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Die Wirtschaftskrise zwang die Ski-Hersteller zum Handeln. Das ist der Tenor, wenn Vertreter der Ski-Industrie über die Entwicklungen sprechen, die ab April die sportlichen Themen im Skisport verdrängten. 35-40 Prozent Kosten einsparen müsse man laut Rudi Huber von Atomic. "Das Sponsoring für Leute, die im Weltcup nicht in die Top 30 kommen und auch teilweise im Nachwuchsbereich wird es nicht mehr geben", erklärt Günther Mader für Salomon. Und Rossignol musste seine rund 200 Wintersport-Athleten dazu bringen, auf die Hälfte ihres Fixums zu verzichten.

Der richtige Weg?
Der Aktionismus der Firmen wirft Fragen auf. Als die Hersteller beschlossen, die Serviceleute in den zwei entscheidenden Sommermonaten nicht zu bezahlen, hatte kein Landesverband mehr die Chance, die gebuchten Trainingslager in den üblichen Überseezielen in Südamerika oder Neuseeland zu canceln. Zähneknirschend kam ein Abkommen zu Stande, bei dem neben den Verbänden die Topathleten ordentlich zur Kasse gebeten werden. Ein partnerschaftliches Vorgehen war das nicht, vielmehr haben die Hersteller ihre Macht genutzt, das System schlicht lahmzulegen. Dass ohne Trainingslager auch die eigenen Fahrer vor der wichtigen olympischen Saison keine vernünftige Trainingsmöglichkeit gehabt hätten - geschenkt. Dass es ohne Materialservice keine vernünftige Entwicklung hätte geben können - genauso. Man wusste, dass dieser Fall nicht eintreffen konnte. Weder Fahrer noch Verbände hätten sich das leisten können.



Rossignol: Verzockt
Der Fall Rossignol ist das beste Beispiel für eine Entwicklung, die aus dem Ruder gelaufen ist. Vor einem Jahr, bei dramatischen wirtschaftlichen Kennzahlen, investierte man kräftig - um jetzt den eigenen Athleten die Brocken sprichwörtlich vor die Füße zu werfen. Die Quittung dafür bekommt Rossignol in Form der Abgänge der Stars Vonn und Mölgg. Auch für Vonn war das Argument, man hab es eben nicht vorher gewusst, wohl nicht gut genug. Die Dominatorin des Damen-Weltcups wird den Franzosen schmerzlich fehlen, sie galt auch als treibende Feder für die Materialentwicklung und war vielleicht mehr wert, als nur die Erfolge, die sie direkt einfuhr. Wissen werden wir das erst zum Ende der nächsten Saison.

Gute Lösungen gesucht
Lässt sich nicht konstruktiver mit dieser Situation umgehen? Es muss eine Lösung her, die Verbände, Hersteller und Athleten gemeinsam tragen wollen. Zudem darf der Nachwuchs im Skisport nicht vernachlässigt werden. Denn mit welchen Mitteln sollen die Leistungsträger von morgen überhaupt den Einstieg in ihren Sport finden, wenn Sie sich ihre Ausrüstung selbst kaufen müssen? Kritisch beäugt werden muss dabei auch die Rolle des Ski-Weltverbandes FIS. Der hat seine Einnahmen in den letzten Jahren kontinuierlich erhöht - ohne diese Profite auch an die weiteren beteiligten Institutionen wenigstens teilweise weiterzugeben. Es stünde der FIS durchaus gut zu Gesicht, sich in der Krise aktiv zu beteiligen. Einsparmöglichkeiten gibt es viele, die Art und Weise des Vorgehens und der Lösungsfindung wird entscheidend sein, ob die Beteiligten sich weiterhin offen in die Augen schauen können oder nicht.

Für ehrlichen Skirennsport
An dieser Stelle soll kein künstliches Täter-Opfer-Szenario aufgebaut werden. Doch offenbar gibt es im System Skirennsport derzeit einige Gruppen, die ihre Interessen leicht durchsetzen können, in dem sie ihre Leistungen einstellen. Andere können das nicht, ihr Interessen fallen damit unter den Tisch. Lange kann sich der Sport eine solche Schieflage nicht erlauben, will er weiter Begeisterung bei den Fans wecken und nicht als reine Marketingkampagne abgetan werden.