© Doug Haney U.S. Ski Team
Angelo Maina hat als Racing Manager der Rossignol-Gruppe, zu der auch Dynastar und Lange gehören, schwere Wochen hinter sich: Er musste seine Athleten davon überzeugen, 50 Prozent ihres Fixgehalts abzutreten. ski2b.com sprach mit ihm über die aktuelle Situation und ihre Gründe und Auswirkungen.

ski2b.com: Herr Maina, das waren bestimmt keine leichten Wochen für Sie - wie ist denn der aktuelle Stand bezüglich der Rossignol-Gruppe und dem Gehaltsverzicht seiner Stars?
Angelo Maina: Das war natürlich keine gute Nachricht. Wir haben auf sieben verschiedenen Sitzungen in verschiedenen Ländern uns mit den Athleten zusammengesetzt und ihnen unsere schwere Position erläutert. Aktuell kann ich sagen, dass rund 95 Prozent der Athleten zugestimmt haben. Bei etwa 200 Sportlern (nordisch und alpin zusammen, Anm. d. Red.) sind es 190.

ski2b: Wie haben die Athleten das aufgenommen?
Angelo Maina: Wir haben eine sehr spezielle Situation, wir mussten sehr viele Mitarbeiter entlassen, etwa 30 Prozent von vorher insgesamt 1.600 Mitarbeitern. Das geht dann natürlich auch an der Rennabteilung nicht spurlos vorbei. Daran ist die weltweite Wirtschaftskrise mit schuld. Wir waren einfach in dieser Situation.

ski2b: Ließ sich das nicht bereits früher absehen? Immerhin hat Rossignol vor der letzten Saison im alpinen Bereich personell noch einmal aufgerüstet.
Angelo Maina: Nun, das ist nicht ganz so einfach. Wir haben den Besitzer gewechselt und die neuen Entscheider haben eine neue Strategie. Die Prognose über den Skimarkt haben wir erst in diesem März bekommen. Wir haben vor der letzten Saison nicht gewusst, dass jetzt 450 Mitarbeiter gehen müssen. Das haben wir auch den Athleten so mitgeteilt.

ski2b: Wie stellte sich die Situation für Sie persönlich dar?
Angelo Maina: Natürlich nicht einfach. Die Saison war ja sportlich sehr erfolgreich, wir hatten mit Rossignol und Dynastar fast 70 Podestplätze. Aber wir mussten reagieren, damit die ganze Gruppe überlebt. Für mich gilt das auch, ich bin bei Rossignol angestellt. Das neue Ziel geht in diese Richtung und ich stehe hundertprozentig dazu.



ski2b: Ein Athlet hat die Chance, aus dem Vertrag in dieser Situation auszusteigen, genutzt: Manfred Mölgg ist weg. Hatten Sie mit mehr 'Aussteigern' gerechnet?
Angelo Maina: Das ist ja normal, das die Athleten hier die Chance bekamen, den Vertrag aufzulösen. Manfred hat das gemacht. Ich bin auf der einen Seite enttäuscht, aber auf der anderen Seite bin ich auch zufrieden, weil es nur einer gewesen ist.

ski2b: Es kursierte das Gerücht, Rossignol könne, um Prämiengelder zu sparen, den Fahrern, die nicht auf das Fixum verzichten, schlechteres Material geben. Wäre so ein Vorgehen mit Ihnen zu machen?
Angelo Maina: Nein, das ist undenkbar. Wir arbeiten alle für den Erfolg. Da muss man auch unser Angebot präzisieren: Das Fixum der Fahrer ist an ihre Leistung geknüpft. Fällt die Leistung ab, fällt das Fixum niedriger aus. Wir haben den Fahrern nun angeboten, dass sie in dieser Kategorie nicht mehr absteigen können. Außerdem garantieren wir den Fahrern 50 Prozent der Prämieneinnahmen aus dem letzten Jahr - auch wenn sie sich verletzen und ausfallen. Gewinnen sie mehr, bekommen sie auch mehr. Diese Garantien haben wir gegeben, nachdem die ersten Gespräche geführt worden sind, als Entgegenkommen. Man muss sehen: Wir sind mit vielen Athleten sehr lange verbunden. Rossignol hat hier sehr, sehr viel investiert. Aber jetzt müssen wir 30 Prozent des Budgets einsparen.

ski2b: Es scheint, dass die Athleten die Verlierer bei vielen aktuellen Maßnahmen im Skisport sind. Auch bei der Umlage der Kosten für Sommer-Trainingslager müssen die Fahrer mitzahlen. Drohen die Aktiven hier ohne eigene Interessenvertretung unterzugehen?
Angelo Maina: Diese Maßnahme wurde ja von alle Skifirmen gemeinsam getroffen. Die Unkosten sind so einfach nicht mehr tragbar. Wir investieren pro Jahr 80 Millionen Euro in den Skirennsport und der Markt ist eingebrochen. Wir können uns das nicht mehr leisten. Eins und eins macht zwei. Wenn alle Skifirmen 50 Prozent mehr Ski abgesetzt hätten, dann wäre die Situation anders. Aber der amerikanische Markt ist eingebrochen und Europa lief auch nicht gut. Wir haben zuviel investiert.
In dieser Situation müssen wir überlegen, müssen Lösungen finden. Ausrüster brauchen Top-Fahrer, aber dahinter gibt es hunderte Athleten, die wir ausrüsten und die nichts zurückgeben. Die Kosten müssen Verbände, Firmen und Athleten anders umlegen. Es gibt mehrere Möglichkeiten - weniger Tage Skitraining zum Beispiel. Wir waren überorganisiert, wir haben zuviel geleistet. Bislang hatten maximal zwei Topfahrer einen Servicemann - das wird in Zukunft nicht mehr möglich sein.

ski2b: Die nationalen Verbände waren wenig erfreut, dass so kurzfristig die Serviceleute abgezogen werden sollten - und man selbst keine Möglichkeit zu reagieren hatte. Können sie das verstehen?
Angelo Maina: Das ist schon richtig und wir verstehen auch die Situation der Verbände. Aber nochmal: Der neue Besitzer und die März-Prognosen haben uns vor eine neue Situation gestellt. Vorher wussten wir es nicht. Wir mussten schnell reagieren und neue Möglichkeiten suchen. Auch bei den Verbänden gibt es Einsparpotenzial. Bislang hat jeder Verband versucht, die besten Pisten zu bekommen und die besten Trainingsmöglichkeiten zu haben. Man könnte sich zusammentun, beispielsweise mit weniger Serviceleuten auskommen.

ski2b: Werfen wir einen Blick voraus. Zunächst: Ist mit den getroffenen Maßnahmen sichergestellt, dass der Betrieb der Rennsportabteilung der Rossignol-Gruppe für den kommenden Winter aufrecht erhalten werden kann?
Angelo Maina: Ja, das ist sicher.

ski2b: Die sportlichen Erfolge des letzten Jahres haben Sie schon erwähnt. Nun steht Olympia vor der Tür.
Angelo Maina: Wir werden sicher einen schweren Winter haben. Wir müssen bei den Fahrern Vertrauen zurückgewinnen, müssen Top-Material stellen und die sportlichen Ziele mit den Athleten erreichen.

ski2b: Und wie sieht ihr Racing Team nach der nächsten Saison aus? Muss abgespeckt werden?
Angelo Maina: Es ist jetzt noch etwas früh, um darüber etwas auszusagen. Bereits Ende des Jahres beginnen aber die Arbeiten. Wir werden sicher ein bisschen kürzen müssen, wie vielleicht andere Teams auch. Wir wollen aber eine gute und starke Mannschaft behalten, auch quantitativ. Aber auf die Kosten muss ich dabei auch schauen. Wir müssen in unserem Budget bleiben.

ski2b: Danke Herr Maina!