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Peter Fill hatte nur ein Rennen, um sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren - und das hat bei der schwierigen Abfahrt in Wengen funktioniert. Hier erzählt er, wie er die Verletzung überstand und sich wieder auf Rennsportniveau annäherte.

Frage: Hallo Peter. Wir möchten mit dir wenige Tage vor dem Start der Olympischen Spiele über deine Ziele sprechen. Letzte Saison warst du als Vize-Weltmeister sehr erfolgreich, aber im Sommer hast du dich in Argentinien vor dieser Olympiasaison schwer verletzt. Wie hast du das rückblickend erlebt?
Peter Fill: Ich war emotional niedergeschlagen: enttäuscht und betrübt. Nach der letzten Wintersaison habe ich im Sommer hart an mir gearbeitet, um in dieser wichtigen Saison gerüstet zu sein, aber dann kam es zu dieser schweren Verletzung. In den ersten Tagen dachte ich, die Saison ist für mich bereits zu Ende, bevor sie überhaupt los geht.

Frage: Aber du hast sofort alle Kraft in die Rehabilitation gesteckt und vor wenigen Wochen hast du dir wieder die Skier angeschnallt. Wann hast du begonnen, an einen Olympiastart zu glauben?
Peter: Es ging alles sehr langsam und mein Körper hatte extrem an Muskelmasse (8 kg) verloren. Ich habe begonnen auch andere Sachen zu machen, wie zum Beispiel als TV-Kommentator zu arbeiten oder bei der Rallye in Monza mitzumachen. Aber dann kam der Zeitpunkt an dem es schnell aufwärts ging und diesen Moment habe ich genutzt.

Frage: Zum Jahresende warst du als Vorläufer bei der Weltcup-Abfahrt in Bormio am Start und dann im Europacup in Wengen.
Peter: Bormio war sehr wichtig aber auch delikat. Ich hatte große Zweifel bezüglich meiner körperlichen Verfassung und die hohen Geschwindigkeiten und weiten Sprünge waren nur schwer überwindbar: Ich hatte Angst, mir wieder weh zu tun. Als ich im Ziel war, kamen mir die Tränen und ich wusste, das ich Großes erreicht habe und dass ich wieder ans Rennfahren denken kann. Bei der Europacup-Abfahrt in Wengen wollte ich als Vorläufer wissen, wo ich liege. Die Bestzeit gab mir Vertrauen, dass ich wieder schnell fahren kann, auch wenn es kein Weltcup-Rennen war und ich nur als Vorläufer am Start war.



Frage: Dann ging's zum ersten Rennen. Zur schweren Weltcupabfahrt am Lauberhorn, wo du als Achter alle Erwartungen bei Weitem übertroffen hast ...
Peter: Wengen war eine unglaubliche Kraftprobe in vielerlei Hinsicht: Schwierig, lang, weite Sprünge und auch mental war dieses erste Rennen nach der langen Pause sehr anstrengend. Bereits bei den Probefahrten war ich sehr schnell, was nach dieser Verletzung positiv überraschend war.

Frage: Die Trainer sagen, dass du mit einer besseren Startnummer ein Kandidat fürs Podium gewesen wärst ...
Peter: Ich hatte etwas Pech, weil die Sicht nicht mehr gut war, als ich mit Nummer 25 fuhr, aber ich war sehr zufrieden, dass ich mit einem einzigen Rennen die Qualifikation für die Olympischen Spiele geschafft habe.

Frage:Fährst du in Vancouver nur in der Abfahrt?
Peter: Es hängt davon ab, wie ich körperlich drauf bin, nachdem mein Körper noch nicht die Topform nach der Verletzung erreicht hat. Wenn ich nach der Abfahrt noch ausreichend Kraft habe, werde ich auch im Super-G und in der Kombination am Start stehen. Ich hoffe, es reicht dafür.

Frage: Wie trainierst du in den letzten Tagen vor dem Großevent?
Peter: Ich versuche hier in Kanada, ein Gefühl für den Schnee zu bekommen, die Zeitumstellung gut zu überbrücken, um bei der Abfahrt ausgeruht am Start zu stehen. Es hat keinen Sinn jetzt in den letzten Tagen mit Kraft- und Ausdauertraining mit Gewalt zu versuchen, das Versäumte nachzuholen.

Frage: Letzte Saison hast du bei der WM Silber gewonnen. Was erwartest du dir hier in Vancouver?
Peter: Im Gegensatz zur WM habe ich dieses Mal keinen Druck. Niemand erwartet sich von mir nach der Verletzung Großartiges. Ich werde alles geben und diese Olympischen Spiele genießen, die vor einigen Monaten für mich noch außer Reichweite wahren.

Frage: Wer sind die Favoriten?
Peter: In der Abfahrt: Walchhofer, Cuche und Osborne-Paradis. Im Super-G: Svindal, Raich und wie immer Cuche.

Frage: In Val d'Isère hast du für Italien die einzige Medaille bei den Männern gewonnen. Glaubst du in Kanada könnte es für die "Azzuri" besser laufen?
Peter: WM und Olympia sind besondere Rennen: Die Form alleine reicht nicht, man benötigt auch Glück an diesem Tag. Unsere Herrenmannschaft ist gut drauf, deshalb werden wir sicherlich ein Wörtchen mitreden bei der Medaillenvergabe.

Danke für deine wertvolle Zeit und viel Erfolg in Vancouver.