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Bislang ging ja nicht alles nach Plan bei diesen regnerischen Winterspielen. Aber gestern, bei der Damen-Abfahrt, konnte man nichts gegen das Wetter sagen. Es war eines der attraktivsten und besten Rennen, die ich im Damenrennsport je gesehen habe. Sie war insgesamt gesehen auch interessanter als die Herren-Abfahrt.

Weitenrekord für Pärson
Die Abfahrt war nicht zu schwer. Ich glaube auch, dass die Sprünge OK waren. Der Sturz von der Pärson - das war wirklich ein gewaltiger Flug. Ganz am Schluss sind eben alle schon sehr müde und dann kann man sich nicht mehr hundertprozentig vorbereiten auf einen solchen Sprung. Sie hatte definitiv zuviel Rücklage, hatte einen kleinen Fehler kurz zuvor und ist nicht mehr in die zentrale Position gekommen. Pärson hatte Glück im Unglück, dass sie noch einigermaßen gerade gelandet ist. Nach 60 Meter Flug! Wenn sie durchgekommen wäre, hätte sie Silber gewonnen. So hat sie zumindest den Weitenrekord ganz klar für sich entschieden.

Verdientes Gold für Vonn
Lindsey Vonns größte Leistung gestern war sicher, dass sie trotz der gesundheitlichen Probleme, die sie mit dem Schienbein hatte - das ist nämlich wirklich sehr schmerzhaft - die Zähne zusammen beißen und das Rennen in alter Manier für sich entscheiden konnte. Sie ist einfach ohne Diskussion die beste Skifahrerin im Moment.

Riesch hat noch alle Chancen
Leider hat Maria Riesch nicht so gut abgeschnitten, aber da hat sicher auch der Sturz von Anja Pärson eine große Rolle gespielt. Es gab ja auch vorher schon Unterbrechungen. Das ist an und für sich kein größeres Problem. Aber wenn du direkt am Startplatz stehst und minutenlang warten musst - das ist schon ein bisschen schlimm. Ich glaube, dass die Maria sich wie bei der WM auf den Slalom konzentriert, zudem auf die Kombi vielleicht. Dort sind ihre Siegchancen so viel höher. Gestern wollte sie wohl nicht ihre Knochen riskieren - das ist durchaus verständlich. Ich denke, dass sie noch ein bis zwei Medaillen abräumen wird.



Pleite für Österreich
Die Herren-Abfahrt war übrigens auch auf keinen Fall langweilig. Es ist ganz anders ausgegangen, als sich das manche Leute vorgestellt haben. Vom Defago ist monatelang kein Wort geschrieben worden, auch nicht in Schweizer Zeitungen. Es ging nur um Cuche und Janka. Sie waren nicht allzu weit hinten, aber es hat den Schweizern schon gutgetan, dass sie hier eine ordentliche Duftmarke gesetzt haben. Die Österreicher haben wie so oft zuletzt in der Abfahrt durch die Finger geschaut und suchen jetzt verzweifelt nach Ausreden.

Kein falscher Didier
Defago ist ein verdienter Olympiasieger. Er hat es letztes Jahr schon bewiesen in Wengen und Kitzbühel. Und wer dort gewinnt, der ist ein Favorit, auch wenn es in dieser Saison noch nicht so lief. Auch Svindal war bei mir ein Geheimtipp. Bei so einem wichtigen Event sind die Norweger und die Amis immer vorn, die können einfach etwas drauflegen. Miller war oben einfach eine Klasse besser. Und dann hat er nicht einmal Fehler gemacht. Der Fehler war, dass er im Sommer nicht trainiert hat. Er hat schlicht zuwenig Kraft gehabt, um das Höllentempo von oben durchzuziehen bis ins Ziel. Zwei Wochen Training im September oder August hätten da schon gereicht. Aber wer sechs Monate keinen Schritt macht und im September anfängt, seine Turnschuhe anzuziehen, der muss sich nicht wundern, wenn er nur Dritter wird.

Die Zeit reicht
Um das weitere Programm mache ich mir übrigens keine Sorgen. Das hat es früher auch schon gegeben. Man hat damals in Sarajevo dauernd die Abfahrt verschoben, auch bei der WM in Schladming, lang ist's her, da konnte man vier, fünf Tage wegen Regens keine Abfahrt fahren. Das waren noch tolle Rennen hinterher. Es ist also eigentlich egal, man hat ja noch genügend Zeit für die Bewerbe.

Die positive Seite des Drucks
Ich freue mich vor allem auf die technischen Rennen. Da werden die meine Landsleute aus Österreich als Favoriten auftreten, vor allem mit Benni Raich. Die Aufmerksamkeit wird hoch sein, weil die Abfahrt so in die Hose gegangen ist. Im Super-G haben sie auch nicht die besten Karten. Der Druck wird also steigen, aber Druck ist normalerweise für den Rennläufer ein Aphrodisiakum, um noch mehr Leistung zu bringen. Viel Druck ist immer ein guter Motivator. Und sportlich können die olympischen Rennen durchaus so weiter gehen. Schauen wir es uns an!