen. Nach einem desaströsen ersten Lauf konnte sich Sölden-Sieger Didier Cuche nur noch auf Rang 14 vorfahren. Die Italiener hatten nach Durchgang eins noch auf Max Blardone gehofft, der im Finale aber patzte und so auf Rang elf zurückfiel. Seine Teamkollegen Simoncelli, Mölgg und Ploner enttäuschten auf der ganzen Linie. Auch Bode Miller musste eine weitere Medaille bald abhaken, nach einer wilden Fahrt schied er erstmals aus.

Exotenparade
103 Starter wies das Riesenslalomfeld auf, rund 30 von ihnen hatten vorher noch nie ein Rennen auf Weltcup-Niveau bestritten. So kam es, dass die Fahrer aus Ländern wie Indien, dem Senegal oder Pakistan bis zu 57 Sekunden Rückstand auf Olympiasieger Janka anhäuften. Da bei Olympischen Winterspielen im Finale nicht nur die besten 30 antreten, kamen die 'Exoten' zu zwei vollen Läufen - eine echte Bereicherung für die Zuschauer vor Ort.