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Es war bestimmt keine langweilige Ski-Saison bisher. Ein paar Charaktere ragen dabei heraus. Die Lindsey Vonn ist sicher dominierend im Moment. Maria Riesch kommt fast da hin, aber im Speed ist die Vonn gerade stärker. Eins muss man der Maria anrechnen: Sie ist immer hart an ihren Fersen. Und wenn es an den Herrenski liegt, dann muss halt die Riesch auch auf den Herrenlatten auf die Runde gehen. Ich würde es zumindest probieren, wenn's die Vonn macht.

Raich taktisch, Janka ohne Konstanz
Und bei den Herren? Ich hab schon Mitte der Saison gedacht, dass der Benni Raich nicht mehr auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit ist. Aber er hat taktisch gewaltig dazu gelernt. Er hat jetzt diese Coolheit, mit er sich früher ein, zwei große Kugeln hätte sichern können. Jetzt kann er mit einer für ihn sehr mäßigen Saison den Weltcup wahrscheinlich für sich entscheiden. Janka ist der Mann der Zukunft. Er hat einen wahnsinnig ästhetischen und eleganten Stil, ihm fehlt aber die Konstanz: Da gewinnt er ein Rennen und wird im nächsten Zehnter. Das sollte einem Spitzenläufer wie ihm nicht passieren. Wenn er gewinnen kann, sollte er wenigstens unter die besten Fünf kommen, falls es mal schlecht läuft.

Miller: Eine Frage der Einstellung
Und dann gibt es da noch einige andere. Ein Bode Miller etwa - abgesehen von seinem Sommertraining. Da hat er sich beim Volleyballspielen verletzt, das ist eine sehr eigenartige Einstellung. Wenn ich so eine wichtige Saison vor mir habe, dann spiele ich einfach kein Volleyball. Ich muss doch überlegen: Wo verdiene ich das Geld? Beim Volleyball oder beim Skifahren? Das Risiko ist einfach zu groß. Obwohl er jetzt ein paar gute Rennen gefahren ist, ist er natürlich meilenweit von seiner Bestform entfernt.



Pärson ist alles zuzutrauen
Das gilt für den Svindal genauso: Ab und zu flackert da mal was auf, aber auch ihm fehlt die Konstanz. Und jetzt ist nicht mehr allzu viel Zeit bis Olympia. Anders bei Anja Pärson. Bei ihr kann ich mir vorstellen, dass sie bei den Spielen etwas reißt. Sie ist eine der Allergrößten, die es je gegeben hat. Aber so abräumen wie 2007 bei der WM? Nein. In jedem Jahr baut man in ihrem Alter im Skisport ab - und alleine fünf Prozent Leistung sind dann eben schon Welten.

Neureuther siegt, alle freuen sich
Glückwunsch an den Felix Neureuther: Das war wirklich nicht nur für Deutschland, sondern für alle Nationen ein Freudenausbruch in Kitzbühel, als der Felix endlich mal gewonnen hat. Deutschland ist der größte Skimarkt und wenn es wenigstens einen Läufer gibt, der siegfähig ist, dann kann das allen, die mit dem Skisport verbunden sind, nur zugute kommen. Deshalb waren da auch die Österreicher und die Schweizer froh. Ich denke, der Felix hat wirklich Chancen, in Whistler ganz vorne mitzumischen.
Bei den deutschen Damen ist der Druck sicher ein bisschen verteilt, weil es mehr Sieganwärter gibt mit Hölzl und Riesch. Und die Rebensburg mit ihrer Aggressivität: Ihr ist durchaus zuzutrauen, dass sie im Riesenslalom gewinnen kann.

Verletzungsmisere: Die Belastung ist zu hoch
Was uns begleitet hat in diesem Winter sind leider zahlreiche Verletzungen. Es ist so, dass sich die Rennläufer in der Carving-Ära in Verbindung mit Skischuhen, Bindungsplatte und glatteren Pisten immer mehr an der Grenze der Belastbarkeit bewegen. Man sieht immer öfter etwas wie bei Tina Weirather: Die Belastung ist exrem, dann kommt ein kleiner Schlag und das Kreuzband reißt, ohne dass ein Sturz da ist. Das hat es früher ganz, ganz selten bei Sprüngen gegeben. Heutzutage ist es fast an der Tagesordnung, dass es einfach mitten in der Kurve passiert. Da muss man sich einmal Gedanken machen. Ist es sinnvoll, dass man mit diesem Reglement weiterfährt? Der fünfte Sicherheitszaun nutzt ja auch nichts, wenn das Knie schon im Tor kaputt ist.

Vom Mittelalter in die Neuzeit
Man muss den Hebel woanders ansetzen. Wo können wir optimieren, damit es sicherer wird, ohne die Attraktivität des Sports zu beeinträchtigen? In der Formel eins gibt es jedes Jahr neue Reglements, um die Sicherheit der Fahrer und Zuschauer zu erhöhen. Beim Skisport geht es immer in eine Richtung. Man hat zwar zuletzt mit Bindungsplatte und Taillierung ein bisschen korrigiert, man ist von 21 bis 22 Meter Radius auf 27 Meter hochgegangen. Aber wenn man sich vorstellt, dass man in den 80er Jahren 65er, 70er, 75er Radien gefahren ist in den Slalom und Riesenslalom Ski, dann kann man sich vorstellen, was das für ein Unterschied ist. Mittelalter und Neuzeit - anders kann man das gar nicht ausdrücken.

Eine Lösung für den Nachwuchs
Man muss hier einen starken Bruch machen mit der Tradition. Es ist sicher keine Lösung, einfach ein paar Jahre abzuwarten. Vor allem viele Jugendliche, deren Gelenke noch nicht so stark sind, verletzen sich im zarten Alter von zwölf, 13, 14 Jahren, ohne dass sie etwas dafür können - nur weil das Material so aggressiv ist. Die FIS und die Verbände müssen hier in die Pflicht genommen werden, um neue Lösungen und Wege zu suchen. Die Hersteller richten sich immer nach den Vorgaben der FIS und entwickeln sich in diesem Rahmen weiter. Man wird sicher nicht an einem Tag die Lösung finden, um diese Verletzungsorgie im Weltcup zu unterbinden. Aber Schritt für Schritt sollte man sich bewegen, damit die Rennläufer vom Risiko runterkommen.