Hermann Maier ist zwar nicht mehr im Weltcup aktiv, dafür macht er sich als Botschafter für mehr Sicherheit im Schnee stark. Warum ihm das wichtig ist und was er für wichtig hält, erklärt er im Interview.

Frage: Hermann Maier, warum machst du dich als Profiskifahrer gemeinsam mit deinem Ausstatter HEAD und der Initiative „Sicher im Schnee“ für das Thema Sicherheit im Wintersport stark?
Hermann Maier: Skifahren ist ein wunderschöner Sport, den man von früher Kindheit bis ins hohe Alter ausüben kann und der immer Spaß macht. Zum Spaß gehört aber natürlich auch die Sicherheit. Dazu trägt auf der einen Seite eine sichere Ausrüstung, aber auch das Bewusstsein der Skifahrer bei, sich selbst und andere nicht zu gefährden. Ich unterstütze die Aktion „Sicher im Schnee“, weil ich einen Beitrag leisten möchte, die Sicherheit der Ausrüstungen zu verbessern und die Skifahrer darauf hinzuweisen, wie Gefahren und Risiken zu vermeiden sind.

Frage: Du hast als Doppelolympiasieger und Weltmeister langjährige Erfahrungen im Skisport. Worin besteht deiner Meinung nach das größte Gefahrenpotenzial auf der Piste?
Hermann: Ich glaube ein großes Risiko ist die Selbstüberschätzung der Skifahrer auf den Pisten. Wenn jeder so Ski fährt, dass er jederzeit auf gefährliche Situationen reagieren und stehen bleiben kann, würde das unseren Sport deutlich sicherer machen.



Frage: In deiner Skifahrer-Karriere hast du verschiedene Unfälle erlebt. Hat sich dadurch dein Sicherheitsdenken und -handeln auf der Piste verändert?
Hermann: Wenn ich am Start der Streif in Kitzbühel stehe, darf ich nicht darüber nachdenken, was passieren könnte, wenn ich über die Mausefalle springe, dann habe ich keine Chance mehr. Meine Stürze in Rennen habe ich immer selbst verschuldet, sie sofort abgehakt und bin schnellstmöglich wieder gestartet. Wenn ich aber frei Ski fahre, denke und handle ich völlig anders. Ich versuche Risikosituationen vorauszuahnen und ihnen aus dem Weg zu gehen. Stürze haben darauf keinen Einfluss, eher die größere Lebenserfahrung mit zunehmendem Alter.

Frage: Wie sollten sich Wintersportbegeisterte auf die Piste vorbereiten, um sicher durch den Wintersporttag zu kommen? Hast du als Profi ein paar Tipps?
Hermann: Als Skirennfahrer habe ich das ganze Jahr trainiert. Nur wer in den Sommermonaten die Kraft für den Winter tankt, kann fit an den Start gehen. Wenn Freizeitskifahrer glauben, sie können aus dem Alltag auf die Piste gehen, unterliegen sie einem großen Irrtum. Ich kann nur empfehlen einige Wochen vor der ersten Abfahrt mit Skigymnastik und zumindest einem leichten Konditionstraining zu beginnen.

Frage: Die Mehrzahl der Verletzungen im Wintersport sind Knieverletzungen. Grund dafür sind Bindungen, die wegen falscher Einstellungen zu spät öffnen. Du als Skirennfahrer kennst die sehr hohen Kräfte gut, die dabei auf das Knie wirken. Was empfiehlst du, um die Einheit von Schuh, Bindung und Ski zu optimieren?
Hermann: Für Rennfahrer wird die Bindung vor jedem Start überprüft, an die Strecke angepasst und eingestellt. Freizeit-Skifahrer nehmen noch viel zu häufig ihre Ski aus dem Keller oder der Garage, wie sie nach der letzten Saison abgestellt wurden und gehen damit auf die Piste. Richtig und wichtig ist dagegen eine Überprüfung der Bindungseinstellung und deren Funktion vor dem ersten Einsatz.

Frage: Viele Wintersportler fahren noch immer ganz ohne Schutzausrüstung. Als Argument wird oft angeführt, dass Helme und Protektoren unbequem sind und die Bewegungsfreiheit einschränken. Kannst du diese Argumente nachvollziehen?
Hermann: Skirennen ohne Sicherheitsausrüstungen gibt es nicht mehr. Und zwar nicht nur Abfahrt, sondern alle Disziplinen bis zum Slalom. Ich kenne die Wirkung von Helmen und Protektoren genau und kann nur allen Freizeit- und Hobbyfahrern dringend raten, diese auch zu nutzen. Moderne Helme, die richtig sitzen, sind leicht und komfortabel zu tragen, nach wenigen Minuten spürt man kaum mehr einen Unterschied zur Skimütze. Protektoren - gerade am Rücken - spürt man aus meiner Erfahrung nicht.

Frage: Bei gutem Wetter steigen die Unfallzahlen, weil viel mehr Wintersportler auf den Pisten unterwegs sind. Aus deiner Erfahrung: Welche Gefahren lauern bei schlechtem, aber auch bei gutem Wetter?
Hermann: Als Rennfahrer bin ich allein auf der Strecke unterwegs, wenn ich in der Freizeit fahre, unter vielen. Dann muss ich mein Tempo an die Verhältnisse anpassen. Es ist immer wieder die gleiche Antwort: je mehr Skifahrer auf den Pisten unterwegs sind, desto größer ist das Risiko von unkontrollierten Fahrweisen anderer. Also ist besonnenes, vorausschauendes Fahren noch wichtiger.
Schlechtes Wetter hat immer schlechte Sichtverhältnisse zur Folge. Das macht nicht nur die Beobachtung der anderen Skifahrer schwierig, sondern oft sind Rippen oder Buckel auf den Pisten schwer erkennbar. Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, muss ich bei Nebel langsamer fahren, das gleiche gilt für die Abfahrt mit Ski.

Frage: Was sollte man bei schlechten Pistenverhältnissen besonders beachten?
Hermann: Die Präparierung der Pisten ist in den letzten Jahren immer besser geworden. Dennoch ist es natürlich möglich, dass sich im Lauf eines Skitages Eisplatten bilden, oder der Schnee durch steigende Temperaturen weich und schwerer zu befahren wird. Deshalb auch hier: die Geschwindigkeit reduzieren, mit Gefahrenstellen rechnen und damit, dass andere Skifahrer dort Probleme bekommen oder stürzen können.