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Viel Kritik prasselte nach den ersten Speedrennen der Herren auf Stephan Keppler ein - in Bormio gelang ihm dann aber ein kleiner Durchbruch. Wir sprachen mit ihm über seine Sicht der letzten Wochen und die Veränderungen, die zum Erfolg führten.

ski2b.com: Hallo Stephan. Glückwunsch zum Jahresabschluss in Bormio - dieser 13. Platz muss ja wie ein Befreiungsschlag für dich sein. Wie kam es zu dieser Leistungsexplosion?
Stephan Keppler Danke, ja es war eine riesige Erleichterung, dass es endlich mal geklappt hat. Ich habe schon fast an meinem fahrerischen Können gezweifelt. Ich denke der Hauptgrund war, dass ich meinen Skischuh komplett umgebaut habe. Im Dezember hatte ich ziemliche Set-up Probleme, da ich durch eine Rückenverletzung nicht ausreichend testen konnte im Vorfeld. Dazu kommt noch, dass Bormio eine von meinen Lieblingsabfahrten ist, auf der ich schon öfter mal schnell unterwegs war, es aber leider nie bis ins Ziel gebracht habe.

ski2b: Dabei waren die Rahmenbedingungen denkbar schwierig. Charly Waibel hatte vorher deutliche Worte über die bisherigen Resultate aller Herren gefunden. Wie habt ihr das intern verarbeitet?
Stephan: Es war ja allen klar, dass die Leistungen indiskutabel waren, vor allem meine. Nichts desto trotz wollten wir uns davon nicht runterziehen lassen und haben viel nach einem Weg raus dem Loch gesucht. Bei mir scheint das funktioniert zu haben, die anderen kommen aber auch besser in Form. Da es immer noch eine Einzelsportart ist, muss man schon jeden separat behandeln. Ich persönlich fand die Leistungen von Tobi Stechert und Andi Strodl z.B. in Lake Louise sehr gut - auch wenn die Medien das nicht so sahen.



ski2b: Dann kam das gute erste Training - und im Anschluss der Sturz im zweiten. Wie hast du die Tage in Bormio vor dem Rennen erlebt?
Stephan: Ich habe mich von dem Sturz nicht ablenken lassen. Wenn nichts passiert, ist sowas kein Problem. Kleine Blessuren bleiben zwar nicht aus, aber ich war schnell unterwegs bis dahin und ging mit einem guten Gefühl ins Rennen.

ski2b: Du hast dich dabei an der Hand verletzt. Was genau ist da passiert - und wie stark beeinträchtigt dich die Verletzung?
Stephan: Das an der Hand war eigentlich gar nichts, die Schwellung war bis zum Abend wieder weg und somit am nächsten Tag vergessen.

ski2b: Hast du bei deinem Unfall an Tobias Stechert gedacht?
Stephan: Wenn man stürzt, sind die einzigen Gedanken, wie man die Ski weg vom Schnee bekommt um keine Knieverletzung davon zu tragen. Es ist sehr schade, dass Tobi sich wieder das Kreuzband gerissen hat, besonders weil er so schnell wie noch nie war. Aber ich bin mir sicher, er kommt nächstes Jahr wieder stark zurück.

ski2b:Jetzt hast du ein Ergebnis in der Tasche. Können wir darauf hoffen, das diese Leistung keine Eintagesfliege bleibt und du dich sportlich für Olympia qualifizierst?
Stephan: Na das hoffe ich doch! (lacht) Es sind zwar nur noch fünf Rennen, aber speziell in Kitzbühel rechne ich mir gute Top 15 Chancen aus.

ski2b: Wieviel Steigerungspotenzial siehst du bei dir selbst noch?
Stephan: Es gibt da noch einiges, was ich verbessern kann und muss, aber wenn wir weiterhin hart arbeiten, kommen wir auch ans Ziel. Nachdem ich jetzt weiß, dass ich das Skifahren nicht verlernt habe, fallen einige Sachen leichter und somit auch öfter gute Ergebnisse.

ski2b: Wie ist die Stimmung im Speed-Team? Dein Ergebnis müsste doch auch den anderen Mut gemacht haben - oder?
Stephan: Auf jeden Fall, es ist nicht nur sehr viel Druck von mir abgefallen, sondern vom kompletten Team. Es hat den anderen genauso wie mir gezeigt, dass wir nicht so schlecht sind wie es lang ausgesehen hat. Ich hoffe, sie können das positiv nutzen und fahren ab jetzt so, wie sie es eigentlich drauf hätten.

ski2b: Nach Bormio ist dein nächster Start erst wieder in Wengen, also Mitte Januar. Es sprach also eigentlich nichts dagegen, dass du dein Ergebnis zum Jahreswechsel ordentlich feierst. Hast du es krachen lassen?
Stephan: Ich habe natürlich ein bisschen gefeiert, aber am 2. Januar stand schon wieder Training an und diese Woche ist Europacup in Wengen, den wir natürlich als Vorbereitung nutzen wollen. Trotzdem schadet es überhaupt nicht, wenn man mal den ganzen Leistungsdruck vergessen kann.