Vor den Speed-Rennen in Gröden spach ski2b mit Tobias Stechert. Der 24-jährige DSV-Athlet glaubt daran, "beständig unter die Top 30 fahren" zu können. Zudem hofft er noch darauf, sich für die Olympischen Spiele in Vancouver zu qualifizieren. Einen Teil der Norm will er in Gröden knacken.

ski2b.com: Hallo Tobias, in diesem Jahr gehörst du fest zum deutschen Weltcupteam im Speed-Bereich. Bei den ersten Rennen der Saison konntest du in Lake Louise im Super-G einmal als 21. Punkte sammeln. Bist du zufrieden?
Tobias Stechert: Mit dem Super-G-Ergebnis bin ich zufrieden. Die Abfahrt war schon enttäuschend, nachdem ich im Training 16. war. Außerdem schätze ich mich in der Abfahrt noch stärker ein als im Super-G.

ski2b: Trotzdem erntet das Speed-Team immer wieder viel Kritik. Wie siehst du die Situation der deutschen Herren?
Tobias: Es ist klar, dass es nicht toll ausschaut, wenn der beste Deutsche auf Rang 35. ist. Ich finde, man darf diese Ergebnisse nicht schönreden, aber auch nicht überbewerten. Wir brauchen eben Zeit und mehr Erfahrung.

ski2b: Was hat sich mit dem neuen Trainerteam verändert? Geht ihr neue Wege?
Tobias: Der neue Abfahrtstrainer, der Aschauer Tom, ist ja eigentlich gar kein neuer. Wir kennen ihn schon sehr lange und kommen alle bestens mit ihm klar. Mit dem neuen Herrenchef Charly Waibel haben wir eine neue Vertrauensbasis zwischen Trainer und Athleten geschaffen. Es wird über alles offen geredet und Entscheidungen werden gemeinsam getroffen.

ski2b: Wie beurteilst du dein eigenes Leistungsniveau?
Tobias: Ich bin sehr froh, dass ich auf eine relativ verletzungsfreie Vorbereitung zurückblicken kann, was die letzten sechs Jahre eben nicht so war. Ich habe mich im Riesenslalom erheblich gesteigert, was mir auch in den Speed-Disziplinen zu gute kommt. Momentan behaupte ich, kann ich beständig unter die Top 30 fahren und mit super Fahrten kann ich die Top 15 erreichen.

ski2b: Hast du dir Vorbilder im Weltcup gesucht? Bei welchem aktuellen Skirennläufer schaust du am genauesten hin?
Tobias: Mein großes Vorbild war immer der Berni Huber: Leider ist die Technik, die er damals gefahren ist, heute ziemlich veraltet. Didier Cuche ist immer gut anzuschauen.

ski2b: Mit Gröden beginnt langsam aber sicher die Zeit der Klassiker, es folgen Bormio, Wengen und Kitzbühel. Was macht diese Strecken aus?
Tobias: Es sind nicht umsonst die sogenannten Klassiker. Was Gröden mit den vielen Sprüngen interessant macht, ist in Wengen die Länge der Abfahrt. Kitzbühel und Bormio "glänzen" hauptsächlich durch das extreme Präparieren der Pisten, was meiner Meinung nach auch manchmal übertrieben wird.

ski2b: Wie sieht es bei dir mit Nervosität oder auch Angst aus, wenn man am Start der Streif oder auf dem Lauberhorn steht?
Tobias: Die Streif bin ich noch nie gefahren. Vom Lauberhorn kann ich sagen, dass sich die Nervosität in Grenzen hält. Eine gewisse Anspannung ist immer da, die muss man auch haben, um richtig angreifen zu können.



ski2b: In Gröden wird die FIS über die vielen Verletzungen sprechen, über die zuletzt leider oft zu berichten war. Was erhoffst du dir aus Sicht der Athleten, um euer Verletzungsrisiko in einem vertretbarem Maß zu halten?
Tobias: Was im Reglement steht, bezüglich Skibreiten usw., weiß ich ehrlich gesagt nicht und mein Know How reicht nicht aus, dass ich mir ein Urteil erlauben würde. Ich verlass mich mal darauf, dass die FIS im Sinne der Athlethen Entscheidungen trifft und dass das große Knochenbrechen und Bänderreißen bald ein Ende hat.

ski2b: Was beschäftigt dich abseits der Rennpiste? Womit verbringst du deine wenige Freizeit?
Tobias: Meine Freizeit widme ich voll und ganz meinem Hobby dem Fußball. Ich gehe ab und zu mal ins Training beim TSV Fischen und verfolge aufmerksam die Bundesliga-Saison, internationale Ligen und alles andere am Fernseh oder live im Stadion. Mein absoluter Lieblingsverrein ist Borussia Dortmund, was ich auch allzu gerne durch das Tragen diverser Fanartikel demonstriere. Ansonsten gilt: "In München gibt’s nur ein Verein: 1860!"

ski2b: Stichwort Olympia - wie stehen deine Chancen? Sehen wir dich in Whistler am Hang?
Tobias: Klar denkt man ständig daran, wie toll das wäre, dort an den Start zu gehen. Allerdings ist es nicht ganz einfach, zweimal die Top 15 oder einmal die Top Acht zu erreichen. Aber wie gesagt, wenn alles passt, ist vieles möglich. In Gröden kommen gleich zwei super Chancen mit dem Super-G und der Abfahrt, auf einer Strecke, die mir gut gefällt. Ich werde alles geben, um dort so eine "super Fahrt" ins Ziel zu bringen!