Bei der Wahl des richtigen Wachses gilt es, besonders die Faktoren Temperatur, Feuchtigkeit, Schneekörnung und die Formen der Schnee-Reibung zu beachten.

Temperatur
Die Temperaturangaben auf den meisten Wachsen beziehen sich in der Regel auf Schnee oder auf Lufttemperatur. Wenn nichts anderes angegeben ist, wird die Lufttemperatur herangezogen. Als erster Anhaltspunkt für die richtige Wachswahl gilt eine Messung der Lufttemperatur im Schatten. Gemessen werden sollte an mehreren Punkten entlang der Strecke, wobei speziell auf die Schlüsselstellen, wie Flachstücke, geachtet werden muß. Das zusätzliche Messen der Schneetemperatur kann ebenfalls sehr nützlich sein (Achtung: Immer an der Schneeoberfläche messen!). Wenn die Temperatur aber einmal den Gefrierpunkt (0°C oder 32°F) erreicht, wird der Schnee diese Temperatur halten, auch wenn die Lufttemperatur weiter steigt. In diesem Fall sollte man sich dann an der Lufttemperatur orientieren und sich als weiteres Kriterium auf den Wassergehalt im Schnee konzentrieren.

Feuchtigkeit
Die Feuchtigkeit ist sehr wichtig, wobei aber mehr auf lokale Klimagegebenheiten als auf jeden Prozentpunkt der Luftfeuchtigkeit geachtet werden soll. Ins Kalkül zu ziehen ist, ob das Rennen in einer trockenen Klimazone mit einer durchschnittlichen Luftfeuchtigkeit von weniger als 50%, in einer "normalen" Zone mit 50% bis 80% oder in einer feuchten Klimazone mit 80% bis 100% stattfindet. Dazu müssen dann natürlich auch gegebenenfalls aktuelle Niederschläge beachtet werden.

Schneekörnung
Die Form der Schneekristalle und folglich der Schneeoberfläche ist für die Wachswahl sehr wichtig. Fallender oder sehr frischer Schnee stellt einen beim Wachsen vor die größten Probleme. Scharfe Schneekristalle erfordern ein Wachs, in welches sich die Schneekristalle nicht hineinbohren können (betrifft das Steigwachs) und das nicht nicht heruntergeissen werden kann, das aber bei wärmeren Temperaturen gleichzeitig wasserabweisende Qualitäten hat. Heutzutage ist bei vielen Rennen Kunstschnee im Einsatz. Frisch produzierter Kunstschnee bei kalten Temperaturen erfordert ein Wachs, dessen Temperaturbereich noch unter dem aktuell Gemessenen liegt. Kunstschnee, der schon einige Tage liegt und dessen Oberflächenstruktur von der umgebenden Atmosphäre geformt wurde, ähnelt eher wieder normalen Schneebedingungen mit gängigen Gleiteigenschaften. Auch wenn die Lufttemperaturen über 0°C steigen, bleibt die Schneetemperatur bei 0°C. In diesem Fall verändert sich nur der Wassergehalt des Schnees bis zur gänzlichen Sättigung des Schnees mit Wasser. Diese Bedingungen verlangen nach Wachsen mit hoher Wasserabweisung und nach sehr groben Belagsstrukturen.

Formen der Schnee-Reibung
Die Reibung auf Eis und Schnee ist eine gemischte. Das bedeutet, es ist weder eine wirkliche Trockenschnee- noch eine Nassschneereibung. Bei sehr niedrigen Temperaturen ist der Reibungsmechanismus weitgehend von Gesetzmäßigkeiten der Trockenreibung bestimmt. Bei durchschnittlichen winterlichen Temperaturen von -4° bis -10°C ist der Wasserfilm zwischen den Reibungsbeteiligten optimal, um eine niedrige kinetische Reibung zu schaffen. Bei Erreichen des Gefrierpunkts nimmt die Dicke des Wasserfilms zu und wenn Schmelzbedingungen eintreten, kommt ungebundenes Wasser ins Spiel. Der Kontaktbereich zwischen Ski und Schnee erhöht sich und die Reibung nimmt zu. Am Belag entsteht ein Saugeffekt und der Wassergehalt steigt.