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Morgen Nachmittag startet für mich das Abenteuer Olympia, dann fliege ich nach Kanada. Wobei ich eigentlich dort einen Geschäftspartner treffe. Aber das mit den Olympischen Spielen zu verbinden, ist natürlich toll. Und wenn ich schon da bin, sehe ich mir natürlich auch die Rennen an.

Der olympische Geist lebt
Ganz generell finde ich Olympia faszinierend. Es gibt ganz wenige Ereignisse, wo die ganze Welt in Frieden Wettkämpfe ausführt, ohne Aggressionen oder Terror. Ich glaube, das ist das Allerwichtigste. Es ist der erste Schritt, normal mit anderen Nationen auszukommen, wenn es auf anderen Ebenen nicht so gut funktioniert. Das ist die wichtigste Botschaft der Olympischen Spiele. Und aus Vancouver bekomme ich viele positive Meldungen.

Österreich im Jammertal
Die letzten Rennen haben unter anderem ja auch eine Goldmedaille für die Österreicher gebracht, durch Andrea Fischbacher. Aus Sicht meiner Landsleute macht es daher Sinn, die Bewertung der Damen- und der Herrenbewerbe zu verbinden, so schnell es geht. Wenn man nämlich die Herrenbilanz alleine anschaut, dann war es wohl zuletzt in Sarajevo 1984 so dramatisch wie jetzt. Denn in der Form, wie der Benni Raich gefahren ist in der Kombi, wird er im Slalom keinen Blumentopf gewinnen - und im Riesenslalom auch nicht. Also bleiben nur noch Hirscher, Herbst und Pranger übrig. Und vor allem der Slalom ist eine ausfallgefährdete Disziplin.



Super-G: Schlecht geplant
Und das Debakel im Super-G ist bemerkenswert. Ich glaube, es hat nicht damit zu tun, dass die Rennläufer so viel schlechter fahren. Ich glaube, dass es ein taktisches Problem war. Die Österreicher haben das Rennen falsch eingeschätzt. Einen Super-G muss man akribisch planen, damit der Lauf sitzt. Und so elementare Fehler wie da passiert sind, die darf es einfach nicht geben. Ich muss die Läufer ein bisschen in Schutz nehmen. Die haben eine Armada an Leuten auf der Strecke, um die wirklich wichtigen Informationen raufzuschicken. Alle anderen können es - nur bei den Österreichern funktioniert es nicht. Da sind einige Leute nur dabei, um dabei zu sein - produktiv sind sie nicht. Sollte es auch bei den technischen Rennen nichts geben für die Österreicher, dann können sie natürlich trotzdem wieder nach Hause kommen - in Österreich ist man so etwas von den Fußballern ja bereits gewohnt. Wir haben eine dicke Haut gekriegt in den letzten Jahrzehnten.

Miller ist der Athlet der Spiele
Nach sechs Wettbewerben kann man bereits ein kleines Zwischenfazit ziehen. Ich denke, dass die Rennen bisher sehr attraktiv sind. Es hat andere Großereignisse gegeben, wo das Niveau eher flach war. Was mich überzeugt: Vonn, Mancuso, Weibrecht und Miller - die Amerikaner können sich einfach besser motivieren. Ich glaube, das hat mit der Gesamteinstellung der Mannschaft zu tun. Statt Druck wird den Läufern Motivation eingeimpft. Ich habe gehört, das Bode Miller einer der mannschaftsfreundlichsten Amerikaner war. Das kenne ich von Phil und Steve (Mahre, Anmerkung der Redaktion), aber damals war die Mannschaft auch so klein. Zusammen als Team sind die Amerikaner stärker als andere Mannschaften. Ich glaube, das wirkt sehr leistungssteigernd. Und Bode Miller ist sicher der Athlet der Spiele aus alpiner Sicht. Diesen Status hat er sich jetzt schon erworben. Er hat mir im Januar in Kitzbühel noch seinen Fuß gezeigt, der hat wirklich miserabel ausgesehen. Mit dieser Vorgeschichte ist das eine sensationelle Leistung. Ich gratuliere ihm jedenfalls - das muss ihm erst einmal einer nachmachen.

Wer bolzt am besten?
Ein Wort zum Slalomhang der Super-Kombi bei den Herren: Das hatte mit Slalom nicht viel zu tun. Das ist ein Flachstück. Es gibt nur einen, vielleicht zwei kleine Übergänge - sonst ist nichts drin, auch keine Richtungsänderung. Dagegen ist der Slalom in Kitzbühel ein Sahnestückchen. Viel mehr Schwierigkeit als in einer Skihalle sehe ich nicht. Bei den Wetterverhältnissen kann das eine richtige Bolzerei werden. Wenn der Schnee bei Plusgraden mit Chemikalien behandelt wird, dann muss übrigens die Startnummer eins kein so großer Vorteil sein. Die Zusätze festigen den Schnee, machen ihn aber auch ein bisschen langsam. Ich könnte mir vorstellen, dass die ersten Nummern da am planen Hang Probleme haben. Und hinten raus kann es durchaus ein paar Überraschungen geben.

Riesch und Zettel Top-Favoritinnen
Bei den Damen ist die Zettel im Riesenslalom für mich die Top-Favoritin. Im Slalom wird Maria Riesch auf ihrem aktuellen Hoch schwer zu schlagen sein. Aber Marlies Schild hat auch nichts zu verlieren. Und dann gibt es ja auch noch die kleine Riesch, die Susanne. Ich bin jedenfalls schon gespannt und werde die Rennen genau verfolgen.