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Die amtierende Gesamtweltcup-Siegerin und Weltmeisterin in Abfahrt und Super-G Lindsey Vonn wechselt ihren Ausrüster. Die 24-Jährige verlässt Rossignol und schließt sich dem Head Racing Team an. Damit fährt sie in der kommenden Saison auf dem gleichen Material wie ihre Freundin Maria Riesch.

Head rüstet auf
Die Nachricht kommt einerseits überraschend: Lindsey Vonn war über die letzten beiden Winter das Zugpferd des französischen Skiproduzenten Rossignol. Zweimal gewann sie zuletzt die große Kugel, zudem auch die Weltcupwertungen in Abfahrt und Super-G. Bei der letzten WM in Val d`Isére gab es gleich zweimal Gold für die überragende Skifahrerin. Trotz dieser Erfolge verlässt sie nun Rossignol und unterzeichnete gleich einen Vertrag bis 2014 für Ski, Bindung und Schuhe bei Head.

Kein Gehaltsverzicht
Die Gründe dafür liegen wohl nicht nur in der Suche nach dem besten Material für die kommenden sportlichen Erfolge. Rossignol hatte alle seine Fahrer vor die Wahl gestellt, auf 50 Prozent des Fixgehalts zu verzichten. Zwar sollte dieser Verzicht mit Prämienregelungen abgefangen werden (mehr Infos im Interview mit Rossignol Racing-Manager Angelo Maina), das war aber offenbar dennoch Grund genug für Vonn, die Möglichkeit zum Vertragsausstieg zu nutzen. Die Frustschwelle muss bei der Amerikanerin, die ihr Leben lang nur auf Rossignol unterwegs war, entsprechend groß gewesen sein.



Trio infernale
Bei Head trifft sie nun auf ein sehr starkes Damenteam. Zum einen ist Maria Riesch, zugleich beste Freundin und sportlich schärfste Rivalin, bereits seit Jahren auf Head unterwegs. Zum anderen hat sich Anja Pärson in ihrer wohl letzten Saison noch einmal richtig viel vorgenommen. Mit diesen drei Zugpferden, immerhin die Nummern eins, zwei und drei der letzten Weltcup-Saison, geht der österreichische Skihersteller siegesgewiss in die neue Saison - die Konkurrenz wird sich umsehen müssen.

Risiko für beide Seiten
Ideal ist die Verpflichtung Vonns zu diesem Zeitpunkt für Head wohl kaum. Zum einen hatte man dort bereits zwei Anwärterinnen auf die große Kugel, zum anderen kann Vonn im Vergleich zur großartigen letzten Saison kaum noch besser abschneiden - zumal sie erste Materialtests erst beim vergangenen Trainingslager in Neuseeland vornehmen konnte. Das gibt Heads Rennsportleiter aber nicht zu denken: "Das hat mit Bode Miller auch funktioniert", so Rainer Salzgeber. Vonn wird mit Heinz Hämmerle, der zuletzt für Bode Millers Speedski zuständig war, einen sehr erfahrenen Servicemann bekommen.

"Wir behandeln alle gleich"
Auch für Vonn ist dieser Wechsel in der olympischen Saison schwierig - gerade weil sie ihre neuen Ski noch kaum testen konnte und somit droht, die perfekte Abstimmung bis zum Highlight in Vancouver nicht zu finden. "Sie gilt beim Material als sehr fokussiert", so Salzgeber, "genau wie ihr Mann. Das wird eine sehr interessante Zusammenarbeit." Darüber hinaus betont der Rennsportleiter, dass Vonn keine Ausnahmerolle im prominenten Kader erhalten wird: "Wir behandeln alle gleich, dass ist klar!" Man darf also gespannt sein, wie Top-Star Lindsey Vonn in den ersten Rennen abschneidet. Der erste Test steigt Ende Oktober in Sölden.

Ingo Lemmer